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Modernisierung der USA - Leistungskurs Geschichte 6

Staffel 1, Folge 06 09.04.2024 00:15:22

Wie wird aus den USA die mächtigste Industrienation der Welt, und warum kann man dort ohne Mehrheit der Wählerstimmen Präsident werden?

Willkommen zum Podcast bei geschichtslehrer.net. Mit meinem Podcast möchte ich euch dabei helfen, euch verständlich und kurzweilig auf Klassenarbeiten und das Abitur im Fach Geschichte vorzubereiten. Heute beschäftigen wir uns mit der politischen und wirtschaftlichen

Modernisierung in den USA. Da reden wir vor allem über die Verfassung, das Wahlrecht und die Wirtschaft, die sich dort im 19. Jahrhundert herausbilden. Die amerikanische Verfassung,

die sieht in erster Linie ein System von Gewaltenteilung oder Gewaltenverschränkung vor und ist eine der ersten, vielleicht die erste moderne demokratische Verfassung, die eine unglaubliche Strahlkraft hat und sich auswirkt auf die französische Revolution, aber auch die 1848er Revolution und auf die meisten modernen demokratischen Verfassungen. Die amerikanische

Verfassung beruht auf dem Prinzip, dass man Gewalt teilt, und man spricht davon Gewaltenteilung oder wenn man es ein bisschen genauer nimmt von Gewaltverschränkung. Was bedeutet das? Wir haben verschiedene Bereiche, in denen sich Macht konzentriert.

Wir haben auf der einen Seite den Präsidenten, der als Exekutivorgan einer der mächtigsten Männer der Welt ist, sagt man ja bis heute, der aber zugleich kontrolliert wird von zwei weiteren Gremien. Das ist einmal das Parlament, bestehend aus zwei Kammern, dem Kongress und dem Senat, und das ist auf der anderen Seite das

Verfassungsgericht, der Supreme Court. Und diese drei gemeinsam können in den USA die Politik bestimmen. Der Präsident als oberster gewählter Vertreter ist so eine Art Chef der Exekutive, wenn man so will.

Das Parlament ist in gewisser Weise der Chef der Legislative und das Gericht natürlich der Chef der Judikative. Diese Gewaltenteilung ist aber, wie schon gesagt, keine Teilung, sondern eigentlich eine Gewaltverschränkung, weil diese Gewalten untereinander doch eng verwoben sind.

Zum Beispiel er nennt der amerikanische Präsident die Verfassungsrichter, die ihn dann wiederum kontrollieren. Das heißt natürlich, dass wenn der Präsident sich politisch im genehmen Sinne oberste Richter ernennt, dass er dann natürlich die Möglichkeit hat, auch seine eigene Politik vor rechtsstaatlichen Eingriffen durch den Supreme Court abzusichern, so ähnlich wie man das bei

Donald Trump vermuten kann, der in seiner ersten Amtszeit gleich drei Verfassungsrichter ernennen konnte. Eine der ersten zentralen Entwicklungen in der amerikanischen Demokratiegeschichte ist die Jacksonian Democracy, die benannt ist nach dem amerikanischen Präsidenten Andrew Jackson, der um 1830 in den USA regiert hat.

Jackson hat zum einen das Wahlrecht erweitert auf weiße Männer über 21, die noch Besitz haben mussten, und das bedeutet, dass das immer noch eine Art Zensuswahlrecht ist. Aber eben doch schon eins, das relativ weit geht. Und dieses Zensuswahlrecht ist Andrew Jackson, das ist sozusagen ein weiterer Demokratisierungsschub, der die USA noch stärker demokratisch macht, als sie zu dem Zeitpunkt schon sind.

Dazu kommt eine weitere Stärkung demokratischer Grundrechte und so weiter, das wollen wir jetzt nicht im Detail ausbreiten, aber im Prinzip haben wir ab 1830 ein politisches System, das dem heutigen amerikanischen System schon ziemlich ähnlich ist. Das bezieht sich insbesondere auf das Wahlrecht, das uns heute ziemlich irre erscheint

das aber damals modern ist und das taucht jedes vierte Jahr in dem Rahmen der amerikanischen Präsidentschaftswahlen wieder auf, denn in den USA wird der Präsident nicht direkt gewählt, sondern es werden sogenannte Wahlmänner gewählt. Das bedeutet, dass in einem bestimmten Bezirk und einem bestimmten Bundesstaat die Wahlmänner für einen bestimmten Kandidaten gewählt werden

und die reisen dann zusammen nach Washington und wählen dann dort wiederum den Präsidenten. Und je nachdem, wie die Stimmenverteilung in den einzelnen Bundesstaaten dann aussieht, ist es möglich, dass eine Minderheit der Bevölkerung den Präsidenten wählt, denn nachher die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält. Und das hat damit zu tun, dass in

der Regel das Winner-takes-all-Prinzip herrscht. Das heißt, dass der Sieger in einem Bundesstaat alle Wahlmänner bekommt, auch wenn er vielleicht nur 52 Prozent der Stimmen in diesem Bundesstaat bekommen hat. Und da kann man dann durch cleveres Ausmessen der Wahlbezirke, das nennt sich

dann gerrymandering natürlich dann auch eine bestimmte politische Zielrichtung sozusagen vorgeben, mit der man die Wahrscheinlichkeit erhöhen kann, dass sowas passiert. Und bei der ersten Wahl Donald Trumps, da war das tatsächlich so, dass er ohne die Mehrheit der Bevölkerung den sogenannten popular vote trotzdem die Mehrheit der Wahlmännerstimmen

erhalten hat, eben weil er in den richtigen Bezirken Wahlkampf gemacht hat und ein bisschen Glück hatte, aber das eben auch clever ausgerechnet hat, lassen von seinen Beratern. Auf die Jacksonian Democracy folgt in den 1860er Jahren der Sezessionskrieg unter Abraham Lincoln und der Sezessionskrieg, der zeichnet sich dadurch aus, dass die Südstaaten sich darum bemühen, aus den amerikanischen Staatenverbund auszutreten, weil sie eben um

ihre rechten Klauen zu halten fürchten. Diesen Sezessionskrieg, den verlieren die Südstaaten und auf ihn folgt eine Phase des wirtschaftlichen Wohlstandes, zumindest eine Phase des wirtschaftlichen Booms. Und diese Phase wird in der Geschichtsschreibung das Gilded Age genannt, das vergoldete Zeitalter.

Der Begriff, der ist ursprünglich ironisch, der Stamm von Mark Twain, und soll so ein bisschen den Widerspruch zwischen der extremen Armut vieler Menschen und dem krassen Reichtum, eben derjenigen, die von diesem Gilded Age profitieren, aufzeigen. Infolge des Sezessionskriegs haben in den USA also einen Boom.

Beim Wiederaufbau passiert es nicht selten, dass in einem Land ein Boom ausbricht, weil eben sehr viel produziert und Herstellung gebaut wird und das schafft Arbeitsplätze, schafft Wohlstand und schafft im Prinzip eine große Neuordnung der Wirtschaft. Aber zugleich haben wir eben in Folge des Sezessionskriegs auch eine erhebliche Armut in vielen Teilen des Landes, gerade wenn wir uns die ethnischen Minderheiten, die Schwarzen,

die Latinos, die Asiaten und so weiter anschauen, die eben nicht in der Form an dem großen Aufschwung nach dem Sezessionskrieg profitieren. Dieser Boom der 1880er und 90er Jahre, der geht auch zurück auf ein ganz krasses Wachstum des industriellen Produktionsmaßstabs. Und das hat

damit zu tun, dass die Produktion in der Industrie jetzt wissenschaftlich gefördert wird. Man spricht hier vom Taylorismus nach dem Wirtschaftswissenschaftler und Unternehmer Taylor, der die wissenschaftliche Methode in der Unternehmensführung sozusagen eingeführt hat, als allererster oder als erster, der es publiziert hat, sagen wir mal so.

Denn Taylor hat angefangen, Produktionsschritte auszumessen, die Zeit genau zu stoppen, die bestimmte Schritte brauchen, die Handgriffe genau zu untersuchen, die bestimmte Schritte brauchen, und hat dann versucht, seine Arbeitnehmer ganz krass zu optimieren, dahin, dass sie möglichst effizient mit möglichst wenig Leuten, mit möglichst wenig Arbeitsschritten und möglichst wenig Zeit in der Lage sind, ihre Produkte herzustellen.

Und ein Aspekt davon ist natürlich dann die Arbeitsteilung, dass ich den Leuten ihre Arbeitsschritte ganz einfach mache. Ein weiterer Aspekt ist, dass ich bestimmte Spezialwerkzeuge erfinde, die bestimmte Handgriffe einfacher machen, und vieles mehr.

Und diese wissenschaftliche Herangehensweise, der sogenannte Taylorismus, die erhöht natürlich dann die Produktion dieser Fabrik, weil sie schneller mehr Produkte schaffen kann. Die Weiterentwicklung davon ist der sogenannte Fordismus, der nach dem Autobauer Ford benannt ist und der im Prinzip eine Erweiterung dieses Taylorismus um das Fließband darstellt.

darstellt. Das heißt, jetzt muss der Arbeiter nicht mehr selbst zu seinem Produkt laufen, sondern das Produkt kommt zu ihm gefahren. Er muss nur noch die eine Schraube rein drehen, die eben seine Aufgabe ist, und dann fährt das Produkt schon weiter.

Dieser Vereinfachungsprozess, den kann man sich so vorstellen, dass wenn ein Arbeiter den Motor alleine zusammenschrauben müsste, dann braucht er ja unglaublich viel Wissen. Die Chance wäre relativ hoch, dass er irgendwo einen Schritt vergisst und dadurch eben etwas schiefgeht.

Die Chance wäre auch relativ hoch, dass ich nicht in den Arbeiter verliere, dass ich sehr viel Zeit brauche, um den neuen einzulernen. Und diese Untergliederung der Arbeit in viele kleine Schritte, die ermöglicht es mir, so gut wie ungelernte Arbeiter ans Fließband zu stellen, denen man die eine Schraube zeigt.

die sie rein drehen müssen. Und das machen die dann bei jedem Motor, der vorbeifährt. Der kommt im gleichen Zustand an, dann wird eine Schraube reingeschraubt, dann fährt er schon weiter zum nächsten Schritt. Und auf diese Art kann ich mit ganz gering qualifizierten

Arbeitnehmern in ganz winzigen Arbeitsschritten, die sehr, sehr einfach sind, mit sehr geringen Fehlerquoten relativ gute Sachen herzustellen. Und das ist eigentlich ein genialer Aspekt, wenn man so will, denn er schafft natürlich die Möglichkeit, ziemlich schnell ziemlich viele Sachen zu produzieren.

Und diese Möglichkeit, schnell viele Sachen zu produzieren, die macht die Sachen halt auch billiger. Und das führt zum Massenkonsum. Der Massenkonsum ist ein Phänomen, das eben auf dem Begriff Konsum aufsetzt.

Konsum bedeutet Verbrauch und der Massenverbrauch, der Massenkonsum ist dann eben die Möglichkeit, dass große Zahlen von Menschen, also Massen von Menschen, bestimmte Produkte konsumieren können, die sie sich vorhin nicht leisten konnten. Und das ist letztlich eine Steigerung des Wohlstandes.

Wenn man so will, denn die Leute können sich jetzt Sachen leisten, die sie sich vorher nicht leisten konnten. Das ist ja etwas durchaus Wünschenswertes. Gleichzeitig werden aber in diesem Gilded Age dann einige Unternehmer sehr, sehr reich. Da ist

zum Beispiel der Name Rockefeller zu nennen, der die Ölbranche im Grunde allein beherrscht mit seinem Konzern. Die Amerikaner nennen diese großen Konzerne Trusts. Und das sind Konzerne, die eben nicht nur ein Produkt beherrschen, sondern die eine ganze Produktionskette,

eine ganze Branche beherrschen. Und das ist natürlich dann wirtschaftlich schon ein Problem. Denn die Amerikaner, die haben ihre Wirtschaft eigentlich auf den Grundgedanken von Adam Smith und dieser unsichtbaren Hand des Marktes aufgebaut, da könnte ich vielleicht dran erinnern, das haben wir in der

vergangenen Folge schon mal besprochen, aufgebaut. Und das bedeutet, dass die Idee immer da ist, dass der Markt sich am besten doch selber reguliert durch Angebot und Nachfrage. Aber das stimmt eben nicht mehr, wenn ich einzelne Firmen habe, die den Markt in einer bestimmten Branche ganz und

gar beherrschen. Dann kann da niemand anders mehr eine Firma gründen, die vielleicht etwas Günstigeres oder etwas Besseres herstellt, weil alle Teile des Produktionsprozesses in einem riesigen Trust aufgegangen sind und dazugehören. Und die werden keine Konkurrenten mit irgendwelchen Rohstoffen oder so versorgen.

Diese sogenannte Big Business, diese großen Firmen, die sehr mächtig sind, häufig mit Korruption arbeiten und häufig eben nicht mit fairen Mitteln, sozusagen, die die Wirtschaft beherrschen, sondern das eben durch teilweise ganz brutale Methoden tun. Dieses Big Business wird in den USA schnell zu einem Problem und in Verbindung mit diesem Laissez-faire-Ansatz, dem Ansatz, dass die Politik sich aus der Wirtschaft am liebsten raushält,

laissez-faire ist französisch, „laissez faire“ heißt das Wort, die Übersetzung. Diese Verbindung, die ist natürlich eine, die ganz krasse Gefahr für die Arbeitnehmer. Denn es bedeutet, dass ein Arbeitnehmer sich zum einen in seinem Unternehmen nicht gut durchsetzen kann.

Er kann ja nicht zur Konkurrenz gehen. Es gibt ja keine Konkurrenz in diesem Sektor, das ist ja ein Trust. Das heißt, letztlich beherrscht er in zumindest seinem Bundesstaat, wenn ich in den ganzen USA die

Branche und dadurch kann er eben zum Beispiel nicht kündigen und woanders hingehen, zumindest nicht ohne sein Existenzrisiko zu setzen. Um das ein bisschen zu bekämpfen, bilden sich in den USA ab den 1880ern ungefähr die Trade Unions. Das ist so lose mit Gewerkschaft übersetzbar.

Die Trade Unions sind Zusammenschlüsse von Arbeitnehmern, die sich eben gegen ihre Unternehmen organisieren, Streiks organisieren, Gehaltsverhandlungen und sowas planen. Man muss aber dazusagen, dass die Trade Unions nie die Macht erlangen, wie sie in Europa erlangen oder heute erlangt haben.

Denn die Trade Unions sind häufig von bestimmten Splittergruppen des Produktionsprozesses gebildet. Das heißt, es ist dann eine Gewerkschaft für eine bestimmte Untergruppe in einem Unternehmen. Und sie sind häufig auch ethnisch begrenzt. Das heißt, sie begrenzen sich zum Beispiel nur auf weiße Arbeitnehmer.

Sie begrenzen sich zum Beispiel nur auf gelernte Arbeiter und nicht auf ungelernte. Und auf diese Art schließt man große Teile der Arbeiterschaft eben auch aus und hat sie dann aber auch nicht als menschliche Reserve, um sozusagen bei Streiks mitzuwirken. Das Gleiche

gilt für Frauen, die häufig nicht Teil der Trade Union werden dürfen. Und dazu kommt, dass die Trade Unions auch in der öffentlichen Wahrnehmung nicht sehr gern gesehen sind. Sie werden häufig mit extremistischen Bestrebungen, teilweise als Sozialisten, gebrannt.

Teilweise sind sie auch Sozialisten. Und zugleich werden sie häufig in die Nähe von Terrorismus gestellt, weil sie eben mal einen Bombenanschlag verübten und in den 1880er Jahren im Zusammenhang mit einer Gewerkschaftsorganisation.

Und das führt dazu, dass die Trade Unions letztlich bis heute in den USA nicht die gleiche Macht und Rolle spielen wie die Gewerkschaften das in Europa tun. Wir haben heute über die amerikanische Verfassung und die Bedeutung der Jacksonian Democracy gesprochen.

Wir haben über die Änderungen des Wahlrechts und die Grundlagen des amerikanischen Wahlrechts bis heute gesprochen, über das Gilded Age, das sogenannte vergoldete Zeitalter, über den Terrorismus und den Fordismus und über das Big Business in den USA. Wir haben über die Entstehung des Massenkonsums und den Boom der Wirtschaft

geredet. Und wir haben uns das Prinzip des laissez-faire in der Wirtschaftspolitik angeschaut und wie die Trade Unions versuchen, dagegen anzugehen. Das sind alles Begriffe, die Teil des Bildungsplans für das erste Halbjahr des Kurses in Geschichte sind.

Bitte denkt daran, dass ich dabei immer an den Bildungsplan von Baden-Württemberg denke, weil ich da selber Geschichte unterrichte. Diese Bildungspläne sind zwar alle irgendwie ähnlich, aber wenn ihr in einem anderen Bundesland lernt, dann werft zur Sicherheit noch einmal einen Blick auf euren eigenen Bildungsplan, damit ihr jederzeit gut vorbereitet seid.

Wenn euch die Folge geholfen oder gefallen hat, dann lasst gerne einen Kommentar da, abonniert den Podcast und teilt ihn mit Freunden oder Bekannten, die sich auch auf Klassenarbeiten und das Abitur vorbereiten. Für mich ist es eine große Motivation, wenn ich sehe, dass Leute die Podcasts hören, und ich freue mich darüber.

Ich danke euch fürs Zuhören und bleibt mir treu.