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Versailler Vertrag - Geschichte Kursiv

Staffel 0, Folge 00 18.04.2024 00:07:58

In Geschichte Kursiv werfen wir einen Blick auf ein bedeutendes Thema der Geschichte. Heute: Der Versailler Vertrag und seine Folgen für Europa.

Willkommen bei Geschichte Kursiv. In dieser Serie werfen wir einen Blick auf ein bedeutendes Thema der Geschichte, heute der Versailler Vertrag. Der Versailler Vertrag ist der Friedensvertrag, mit dem der Erste Weltkrieg zu Ende geht, zumindest offiziell.

Schon im November 1918 hat sich das Deutsche Reich im Grunde für kriegsunfähig erklärt und einen Waffenstillstand mit den Alliierten vereinbart. Doch erst 1919 kommt es zum Abschluss des offiziellen Friedensvertrags, dem sogenannten Versailler Vertrag. Dieser Versailler Vertrag, der eine ganze Reihe von Regelungen beinhaltet, ist ein riesiges Werk von Regelungen und bezieht sich auf ganz viele Staaten in Europa.

Wenn man sich die Landkarte Europas aus dem Jahr 1914 und aus dem Jahr 1920 anschaut, dann ist das ein riesiger Unterschied. In Österreich-Ungarn, ein riesiges Reich zentral in Europa, ist zerfallen in viele kleine Staaten. In Österreich, die Tschechoslowakei, in Ungarn, zum Teil hat es an Rumänien große Gebiete

abtreten müssen und im Süden ist mit Jugoslawien ein riesiges neues Reich entstanden. Weitere Gebiete wurden an Italien abgetreten. Damit ist im Prinzip Österreich-Ungarn Geschichte. Das Gleiche passiert im russischen Reich, das im Zuge der Novemberrevolution zerfällt und unter anderem in Weißrussland, die Ukraine, Polen, Litauen, Lettland und Estland große

Teile seines Gebiets im Westen verliert. Diese großen Verwerfungen in den Gebieten kommen nicht irgendwo her, sondern die haben natürlich auch mit dem Friedensvertrag, dem Versailler Vertrag, zu tun. In Bezug auf Deutschland bringt dieser Versailler Vertrag enorme Einschränkungen. Unter anderem verliert Deutschland 13% seines Staatsgebietes, dort leben 6,6 Millionen Menschen,

das ist fast ein Zehntel der Bevölkerung des Deutschen Reichs. Diese Gebiete werden eben an die Nachbarstaaten abgetreten, darunter Frankreich, aber auch zum Beispiel Polen. Mit diesen Gebieten, die man verliert, verliert man auch erhebliche wirtschaftliche Reserven. Elsaß-Lothringen, das an Frankreich abgegeben werden muss, nachdem man es 40 Jahre vorher

im Deutsch-Französischen Krieg erobert hatte, ist ein wirtschaftlich bedeutendes Kohle-Revier geworden. Westpreußen und Posen sind wirtschaftlich wichtige Industrie- und Agrargebiete und insofern ist es nicht nur ein großer Verlust an Menschen und an Gebiet, sondern auch an Wirtschaftskraft. Dazu kommt, dass Deutschland alle seine Kolonien abgeben muss, Deutschland war nie eine große

Kolonialmacht, aber doch ist das für das Prestige des Reichs ebenfalls fatal. Dazu kommt eine Abrüstung des Militärs auf nur 100.000 Soldaten, was im Jahr 1918–19 wie ein Witz erscheint, das ist eine winzige Zahl im Vergleich zu dem, was die Nachbarn so an Soldaten aufgestellt haben. Dazu kommt ein Verbot moderner Waffen, von Panzern und Luftwaffe zum Beispiel, aber

auch U-Boten, das heißt im Prinzip eine komplette Unfähigkeit des deutschen Reichs, militärisch zu antworten, sollte einer der Nachbarstaaten militärisch in Deutschland eingreifen wollen. Und das ist auch Absicht, denn natürlich will man sich von Seiten der Alliierten, das betrifft vor allem Frankreich, schützen vor einem Deutschland, das erneut erstarken könnte. Das heißt, für insbesondere Frankreich ist diese militärische Abrüstung Deutschlands

ein Garant für die eigene Sicherheit. Neben diesen Regelungen, die Deutschlands Macht beschneiden sollen, kommen Regelungen dazu, die Reparationen regeln. Reparationen – da kommt das Wort „reparieren“ her – das sind Regelungen, die so eine Art Schadensersatzzahlungen beinhalten.

Reparationen sind also letztlich Schadensersatzzahlungen an diejenigen, bei denen man im Krieg Schaden angerichtet hat. Und wenn man sich so einen Krieg vorstellt, wie den Ersten Weltkrieg, der mit jeder Menge moderner Technik geführt wird, dann sind die Schäden unfassbar und die Preise, die man da zahlen müsste, um das zu reparieren, sind eigentlich unbegrenzt.

Und so ist das auch im Versailler Vertrag tatsächlich anfangs geregelt. Da ist zwar festgelegt, dass Deutschland Reparationen zu bezahlen hat, aber die Höhe ist vorerst unbegrenzt. Das heißt, im Prinzip wartet man in Deutschland jetzt weiter darauf, was denn eigentlich konkret an Reparationen auf einen zukommt, aber alles, was man weiß, ist, dass es wahrscheinlich

nicht witzig wird. Nicht zuletzt steht im Versaillervertrag der sogenannte Kriegsschuldartikel, der Artikel 231. Und dieser Artikel, der hält die Alleinschuld des Deutschen Reichs am Ersten Weltkrieg fest. Das heißt, hier wird im Prinzip suggeriert, dass Deutschland ganz alleine mit seinen

Verbündeten diesen Krieg heraufbeschworen habe und die anderen dann für nichts könnten. Da steht ausdrücklich, die Alliierten und assoziierten Regierungen erklären, und Deutschland erkennt auch an, dass Deutschland und seine Verbündeten als Urheber für alle Schäden und Verluste verantwortlich sind, die die Alliierten und assoziierten Regierungen und ihre Staatsangehörigen in Folge des ihnen durch Deutschland aufgezwungenen Angriffs erlitten haben.

Und damit haben wir eine Alleinschuld Deutschlands, also eine Schuldzuweisung an Deutschland für diesen Ersten Weltkrieg, die historisch so eigentlich auch nicht gut zu halten ist, die aber natürlich den Siegermächten eben gerade diese Reparationszahlungen und diese Einhegung der deutschen militärischen Macht erlaubt. In Deutschland sind die Reaktionen auf diesen Versailler Vertrag natürlich katastrophal.

Ganz Deutschland steht auf und schreit regelrecht vor Empörung auf, als dieser Versaillervertrag bekannt wird. Man spricht von einem Schandfrieden, einem Diktatfrieden, einem Gewaltfrieden. Insgesamt sind also die Reaktionen absolut ablehnend. Das kann ja auch kein Wunder sein, denn letztlich ist dieser Vertrag ja auch eine ganz radikale

Demütigung für Deutschland und damit eigentlich ein Politikum in Deutschland, das noch ganz lange nachwirken wird. Denn dieser Versaillervertrag befeuert natürlich in aller Heftigkeit die rechte Szene, die nationalistische Szene. Während in Deutschland die SPD und damit eigentlich eine gemäßigte bürgerliche Regierung an

die Macht gekommen ist, haben jetzt die ultranationalen und ultrakonservativen Kräfte leichtes Spiel, diese Regierung schlecht zu machen, denn das sind die Namen der SPD-Politiker, die an der Regierung sind, die unter diesem Versaillervertrag unterzeichnet haben, und damit kann man im Prinzip den liberalen, den demokratischen Parteien die Schuld an diesem furchtbaren Friedensvertrag, an dieser Demütigung, in die Schuhe schieben.

Das machen die nationalistischen und nationalen Kräfte auch, Hindenburg und Ludendorff, die beiden Anführer im Ersten Weltkrieg, sind da ganz fehlerführend mit dabei. Man erfindet die sogenannte Durchstoßlegende, der zufolge die liberalen Parteien angeblich dem siegreichen Deutschen Heer einen Dolch in den Rücken gerammt hätten und es verraten hätten und dann eben diesen Schandfrieden unterzeichnet hätten und damit Deutschland

letztlich mehrfach verraten hätten. Das ist natürlich Blödsinn, aber es ist eine Argumentation, die in einem gedemütigten, frustrierten und ausgepressten Deutschland oder sich ausgepresst fühlenden Deutschland verfängt und große Zahlen von Menschen begeistert und umtreibt und mobilisieren kann. Auf diese Art ist im Prinzip schon im Jahr 1919 mit dem Versaillervertrag so ein bisschen

die Krise der Weimarer Republik in politischer Hinsicht und der Aufstieg der NSDAP und Hitlers angelegt war. Aber das ist natürlich sehr deterministisch, das kann man in der Form eigentlich nicht festsetzen. Man kann aber durchaus sehen, dass hier schon zumindest der Boden bereitet wird, in dem

man Deutschland einen so unerzitadenen Friedensvertrag aufgenötigt hat, dass es eigentlich niemals damit einverstanden sein konnte. Wenn euch die Folge gefallen hat, dann lasst gerne einen Kommentar da und abonniert den Podcast. Tschüss, zu hören und bleibt mir treu.