Weimarer Republik - Leistungskurs Geschichte 15
Wie wurde aus dem Kaiserreich an einem einzigen Tag eine Demokratie? Wie demokratisch waren ihre Eliten? Und wie konnte Adolf Hitler diese Demokratie nur 15 Jahre später zerstören? Wir sprechen über:
-
Novemberrevolution
-
Versailler Vertrag und Dolchstoßlegende
-
Kriegsschuldartikel
-
Weimarer Koalition
-
Systemwechsel und Elitenkontinuität
-
Selbstbestimmungsrecht der Völker
-
Revision
-
Verfassung
-
improvisierte Demokratie
-
junger Nationalstaat
-
Goldene Zwanziger
-
Weltwirtschaftskrise
-
Präsidialkabinett
Willkommen bei Geschichtslehrer.net. Mit meinem Podcast möchte ich euch dabei helfen, euch verständlich und kurzweilig auf Klassenarbeiten und das Abitur im Fach Geschichte vorzubereiten. Heute sprechen wir über die Weimarer Republik. Im Jahr 1918 ist Deutschland im Ersten Weltkrieg
so gut wie geschlagen. Das wissen auch alle am Krieg direkt Beteiligten. Das weiß aber sonst nicht jeder. Denn die Regierung und insbesondere die oberste Heeresleitung, da sind
vor allem die Namen Hindenburg und Ludendorff zu nennen, die arbeiten intensiv, immer noch mit einer riesigen Propagandaschlacht daran, die Deutschen auf den baldigen Sieg vorzubereiten, um eben die Laune bei den Soldaten und ihren Angehörigen einigermaßen aufrecht zu halten und so die Wehrkraft aufrecht zu erhalten. Aber im November 1918 ist da eigentlich nichts mehr zu
Novemberrevolution
Der Krieg ist so gut wie verloren, und die Soldaten beginnen zunehmend zu desertieren, zu meutern. Die Lage ist absolut unhaltbar, und an diesem 9. November 1918, da
entscheiden sich zwei Politiker zu handeln. Der eine ist Philipp Scheidemann von der SPD und der andere ist Karl Liebknecht von den Kommunisten. Die beiden rufen jeweils ein paar Stunden voneinander getrennt eine Republik aus.
Scheidemann als SPD-Politiker ruft eine liberale Demokratie aus, eine klassische parlamentarische Demokratie, und Karl Liebknecht eine Rätedemokratie, im Prinzip eine Sowjetrepublik, nach eben klassisch kommunistischem Vorbild, so ähnlich wie das ein Jahr vorher auch in Russland passiert ist. Es setzt sich bei dieser
sogenannten Novemberrevolution am Ende die SPD durch und damit eben die gemäßigte Linke und damit entsteht in Deutschland eine parlamentarische Monarchie, so ähnlich wie wir das heute kennen. Diese Novemberrevolution ist im Prinzip der Grundstein der Demokratie in Deutschland. In diesem Moment entsteht zum ersten Mal ein richtiges demokratisches System auf deutschem Boden und
mit der SPD hat eine der bis heute traditionsreichsten Parteien das Heft des Handelns in der Hand und die Regierung in der Hand. Diese Novemberrevolution ist aber zugleich natürlich auch machtpolitisch ein gigantisches Schauspiel, denn während an der Front immer noch Soldaten stehen, ist jetzt plötzlich in Deutschland ein Regierungswechsel eingetreten und die SPD, die den Krieg beenden
möchte, die ist jetzt plötzlich der Herr im Haus. Und damit entsteht ein Machtkampf, sozusagen, zwischen der obersten Heeresleitung, die ein Stück weit Angst hat, davor zur Rechenschaft gezogen zu werden für diesen verlorenen Krieg, und auf der anderen Seite der SPD. Und dann kommt ja noch dazu,
dass die Bevölkerung eigentlich gerade auf den Endsieg eingestimmt worden ist, dass also die Stimmung überhaupt nicht so ist, dass man den Krieg jeden Moment verlieren müsste. Das ist der SPD zwar klar, aber eben noch nicht der Bevölkerung. Und dann stellt sich natürlich für die Bevölkerung
ganz schnell die Frage, wie kann das sein, dass wir eigentlich dachten, wir gewinnen diesen Krieg, aber in der Praxis verlieren wir ihn. Und diese Verblüffung über den verlorenen Krieg nutzen Ludendorff und Hindenburg aus, indem sie sie verwenden, um eine Verschwörungstheorie in die Welt zu setzen, die diesen verlorenen Krieg erklären soll.
Versailler Vertrag und Dolchstoßlegende
Und das ist die sogenannte Dolchstoß-Legende. Und die heißt so, weil die Idee dahinter ist, dass ein Verräter, welche Art auch immer, der deutschen Armee sozusagen von hinten erdolcht habe, ihr den Dolchstoß in den Rücken versetzt habe.
Und deshalb haben wir den Krieg verloren und nicht, weil man eine inkompetente Heeresführung hatte und eine kriegstreiberische Monarchie. Und die Dolchstoß-Legende, die ist dann so beschaffen, dass man sagt, die Demokraten, also die SPD insbesondere, die Linken in Deutschland, wen auch immer man das darunter versteht, die hätten durch ihre
Revolution am 9. November 1918 im Prinzip so ein großes politisches Chaos gestiftet, dass sie deswegen den Krieg verloren gegeben haben, dass deswegen die Armee den Krieg nicht mehr gewinnen konnte. Das ist natürlich völlig weit an der Realität vorbei und großer Blödsinn.
Aber es ermöglicht natürlich Hindenburg und Ludendorff, die Schuld von sich selbst abzuweisen, denn sie beide sind ja diejenigen, die diesen Krieg geführt haben und die letzten Jahre über den ganzen strategischen Apparat angeführt haben. Und damit ist natürlich ihr Scheitern jetzt nicht mehr ihr
Scheitern, sondern ist eigentlich ein Verrat der SPD, zumindest in ihren Augen und in den Augen derer, die ihnen das glauben. Und das sind, wie wir schon gesagt haben, deswegen, weil in Deutschland viele Leute nicht fassen können, dass der Krieg verloren geht, weil sie bis vor kurzem eben auf den Endsieg eingeschworen wurden.
Das sind in Deutschland sehr viele, die das nicht glauben können. Und die dann die Deutschschlusslegende, also ein willkommenes Futter für ihre Trauer über den verlorenen Krieg, sozusagen verwenden und darin so ein bisschen Trost finden. Zugleich
bedeutet es aber, dass wenn die SPD oder die Linke oder eben diese liberalen Revolutionäre schuld sind am verlorenen Krieg, dann würde das ja bedeuten, dass die Demokratie letztlich völlig illegitim ist, dass sie also selbst schuld ist am verlorenen Krieg, an den verlorenen Gebieten, später am Versailler Vertrag. Und das ist natürlich ein gigantisches Legitimitätsproblem für
diese Demokratie, die gerade frisch entstanden ist. Wir haben hier also eine neue Herrschaftsform, die von vornherein diskreditiert wird durch rechte Kreise, die so tun, als sei die neue Herrschaftsform Schuld an dem Krieg, den man selber in den Sand gesetzt hat. Jetzt haben wir gerade schon über
den Versaillervertrag gesprochen. Und dieser Versaillervertrag ist im Prinzip ein Grundübel, das die Weimarer Republik ihr Leben lang oder ihr Bestehen lang verfolgen wird.
Kriegsschuldartikel
Der Versaillervertrag ist nämlich der Friedensvertrag in Folge des Ersten Weltkrieges.
Dieser Versailler Vertrag enthält eine Reihe von Bestimmungen darüber, wie Deutschland sozusagen zu bestrafen sei für diesen Weltkrieg. Und da finden sich ganz unterschiedliche Punkte, insbesondere der sogenannte Kriegsschuldartikel, also ein Artikel, der die Alleinschuld Deutschlands am Ersten Weltkrieg
fest schreibt, der also sagt, Deutschland ist Schuld daran, dass der Erste Weltkrieg ausgebrochen ist. Und in der Folge natürlich dann auch jede Menge Bestimmungen, die festlegen, inwiefern Deutschland die siegreichen Gegner zu bezahlen hat. Hat man denn diese Bezahlungen,
Reparationen, Reparationen, das kommt von reparieren, ja das sind quasi so wie die Herstellungskosten für alles, was im Krieg zerstört wurde. Und dieser Versailler Vertrag, der hat noch eine Reihe weiterer Bestimmungen, zum Beispiel, dass der Grenzbereich zu Frankreich nicht bewaffnet sein darf, was für die Deutschen wie eine riesige offene Flanke erscheint.
Und insgesamt hat er so große Reparationszahlungen, dass die Angst davor, wirtschaftlich komplett auf den Boden gedrückt zu werden und nicht mehr wirtschaftlich konkurrenzfähig zu sein, in Deutschland ganz erheblich ist. Und das ist auch berechtigt.
Der Versailler Vertrag ist nämlich tatsächlich ein Vertrag, der ganz extreme Reparationen von Deutschland verlangt, die über Generationen hinweg wirtschaftliche Probleme verursachen. Das ist auch den Alliierten bewusst, die diesen Vertrag aufgesetzt haben. Und
es gibt da immer wieder Diskussionen darum, diesen Vertrag zu reduzieren, zurückzunehmen, um eben nicht in Deutschland so eine radikale, feindselige Haltung gegenüber den Alliierten zu erzeugen. Und das wird auch immer wieder passieren. Die sogenannte
Weimarer Koalition
Weimarer Koalition ist dann die erste demokratisch gewählte Regierung.
In Folge des 9. November und der Revolution haben wir in Deutschland eine Übergangsregierung und später bekommen wir dann eine gewählte Regierung. Das ist eine Regierung der bürgerlichen Mitte,
die vor allem von der SPD und dem Zentrum getragen wird. Das Zentrum ist sozusagen die Vorgängerorganisation der CDU. Das Zentrum ist eine christliche Partei, die vor allem konservative, aber eben bürgerlich-konservative Werte vertritt.
Und die SPD als klassische Arbeiterpartei, aber eben als gemäßigter Flügel dieser Arbeiterpartei, also nicht der kommunistische Flügel, die konnten ganz gut miteinander und die trugen gemeinsam die Demokratie in der Weimarer Republik. Und in den ersten Jahren dieser Republik, da waren sie ja auch ziemlich erfolgreich,
die schaffen es, eine Reihe von katastrophalen Krisen in den Griff zu bekommen. Und das tun sie in verschiedener Weise. Wir haben zum Beispiel das Krisenjahr 1923, das wahrscheinlich den meisten von euch was sagt.
In diesem Jahr gibt es eine ganze Reihe von schweren Krisen. Da wird das Ruhrgebiet von den Franzosen besetzt, weil Frankreich der Auffassung ist, Deutschland komme den Reparationszahlungen nicht nach. In der Folge ruft die Regierung einen Generalstreik aus.
und bezahlt aber die Arbeiter trotzdem weiter, obwohl sie nicht mehr arbeiten. Das heißt, im Ruhrgebiet verweigern die Arbeiter für die französischen Besatzungsmächte ihre Arbeit zu machen, aber sie kriegen trotzdem vom deutschen Staat ihren Lohn. Der Staat muss dafür jede Menge
Geld drucken, um das zu tun. In diesem Zusammenhang druckt er so viel Geld, dass die Währung zusammenbricht. Da kennt man diese Milliarden-Scheine, mit denen man dann ein Brot kaufen kann. Das heißt, von heute auf morgen halbiert sich oft der Wert des Geldes oder er fällt noch schneller.
Systemwechsel und Elitenkontinuität
sodass letztlich Bargeld überhaupt nichts mehr wert ist und man im Prinzip nur gucken kann, wie man möglichst schnell seinen Lohn immer auf den Kopf haut, um dann mit den gekauften Dingen vielleicht besser zu handeln. Und diese Krisen behebt diese bürgerliche Weimarer Koalition ziemlich erfolgreich.
Und damit haben wir eigentlich einen positiven Eindruck von dieser ersten Regierung, während aber ein großes Chaos in dem Land eben auch gemanagt werden musste, sodass die Zeitgenossen wahrscheinlich schon auch vor allem das Durcheinander wahrgenommen haben, das um sie herum herrschte, aber dass die Regierung das relativ gut gemanagt hat, das haben wahrscheinlich viele nicht direkt so wahrgenommen.
Dazu kommt, dass der Systemwechsel von der Monarchie zur Demokratie, also dieser Wechsel des Herrschaftssystems, zugleich von einem Erhalt der alten Eliten geprägt ist. Man spricht davon, der Elitenkontinuität, also von einem Bestehenbleiben der alten Leute aus dem Kaiserreich in vielen wichtigen
Entscheidungspositionen. Das betrifft leitende Beamte, das betrifft das Militär insbesondere. Das heißt, da haben wir weiterhin Leute, die im Kaiserreich also sozialisiert wurden, die dort erzogen und ausgebildet wurden, die auch noch so denken wie Beamte des Kaiserreichs, also eher tendenziell autoritär eingestellt sind, eher rechts, konservativ bis rechts, teilweise monarchistisch.
geprägt sind. Und diese Leute, die halten im Grunde die Weimarer Republik am Laufen, also eine demokratische Republik, das ist eigentlich in sich ein Widerspruch. Manche können sich damit gut arrangieren, vielleicht ist ihnen Politik nicht so wichtig oder vielleicht bedeutet ihnen das System
nicht so viel, aber viele von diesen Leuten in leitenden Positionen, das sind ja durchaus politisch überprüfte Leute, bei denen man geguckt hat, dass die sich gut in das politische System des Kaiserreichs einfügen. Und wenn die jetzt plötzlich eine Demokratie leiten sollen, dann ist das natürlich irgendwie ein bisschen schwierig, kann man sich hier vorstellen.
Das beste Beispiel dafür ist etwa der General Grüner, der Chef der Obersten Heeresleitung, der sozusagen der neue Militärminister, wenn man so will, wird. Und dieser Grüner ist ein alter Militarist des Kaiserreichs und damit eigentlich ein klassisches Beispiel für Elitenkontinuität und gerade für die Leute, die der demokratisch
gewählten Regierung nachher die Schuld schieben für den Ersten Weltkrieg in Form der Dolchstoßlegende, eigentlich eine verrückte Sache. Auch dieser Hindenburg, der größte Held der Deutschen in der Zeit, eben ein Weltkriegsgeneral, der ebenfalls ganz massiv oder einer der wichtigsten Charaktere dabei ist, den Ersten Weltkrieg zu versauen, der wird zum Reichspräsidenten, das heißt,
der wird zum Staatsoberhaupt der Weimarer Republik. Das ist jemand, der selbst die Republik ein Stück weit verachtet, der ganz klar sagt, dass er eigentlich lieber einen starken autoritären Führerstaat sich wünscht, und damit ist Hindenburg eigentlich der absolute Katastrophenfall, die absolute Fehlbesetzung für das oberste Amt in einer Demokratie.
Aber er wird eben dahin gewählt und damit hat man einen ganz klassischen Vertreter der Kaiserreichselite in der Führung der demokratischen Weimarer Republik. Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs stellen sich eine Reihe weiterer Fragen, und dazu gehört die Frage, was macht man mit diesem Österreich-Ungarn, diesem riesigen Vielvölkerreich, das an Deutschlands Seite gekämpft hat.
Selbstbestimmungsrecht der Völker
Österreich-Ungarn zerfällt in der Folge des Ersten Weltkriegs in viele kleinere Staaten, und dafür verantwortlich ist vor allem der amerikanische Präsident Wilson, der das sogenannte Selbstbestimmungsrecht der Völker auf die Agenda gebracht hat und in die politische Diskussion gebracht hat. Und da steckt schon im Prinzip alles drin.
Das Selbstbestimmungsrecht der Völker meint, dass jedes Volk, jede ethnische Gruppe selbst entscheiden soll, ob es einen bestimmten Staat für sich beanspruchen will oder Teil eines anderen Staats sein will, und damit ist so ein Vielvölkerreich wie Österreich-Ungarn, das viele kleine Minderheiten beinhaltet, zum Beispiel Tschechien, Slowenien, die Slowakei, aber auch Teile der Ukraine, eben Ungarn, Teile Rumäniens und so weiter.
Letztlich ist so ein Vielvölkerreich damit ja eigentlich schon abgeschrieben, denn in dem Moment, wo diese kleinen Ethnien das Recht bekommen, eigene Staaten aufzumachen, da ist es ja nur eine Frage der Zeit, bis sie sich abwenden von ihrem alten Reich, in dem sie eben nur eine kleine Minorität sind. Und genauso ergeht es Österreich, und damit zerfällt dieses Großreich relativ schnell.
in viele kleine Staaten eben, die ich gerade genannt habe. In der Weimarer Republik haben wir also nun einen großen Club von im Prinzip demokratiefeindlich eingestellten Eliten, die die liberale Regierung für schuld am Verlieren des Ersten Weltkriegs halten und haben diesen Versailler-Vertrag, der für Deutschland ein riesiges Problem in jeder Sicht war, wirtschaftlich, politisch,
machtpolitisch und so weiter darstellt. Und da wird ganz schnell das Schrei nach Revision laut.
Revision
Was ist Revision? Das lateinische Wort revidere – nochmal angucken oder zurückblicken – das beschreibt so ein bisschen den Prozess, der dahintersteckt.
Man guckt quasi auf die gute alte Zeit und will diesen Vasallen-Vertrag nochmal sozusagen anschauen und im Wesentlichen dann aufheben oder zumindest zerkleinern oder versuchen, bestimmte Bestandteile davon streichen zu lassen und so weiter. Revisionismus ist also immer der Wille, zurück zu einem in Anführungszeichen früheren,
vielleicht in einen besseren Zustand, zumindest in einen von einem selbst für besser gehaltenen Zustand zu kommen. Und dieser Revisionismus, der ist natürlich auch etwas, was ganz massiv die rechte Szene in der Weimarer Republik prägt, denn man will eben diesen, der sei ja in Anführungszeichen „Schandfrieden“, so heißt es den rechten Kreisen, revidieren und will ihn eben versuchen, rückzunehmen. Die Weimarer
Verfassung
Verfassung ist unserer heutigen in vielen Punkten ziemlich ähnlich und wenn wir darüber reden, was da so passiert, dann ist dies uns relativ bekannt. Wir haben zunächst mal eine klassische Gewaltenteilung in Legislative, Exekutive und Judikative, und diese drei Gewalten heißen heute sogar noch relativ ähnlich.
Wir haben damals im Prinzip den Reichstag und den Reichsrat als zwei Parlamente, das eine ist sozusagen die Zusammensetzung aus den Länderparlamenten, der Reichstag ist ein direkt gewähltes Parlament, das ist ganz ähnlich wie es heute bei uns ist, nur heißen die bei uns heute Bundestag und Bundesrat statt Reichstag und Reichsrat, weil wir eben kein deutsches Reich mehr sind.
Und damit haben wir im Prinzip die Legislative, also die gesetzgebende Gewalt. Dann haben wir den Reichskanzler und dessen Minister, die zusammen die Regierung bilden, die Exekutive, und die werden wiederum vom Reichstag gewählt. Auch das ist ganz vergleichbar damit, wie heute der Bundeskanzler gewählt wird.
Und der Reichspräsident, der kann dabei ernennen und entlassen, das heißt, er hat so eine formelle Rolle. Auch das ist heute das, was der Bundespräsident macht. Das heißt, an diesen Stellen ist es sehr ähnlich, was heute in der Politik passiert, zu dem, was in der Weimarer Republik in der Verfassung so
drin steht. Allerdings haben wir in der Weimarer Verfassung eine Reihe von Regeln, die ein bisschen anders sind, als das wir heute kennen, und die Möglichkeiten bieten, diese Demokratie auszuhebeln. Eine davon sind die sogenannten Notverordnungen des Reichspräsidenten. Das heißt, der Reichspräsident,
der kann in Notfällen, die nicht näher definiert sind in der Verfassung, bestimmte Gesetze auf eigene Faust erlassen. Der kann quasi am Parlament vorbei regieren und diese Fähigkeit über die Notstandsverordnungen, die Notverordnungen, bestimmte Gesetze durchzudrücken, die wird gegen Ende der Weimarer Republik, wenn die parlamentarische Zusammenarbeit so ein bisschen zusammenbricht, dann eigentlich zur Regierungsweise.
und damit bekommen wir da so eine Art präsidiale Diktatur, bei der der Reichspräsident quasi am Parlament vorbei regiert und das ist auch ein Weg, wie Hitler nachher seine Diktatur aufbauen wird. Aber im Grunde ist diese demokratische Verfassung der Weimarer Republik, wenn sie richtig angewandt wird, ziemlich demokratisch und lässt sich im Grunde ganz problemlos demokratisch umsetzen und regieren. Diese Weimarer Republik und deren Verfassung, die H.T.
oder Aschenburg als improvisierte Demokratie bezeichnet oder charakterisiert und diese
improvisierte Demokratie
improvisierte Demokratie soll natürlich ausdrücken, dass es ein Stück weit bei dem ganzen K. aus der Revolution schnell zu einer Verfassung kommen musste und daraus so bestimmte Ergebnisse herausgekommen sind, die nicht ganz professionell
sozusagen sind, deswegen improvisiert. Und da steckt zum Beispiel eben gerade die Elitenkontinuität als Problem dahinter. Die demokratische Regierung, die musste irgendwie handeln, musste irgendwie eine Krise nach der anderen managen – und hatte in diesem Zusammenhang eigentlich nicht die Möglichkeit
mal in Ruhe ihre Kader auszutauschen, eine neue Besetzung der Eliten vorzunehmen, sich eine neue Elite heranzuziehen, die auszubilden, die diese demokratischen Werte teilte und vieles mehr. Und das bedeutet, wenn man von der improvisierten Demokratie spricht, dann meint man damit eben dieses Chaos der Jahre 1918 bis 1920, in denen die demokratische Führung vielleicht verpasst hat, bestimmte Menschen aus der Politik oder aus der Führungsebene auszuschalten.
Da kann man sich drüber streiten, was da dran ist. Man kann auch darüber diskutieren, ob vielleicht doch die demokratische Regierung eigentlich alles, was sie möglich machen konnte, auch möglich gemacht hat, ob die vielleicht eigentlich ganz erfolgreich war.
Da gibt es in der Forschung viele Meinungen zu, und natürlich sind sich die Historiker nicht einig. Die Weimarer Republik ist ein
junger Nationalstaat
junger Nationalstaat. Das geht zurück auf die Gründung des Deutschen Reichs 1871.
Also ist das Deutsche Reich letztlich erst ungefähr 50 Jahre alt, als die Weimarer Republik ausgerufen wird und damit zu einer Demokratie wird. Das ist ein großer Unterschied zum Beispiel im Vergleich zu Frankreich oder Großbritannien, die schon über Jahrhunderte ein zusammenhängender Staat
sind also letztlich ein gefestigter Nationalstaat und dann irgendwann eine demokratische Revolution oder Umstellung, wie wir es immer erlebt haben. Das bedeutet, wenn man sich Deutschland anschaut, dann haben wir hier einen gewissen Unterschied zu diesen sogenannten alten Nationalstaaten. Inwiefern das dann tatsächlich einen Unterschied macht?
Darüber kann man sich dann wieder streiten. Man kann natürlich schon so sehen, dass die unterschiedlichen Bundesstaaten in Deutschland, wie zum Beispiel Bayern, ganz bestimmte Partikularinteressen haben, die auch gegeneinander ausgespielt werden können und so weiter, es vielleicht schwieriger machen, eine Demokratie am Leben zu halten.
Das kann man durchaus darin sehen, dass etwa in Bayern sich im Jahr 1923 ein gewisser Adolf Hitler an die Macht zu putschen versucht, der in Bayern durchaus Rückhalt genießt, der also dort durchaus unterstützt wird, gegen die Reichsregierung in Berlin vorzugehen, gegen die demokratische. Das heißt, hier gibt es in Bayern eine ganz andere politische Kultur,
ein ganz anderes Verständnis, ganz andere politische Ziele, als das im Rest des Staates der Weimarer Republik der Fall ist. Und damit haben wir eben eine ganz starke Zersplitterung der politischen Meinungen und damit auch eine hohe Instabilität. Über diesen Hitlerputsch werden
wir aber bei anderer Gelegenheit noch mal sprechen. Letztlich hart, aber die Weimarer Regierung, die Weimarer Koalition ist geschafft, innerhalb der ersten fünf Jahre eine Unzahl von Krisen zu managen und auf das Jahr 1923, vielleicht noch 24, folgen die sogenannten
Goldene Zwanziger
goldenen 20er. Ein knappes Jahrzehnt, in dem, oder sagen wir mal fünf bis sechs Jahre, in denen in Deutschland
ein ganz klarer Wirtschaftsboom stattfindet, in dem ein kultureller Boom stattfindet, ist in Deutschland ganz klar aufwärtsgeht. Das heißt, wir haben eine Phase in Deutschland, in der der Wohlstand – in Anführungszeichen – ausbricht und es den Menschen ganz gut geht. Und in dieser Phase
kann eben auch weiterhin die bürgerliche Mitte in der Politik im Prinzip von diesem Wohlstand profitieren. Die SPD, die Zentrumspartei und die liberalen Parteien profitieren davon und bleiben an der Macht, bleiben die sogenannte Weimarer Koalition, bleiben die Parteien, die die Demokratie stützen und überleben lassen können.
Und eigentlich hätte das alle sein Happy End haben können und es hätte sein können, dass wir bis heute in der Weimarer Republik leben, in einer gefestigten, gut funktionierenden Demokratie, wäre da nicht 1929 die
Weltwirtschaftskrise
Weltwirtschaftskrise gekommen. Die Weltwirtschaftskrise ist im Grunde eine Wirtschaftskrise, die aus den USA
nach Europa rüberschwappt, in Folge einer Spekulationsblase, also ein ganz klassisches Beispiel für Blasenbildung an den Börsen. Und diese Weltwirtschaftskrise erfasst auch Deutschland und zerstört dort aufgrund der gigantischen Verflechtungen der Finanzmärkte, international und so weiter.
Zerstört auch dort zahlreiche Firmen, stürzt damit viele Menschen in die Arbeitslosigkeit. Solche Wirtschaftskrisen funktionieren eigentlich immer nach einem ähnlichen Prozess. Die ersten Unternehmen gehen pleite, eventuell geht eine Bank pleite, die diese Unternehmen zum Teil besessen oder finanziert hat oder Kredite, bei denen sie diese jetzt nicht mehr zurückbekommen hat. Wenn die Bank pleite geht, dann sind auch die Gelder von manchen Firmen und deren Kunden weg.
Das entsteht ein so Panikprozesse, die Leute kaufen nichts mehr, weil sie lieber ihr Geld horten, weil sie Angst haben, dass vielleicht die Krise schlimmer werden könnte. Das bremst die Wirtschaft zusätzlich und so bekommen wir zunehmend Firmen, die sich keine Arbeitnehmer mehr leisten können.
Die Arbeitnehmer werden gekündigt und werden arbeitslos, haben dadurch noch weniger Geld, können noch weniger kaufen. Andere Firmen leiden darunter, dass niemand mehr etwas kauft, und es herrscht insgesamt eine wirtschaftliche Krise. Dann haben wir
ein Armutsproblem und ein Arbeitslosigkeitsproblem. Und das passiert eben in extremer Form in diesen Jahren 1929, 30, 31, in denen die Weltwirtschaftskrise in Deutschland so richtig durchschlägt und im Grunde ein gigantisches Heer von Arbeitslosen produziert und von armen Familien produziert, die im Grunde ein Hungertuch nagen.
Und diese Wirtschaftskrise, die hat das Potenzial, die Demokratie dann endgültig zu zerstören. Denn in dieser Wirtschaftskrise da erstarken die extremen Parteien, die extreme Antworten auf diese Krise suchen, zum Beispiel die Abschaffung der Demokratie fordern und einen starken Führer verlangen,
die vielleicht auch Verschwörungstheorien verbreiten, dazu, wer die Krise verursacht habe, zum Beispiel das „Weltjudentum“ oder so etwas. Und auf der anderen Seite haben wir natürlich auch die linken extremen Parteien wie die KPD, die mal wieder den sozialistisch-kommunistischen Umsturz verlangen – in Folge der Weltwirtschaftskrise – und damit erstarken die politischen Ränder.
die politische Mitte, also das Bürgertum, die SPD, das Zentrum und die Liberalen, verlieren ihre Mehrheit im Parlament. Und damit ist die mittlere politische Ebene, also diese Weimarer Koalition, die die Demokratie getragen hat, nicht mehr regierungsfähig, weil sie keine Mehrheit mehr im Parlament findet. Und das führt zu der Frage, wie regiert man jetzt eigentlich?
Und da kommt eben die, da kommt insbesondere der Reichspräsident auf die Idee mit diesen Notverordnungen, und die werden dann zunehmend benutzt, um dieses handlungsunfähige Parlament auszuschalten und an dem vorbei zu regieren. Und so machen das dann die sogenannten
Präsidialkabinett
Präsidialkabinette, die nennt man so, weil der Präsident diese
Regierungskabinette, ein Kabinett ist sozusagen die Regierungsgruppe, die immer wieder neu eingesetzt wird und die nach Gutdünken eingesetzt und wieder abgelöst wird und dann eben diese Leute Gesetze erfinden, die dann in Absprache mit dem Reichspräsidenten als Notverordnungen durchgewunken werden. Und damit beginnt eigentlich eine Diktatur dieser Präsidialkabinette.
Die herrschen am Parlament und an der Wahlmehrheit der Menschen vorbei und machen eigentlich, was sie wollen, weil das eben in der Verfassung durchaus auch so angelegt ist, dass das in Notfällen erlaubt ist, aber ob das dann ein Notfall ist, nur weil man gerade im Parlament keine Mehrheit findet, darüber kann man sich natürlich auch wieder streiten. Nichtsdestotrotz
eines dieser Präsidialkabinette, das wird im Jahr 1933 als Reichskanzler einen gewissen Adolf Hitler mitbringen und dieser Adolf Hitler wird innerhalb von wenigen Monaten die Demokratie in Deutschland endgültig beerdigen, wird durch bestimmte Gesetze, die er erlassen wird, die Demokratie vollständig ausschalten, die politische Opposition vernichten und die KZs sperren lassen und damit das Dritte Reich und den Nationalsozialismus einleiten.
Heute haben wir über die Weimarer Republik gesprochen. Es ist eine Megafolge von fast einer halben Stunde geworden, aber das Thema ist kompliziert und umfangreich. Die Begriffe, die wir heute behandelt haben, sind die Novemberrevolution,
die Durchstoßlegende, der Versailler Vertrag, der Kriegsschuldartikel, die Weimarer Koalition, der Systemwechsel, aber gleichzeitig mit Elitenkontinuität, das Selbstbestimmungsrecht der Völker, die Revision und die Verfassung, die improvisierte Demokratie und der junge Nationalstaat, goldene Zwanziger, die Weltwirtschaftskrise und die Präsidialkabinette. Diese Begriffe
sind Teil des Bildungsplans für das zweite Halbjahr der Kursstufe in Geschichte. Damit meine ich den Bildungsplan von Baden-Württemberg, denn dort unterrichte ich. Die Bildungspläne sind sich zwar in allen Ländern irgendwie ähnlich, aber wenn ihr woanders seid, dann werft bitte zur Sicherheit einen Blick in euren eigenen Bildungsplan, damit ihr wisst
Was ihr können müsst, wenn das Abitur ist. Wenn euch die Folge geholfen oder gefallen hat, dann lasst mir einen Kommentar da, abonniert den Podcast, teilt ihn mit euren Freunden und Bekannten. Für mich ist es eine große Motivation, wenn ich sehe, dass Leute den Podcast anhören. Ich danke euch fürs Zuhören und bleibt mir treu.