Stalinismus - Leistungskurs Geschichte 21
Josef Stalin beherrscht Russland dreißig Jahre lang. Sein Schatten reicht bis in die heutige Zeit. Wir sprechen heute über:
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Diktatur,
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Massenmobilisierung,
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Massenorganisation,
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Fünfjahresplan,
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Kollektivierung,
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Industrialisierung,
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Propaganda,
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Personenkult,
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Massenkultur,
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Terror,
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Gulag,
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Schauprozess,
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Deportation,
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“Entkulakisierung”,
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Klassendiktatur,
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“Sozialismus in einem Land”,
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Loyalitätsdefizit.
Willkommen bei geschichtslehrer.net. Mit meinem Podcast möchte ich euch dabei helfen, euch verständlich und kurzweilig auf Klassenarbeiten und das Abitur im Fach Geschichte vorzubereiten. Heute sprechen wir über den Stalinismus, eine Epoche, die geprägt ist
Von Josef Stalin und deswegen heißt es so. Josef Stalin war der Diktator, der über die Sowjetunion herrschte von ungefähr 1923 bis 1953. Ungefähr 30 Jahre, in denen er die Sowjetunion geprägt hat, wie kaum jemand anders.
Diktatur
Josef Stalins Herrschaft ist geprägt nicht nur von einer ganz krassen Fokussierung auf ihn als den politischen Führer, sondern auch von einem radikalen Wandel, von einer rapiden und radikalen und brutalen Modernisierung des Landes, und auch geprägt von einer unfassbaren Gewalt und Terrorwelle. Und diese Herrschaft des Stalinismus, die schauen wir uns
heute etwas näher an. Ich habe schon gesagt, dass Josef Stalins Herrschaft eine Diktatur darstellt, das heißt eine Regierungsform, in der der Diktator, also dieser Stalin, eine Art absolute Macht über diesen Staat in sich vereint. Stalin war nie so etwas wie der Regierungschef Russlands, sondern
was er ist, ist der Parteichef der Kommunistischen Partei. Und die Kommunisten, die bauen einen Apparat von Machtstrukturen neben dem Staat auf, eben auf Basis der Partei, der viel mächtiger ist als der eigentliche Staat. Im Prinzip haben wir also mit dem Parteiapparat unter Josef Stalin als
Parteichef, der heißt da Generalsekretär, haben wir im Prinzip einen Staat im Staat, der eigentlich den Staat beherrscht. Das weiß auch jeder, das ist auch jedem klar. Die Sowjetunion, die entsteht 1917 aus der russischen Revolution, zunächst unter Lenin, der der eigentliche Vordenker dieses
russischen Kommunismus ist. Und Lenin stirbt aber 1923 in Folge eines Schlaganfalls und mit Lenins Tod entbrennt der Kampf um die Nachfolge. Und da kristallisieren sich vor allem zwei Personen heraus, nämlich Trotzki und Stalin als zwei Kandidaten, die sich gegenseitig auch wieder leiden können.
noch miteinander arbeiten können. Und letzten Endes bootet Stalin Trotzki aus, der dann ins Exil fliehen muss und dort viele Jahre später dann auch ermordet wird im Auftrag Stalins. Stalins Herrschaft ist dann geprägt von einer ganz krassen Massenkultur, einer Massenmobilisierung, einer Herrschaft auf Basis von Massenorganisationen, vor allem der kommunistischen Partei und ihrer
Unterinstitution.
Massenmobilisierung
Die Massenmobilisierung ist ein Fachbegriff, den kennen wir schon aus dem Nationalsozialismus. Das bedeutet, dass eine große Masse von Menschen eben für eine bestimmte Sache mobilisiert wird.
Und die Bolschewiki, die russischen Kommunisten, die verstehen es wie kaum eine andere Gruppierung, die Menschen in unfassbarer Zahl auf die Straßen zu treiben. Und das passiert ein Stück weit dann mit der Zeit auch über Parteistrukturen, die ganz gezielt für sowas eingesetzt werden.
Massenorganisation
Es passiert aber auch durch Angst und Einschüchterung, wer im Verdacht steht, eben nicht der kommunistischen Ideologie zu folgen, der im Verdacht steht, nicht der Partei unmittelbar zu folgen, die Äußerungen Stalins für bare Münze zu nehmen und wie höchste Weisheit sozusagen aufzunehmen. Wer all das nicht ständig zeigt, der steht im Verdacht, ein Systemkritiker zu sein.
Im Stalin-Russland nennt man die dann oft Trotzkisten, aber es gibt auch den Gedanken, dass man konterrevolutionär sein könnte, also gegen die kommunistische Revolution sein könnte. In jedem Fall wird, wer eben da abweichende Meinungen zeigt oder auch nur vermuten lässt, schnell bestraft.
Es gibt auch durchaus ein System des Terrors und der willkürlichen Verhaftung und Hinrichtung und Deportation, und dieses System, das fürchten die Menschen, weil sie eben das ganz genau wissen, dass es dieses System gibt, dass das im Hintergrund agiert. Darum sind die Massen auch sehr gehorsam und sehr loyal, zumindest nach außen hin. Stalins Wirtschaftspolitik ist der eigentliche Schlüssel zu seinem Verständnis.
Als kommunistischer Staat zieht sich die Sowjetunion in der Pflicht dieses Stück weit doch vor modernes Russland, das vor allem auf Basis der Landwirtschaft zu modernisieren, zu industrialisieren und dafür erfindet Stalin den Fünfjahresplan. Auch das kennen wir von Hitler schon.
Fünfjahresplan
Jahresplan, wobei Stalin natürlich zuerst darauf gekommen ist, er ist ja viel früher an die Macht gekommen. Der sowjetische Fünfjahresplan, der sieht vor, Russland in kürzester Zeit zu modernisieren, aber auch verschiedene Krisen, zum Beispiel die der Krise der Lebensmittelversorgung, in den Griff zu kriegen, und dieser Fünfjahresplan, der ist verbunden dann mit dem Konzept der
Kollektivierung
Kollektivierung also mit dem Konzept privaten Besitzes, zum Beispiel in der Landwirtschaft, aber auch beim Thema Fabriken und Industrie usw. zu verstaatlichen. Es geht also darum, im Grunde kleine Betriebe zu verstaatlichen und zu großen Betrieben zusammenzulegen.
Die nennt man dann Kolchosen, das sind so eine Art Großbauernhöfe in staatlicher Hand oder in Hand der Arbeiter selbst, die dann gemeinsam bewirtschaftet und gemeinsam verwaltet werden. Und die Idee ist, dass das dann zum einen natürlich eine fairere, weil irgendwie kommunistische Wirtschaftsordnung
erzeugt und zum anderen ist die Idee auch, dass das effizienter sei, also die Probleme in der wirtschaftlichen Produktion besser in den Griff zu kriegen. In der Praxis bedeutet es aber natürlich, dass Leute, die vorher selbst ihren Hof bestellt haben und damit Geld verdienen konnten, jetzt damit kein Geld mehr verdienen können, weil jetzt im Prinzip ja alle das Gleiche kriegen.
die auf dem Hof arbeiten, was die Motivation der Arbeiter natürlich nicht erhöht. Wenn ich weiß, dass ich immer das Gleiche kriege wie meine Kollegen, dann habe ich auch keinen Grund, mich mehr anzustrengen als die. Und ein Stück weit geht diese Kollektivierung deswegen nach
hinten los. Es hat aber auch damit zu tun, dass die neuen Herren auf den Bauernhöfen z.B. oft keine Ahnung haben von dem, was sie da tun. Und wir haben erstmal eine gigantische Hungerkatastrophe.
in den ersten Jahren, die durch diese Kollektivierung ausgelöst wird. Der Gedanke der Kollektivierung ist zugleich, die alten Besitzenden, die Bourgeoisie, wie man sie im Kommunismus oft nennt, die Russen sprechen von Kulaken, zu enteignen und damit von ihrer politischen Macht, also durch den Verlust der wirtschaftlichen Macht auch von ihrer politischen Macht zu trennen.
“Entkulakisierung”
Und diese Entkulakisierung ist eben dann eine gezielte Vertreibung von großen Zahlen von eben ehemaligen Besitzern dieser Bauernhöfe und auch von Fabriken und Unternehmen, soweit es die gibt. Und die Entkulakisierung, die vertreibt eben diese Familien dann häufig auch in andere Bereiche des
Landes, eben weil die Kulaken häufig deportiert werden, also an anderen Orten im Land angesiedelt werden.
Deportation
Das Ganze wird von einer ganz massiven Industrialisierungskampagne getragen.
Industrialisierung
Es geht also darum, im Prinzip das Land voranzubringen auf den Stand, auf dem man eben auch die anderen europäischen Staaten sieht. Im Grunde eine Nachholaktion der Industrialisierung, die Russland 1925 ungefähr noch nicht erreicht hat, in dem Maße, wie es zum Beispiel in Deutschland oder Frankreich der Fall ist. Das Ganze wird von Propaganda begleitet im großen Stil, und dabei ist vor allem der Führerkult um Josef Stalin ganz zentral, wobei wir hier nicht von einem Führerkult sprechen, sondern von
Propaganda
einem Personenkult. Der Unterschied ist aber im Original, man kann vielleicht sagen, dass der Personenkult um Stalin deswegen nicht Führerkult heißt, weil er sich selbst nicht Führer nennt, so wie das Hitler macht. Letztlich ist es aber genau das Gleiche.
Personenkult
Es sind eben auch solche Dinge, wie das eben in etlichen öffentlichen Gebäuden, in Schulen und so weiter, Porträts von Stalin in Heldenpose hängen. Dahinter steckt auch so der Gedanke, dass Stalin der Übervater der Sowjetunion ist, der in unglaublicher Weisheit den Staat lenkt, der für seine Erfolge in der
Revolution gefeiert wird. Und zugleich ist Stalin jemand, der ganz gezielt seine eigenen Mitstreiter eliminiert, die ihm potenziell machtpolitisch gefährlich werden können. Alte Mitstreiter, die vielleicht Geheimnisse kennen oder Situationen kennen, mit denen Stalin angreifbar
sein könnte, die verschwinden oder gezielt ausgeschaltet, zu Verrätern abgestempelt und dann in Schauprozessen verurteilt und entweder deportiert oder ermordet werden.
Schauprozess
Dieser sogenannte große Terror ist die größte und wichtigste Welle dieses Vorgehens. Und der bezieht sich auf die
Terror
Jahre von ungefähr 1936 bis 1938. Das sind 2,5 Jahre, in denen in Russland eben im ganz großen Stil die kommunistische Partei, insbesondere selbst, gereinigt wird von Personen, die man entweder für unzuverlässig hält oder die Stalin und seinen engsten Mitarbeitern macht politisch irgendwie ein Dorn im Auge sind.
Und ein Stück weit nimmt das dann willkürliche Ausmaße an. Zum Beispiel ist es so, dass diese Deportation und Terroraktion auf planwirtschaftliche Weise, sozusagen, durchgeführt werden. Das kennt man ja schon aus der Wirtschaft im Kommunismus. Und jetzt
überträgt man das gewissermaßen auf die politischen Säuberungen und sagt sozusagen, wir finden jetzt mal 10.000 Trotzkisten in St. Petersburg und dann muss die Geheimpolizei auch 10.000 Leute finden, die als Trotzkisten zu verhaften sind. Ob die tatsächlich Trotzkisten waren
oder nicht, ist dann die erste Frage wahrscheinlich eher nicht. Und der zweite Punkt ist dann, dass natürlich der lokale Geheimdienstpolizeichef gerne zeigen will, wie gut er das macht, um Stalin zufriedenzustellen oder die Führungsebene zufriedenzustellen, also verhaftet er lieber noch ein paar mehr.
Und auf diese Weise nimmt der große Terror ganz unfassbare Ausmaße an, kostet unfassbare Zahlen von Menschen das Leben oder schickt unfassbare Zahlen von Menschen dann nach Sibirien und die Verbannung und die Zwangsarbeitslager. Diese Zwangsarbeitslager, die laufen in Russland unter dem Namen Gulag und im Grunde sind sie nicht direkt vergleichbar mit den deutschen
Gulag
Konzentrationslagern, weil es natürlich nicht in der Form dem Morden dient, wie das in Deutschland ist. Aber ein Stück weit ist es doch eben auch ein Zwangsarbeitslager, das weit weg ist vom Zentrum, vergleichbar mit dem in Deutschland, und das ein Stück weit dazu dient, eigentlich die Bevölkerung einzuschüchtern und die Gegner zu isolieren.
Und in diesem Sinne kann man den Gulag schon als ein Stück weit vergleichbar mit dem Konzentrationslager ansehen, auch wenn natürlich der Vergleich zum Holocaust zum Beispiel nicht funktioniert. Letzten Endes schafft Stalin mit seiner Politik der radikalen Modernisierung Russlands und der Sowjetisierung Russlands eine Klassendiktatur.
Klassendiktatur
Der Kommunismus geht in seiner Theorie davon aus, dass eine Diktatur des Proletariats notwendig sei als Übergangsphase, bevor man die Menschen sozusagen soweit umerzogen hat, dass sie den wahren Kommunismus als die richtige Lebensform ansehen können und dann eben auch keine Menschen mehr versuchen, Macht über andere zu erstreben, die sie eigentlich nicht bekommen dürften.
so weiter. Das heißt, in der kommunistischen Ideologie ist diese Diktatur des Proletariats, die durchaus auch brutal sein kann, eine ganz fest vorgesehene Phase. Und Stalin lebt diese Phase ganz intensiv in Russland aus, schafft dort eine ganz radikale Klassendiktatur.
Natürlich nicht das Proletariat im Ganzen, aber das verschieben sich eben doch ganz erheblich die Machtverhältnisse in Russland, und die einfachen Arbeiter sind diejenigen, die in der kommunistischen Partei aufsteigen können und da eine neue Elite bilden, die in Russland eben dann zur Macht und Ansehen kommt.
Ein ganz erheblicher Unterschied zwischen Stalins Herrschaft und dem, was im Kommunismus so vorgesehen ist, ist, dass in der marxistischen Lehre die Idee ist, dass der Kommunismus eigentlich die ganze Welt ergreifen müsste. Also im Prinzip geht Marx davon aus oder gehen die orthodoxen Kommunisten davon aus, dass eine Revolution in einem Land die Arbeit an anderen Ländern auch
motiviert die Revolution durchzuführen und dann in kürzester Zeit in allen möglichen Staaten die bourgeoisen Regimes fallen und dadurch eigentlich Staaten auch unwichtig werden, weil überall die Arbeiter dann ihre Revolution durchführen und in allen Staaten die proletarische Diktatur oder dann der Kommunismus entsteht und auf diese Weise dann ein weltumspannendes System aus gerechteren sozialistischen Systemen entsteht.
“Sozialismus in einem Land”
Diese Idee wird relativ schnell erkennbar, dass sie nicht funktioniert, denn auf die russische Revolution folgt eben nicht eine Welle von Revolutionen in der ganzen Welt, sondern Russland bleibt auf weiter nur der einzige Staat, der eine kommunistische Revolution erlebt hat, zumindest für etliche Jahre noch. Und daraus
macht Stalin die Lehre vom Sozialismus in einem Land. Also eine Theorie, die besagt, wir können auch in einem Staat allein, in Russland allein, den Sozialismus – was ein leichter Unterschied zum Kommunismus ist – das ist sozusagen die Zwischenstufe davon. Wir können den Sozialismus in einem Land
erreichen. Das ist natürlich ein Stück weit ein Kompromiss, den er da eingeht mit der reinen marxistischen Lehre, aber es ist für ihn die einzige Möglichkeit, Glaubwürdigkeit zu bewahren, denn wenn der Kommunismus funktionieren soll, dann müsste er ja sonst eben die Weltrevolution auslösen.
Das tut er ja nicht. Zuletzt kann man sich fragen, wie loyal die Menschen in Russland zu dem Sozialismus stehen. Stalins Herrschaft ist eine, die in den Augen ganz vieler Bewohner des Landes durchaus als positiv gewertet wird.
Das mag durchaus der Propaganda geschuldet sein, und das mag auch damit zu tun haben, dass die Leute große Angst haben, etwas anderes zu sagen. Und darüber hinaus ist es ja so, dass nach Stalins Tod nicht der Kommunismus oder der Sozialismus oder der Bolschewismus oder auch der Stalinismus in dem Sinne endet, sondern es kommt
mit Nikita Chruschtschow ein unmittelbarer, enger Mitarbeiter Stalins an die Macht, der das System weiterführt. Chruschtschow offenbart zwar einige der Verbrechen Stalins, aber er selbst steht ganz eng in der Tradition dieser Verbrechen, weil er selbst daran beteiligt war, weil er ein ganz enger Mitarbeiter Stalins gewesen ist.
Auf Kurschoff folgt mit Brächen ja wieder einer aus der engen Klicke des Kremens und der Kommunisten. Das heißt, im Grunde bleibt die kommunistische Partei noch über 50 Jahre an der Macht, bis 1989 der Zusammenbruch der Sowjetunion ihre Macht beendet. Aber diese
unglaublich lange Geschichte des Kommunismus in Russland, die da noch weitergeht, und die Herrschaft der Kommunistischen Partei, die da noch weitergeht, die macht es lange Zeit unmöglich, über Stalins Verbrechen zu sprechen, und dadurch schafft sie noch sehr lange ein hohes Ansehen für diesen Stalinismus, der bis heute noch nachwirkt in Russland. Dieser Umgang mit der
stalinistischen Herrschaft unter den Menschen, der ist natürlich ein bisschen schwierig. Es gibt keinen russischen Widerstand oder sowas. Es gibt keine Widerstandskämpfer, die versucht haben, Stalin mit einer Bombe umzubringen, oder sowas, wie wir das in Deutschland hier und da haben.
sondern wir haben eigentlich nur so kleine Ansätze da zu sehen, dass einzelne Leute eben ihre Loyalität nur noch vorspielen und dass sie sie nicht mehr ehrlich meinen, sondern dass sie eigentlich mit dem System ein Stück weit abgeschlossen haben und aber eben doch so tun müssen, als wären sie immer noch Anhänger des Systems, weil sie das, weil es für sie gesünder sein könnte.
Loyalitätsdefizit
Und dieses sogenannte Loyalitätsdefizit, also das fehlende echte Loyalität und stattdessen nur das Vorspiegeln von Loyalität, das ist ein Ansatz, wie man sozusagen die Haltung der Bevölkerung gegenüber dem Stalinismus charakterisiert hat. Das ist ganz schwierig zu messen, eines der wenigen Materialien, die man da verwenden kann.
Als Quellen sind so Tagebücher und so etwas, in denen Leute ehrlich ihre Empfindungen dem System gegenüber geäußert haben. Es gibt ja keine freien Umfragen oder so etwas in der Sowjetunion, wo man fragt, wie finden sie denn den Stalin? Es wäre ja lebensgefährlich, da falsch zu antworten.
Das heißt, dieses Loyalitätsdefizit, das ist eine Theorie, von der man heute annimmt, dass das durchaus ein erheblicher Teil der Bevölkerung in Russland getroffen hat oder auf den es zutrifft. Aber ob das so ist, das ist sehr schwierig zu belegen.
Wenn euch das Thema weiter interessiert, dann empfehle ich euch den Film The Death of Stalin zu Deutsch Der Tod Stalins, aber auch in Deutschland läuft er unter dem englischen Titel. Der Tod Stalins ist ein Film, der als Komödie getan ist, aber in Wahrheit dann doch ziemlich präzise viele Prozesse, die in der Sowjetunion, man kann sagen, schieflaufen oder ein bisschen skurril wirken, zeigt und abzeichnet.
Es geht natürlich um Starlins Tod und um die Regelung der Nachfolge, und der Hauptcharakter ist dann natürlich auch nicht Peter Kruszschoff als derjenige, der nachher als der Nachfolger sozusagen am meisten macht. Er langt, aber der Film begleitet uns in einer ganz gerafften Form durch die Tage und eigentlich die Jahre nach Starlins Tod.
Und das zeigt in wunderschöner Weise die Absurditäten dieses Systems, die Skurrilitäten, die es hervorbringt, den alltäglichen Wahnsinn, den das System in sich birgt, und lohnt sich in meinen Augen sehr. Man darf nicht alles für bare historische Münze nehmen, aber für so einen
Einblick in den Kommunismus unter Stalin und die Herrschaft unter Stalin in diese beklemmende Gesellschaftsform, in der die Angst eigentlich alles dominiert. Für einen Einblick darin ist der Film ganz wunderbar geschaffen. Wir haben heute über die Begriffe Diktatur, Massenmobilisierung und Massenorganisationen, Fünfjahresplan, Kollektivierung, Industrialisierung, Propaganda,
Personenkult, Massenkultur, Terror, Gulag, Schauprozess, Deportation, Entkulakisierung, Klassendiktatur, Sozialismus in einem Land und Loyalitätsdefizit gesprochen.
Massenkultur
Diese Fachbegriffe sind Teil des Bildungsplans in Baden-Württemberg für das zweite Halbjahr der Kursstufe Geschichte. Baden-Württemberg deswegen, weil ich da selbst Geschichte unterrichte.
Die Bildungspläne sind sich zwar überall ähnlich, aber wenn ihr in einem anderen Bundesland lernt, dann werft einen Blick in euren eigenen Bildungsplan, um sicherzustellen, dass ihr gut vorbereitet seid. Wenn euch die Folge geholfen oder gefallen hat, dann lasst mir gerne einen Kommentar, da abonniert den Podcast, teilt ihn mit Freunden und Bekannten.
Für mich ist es eine große Motivation zu sehen, dass Leute den Podcast hören. Ich danke euch fürs Zuhören und bleibt mir treu.