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Außenpolitik im NS - Leistungskurs Geschichte 22

Staffel 1, Folge 22 09.05.2024 00:14:02
Fachbegriffe: RevisionExpansionAppeasement undIsolationismus

Hätten die westlichen Demokratien den Zweiten Weltkrieg verhindern können? Wir sprechen über:

  • Revision,

  • Expansion,

  • Appeasement und

  • Isolationismus.

Willkommen beim Podcast von geschichtslehrer.net. Mit meinem Podcast möchte ich dabei helfen, euch unterhaltsam und fachlich fundiert auf die Klassenarbeiten und das Abitur im Fach Geschichte vorzubereiten. Wir sprechen heute über die NS-Außenpolitik, also über die Außenpolitik

des Nationalsozialistischen Deutschlands von 1933 bis 1939. Hitler und die NS-Bewegung sind eigentlich angetreten mit dem Ziel, vor allem außenpolitisch viel zu bewegen, also mit dem Ziel, den Versailler Vertrag einzudämmen oder zu revidieren und Deutschland wieder zu alter internationaler Stärke zu verhelfen.

Zumindest so ungefähr kann man das aus den Wahlplakaten der NSRP herauslesen. Das ist ein sehr zentrales Ziel, das immer wieder betont wird. Und offensichtlich spielt Außenpolitik für die Nationalsozialisten

zunächst mal eine große Rolle. Ihr zentrales Ziel ist eben die Revision des Versaillervertrags, insbesondere die Revision der Niederlage im Ersten Weltkrieg. Das ist ein ganz zentraler Hebel für all das, was der Nationalsozialismus später an kriegerischen Verbrechen anrichten wird.

Revision

Revisionspolitik bedeutet zunächst mal, dass man etwas revidieren, also etwas zurücknehmen will, und da geht es natürlich um diese Bestimmungen des Versaillervertrags. Das haben wir in der vergangenen Folge schon mal angesprochen. Da geht es zum einen um die Gebietsverluste des

deutschen Reichs, zum Beispiel im schlesischen Bereich, in dem es heute in Polen liegt. Aber es geht auch um die militärische Abrüstung, die durch den Versaillervertrag erzwungen wird, die Reduktion der Soldatenanzahl, die es verbot, schwerer Waffen und so weiter. Und um die Reduktion,

also im besten Fall die Aufhebung der Reparationszahlungen, die die deutsche Wirtschaft seit 1919 ungefähr ganz massiv schwächen. Es geht auch um die Bestimmungen zum Beispiel zum Rheinland, welches nicht militarisiert werden darf, welches nicht mit Soldaten ausgestattet werden darf, was aus Sicht der Deutschen gegenüber Frankreich eine eklatante Schwäche darstellt und ein

ständiges Risiko. Und all diese Punkte, die möchten Nationalsozialisten eben reduzieren oder ganz aufheben. Zunächst tritt Hitler aber nach seiner Wahl 1933 zum Reichskanzler irgendwie recht zurückhaltend auf.

Am 17.05.1933 hält er eine Rede, die sogenannte Friedensrede, in der er eben versucht, die Regierungen anderer demokratischer Staaten in der Umgebung ein bisschen zu beruhigen. Aber intern ist eigentlich klar, dass Hitler eben doch ein Kriegstreiber ist, in erster Linie. Wenn man sich auch Mein Kampf anschaut, seine ideologische Schrift, aber auch wenn man sich ansonsten ansieht,

was er so von sich gibt in internen Reden und Anweisungen, da ist immer noch immer vom Lebensraum im Osten die Rede, von der Expansion Deutschlands nach Osten. Insbesondere da steckt dieses ideologische Ding der Nationalsozialisten drin, dass man im Grunde für ein angeblich übervölkertes Deutschland dringend neuen Lebensraum brauche und den könnte man nur im Osten erobern.

Expansion

Das heißt, da sind ganz klare Expansionsziele in Richtung Polen, Tschechoslowakei und vielleicht auch Russland zu erkennen. 1933 ebenfalls noch im Frühjahr tritt Deutschland aus dem Völkerbund aus. Es ist so eine Art Vorgängerorganisation der heutigen UN, also im Grunde eine Organisation, die für Friedenssicherung steht, und Deutschland tritt da aus.

Das ist natürlich irgendwie schon vielsagend. 1935 wird die Wehrpflicht wieder eingeführt, was eigentlich nicht erlaubt ist im Rahmen des Versailler Vertrags, und es werden offensive Waffengattungen ausgebaut, zum Beispiel Luftwaffe, aber auch die Flotte, also letztlich die Marine.

Da gibt es das Flottenabkommen mit dem Vereinigten Königreich, mit Großbritannien, und da einigt man sich gemeinsam darauf, dass Deutschland eben wieder eine militärische Flotte aufbauen darf. 1936 wird das Rheinland wieder militarisiert, da stehen dann wieder Soldaten, und das ist eigentlich ein Bruch des Versaillervertrags.

der Verträge von Locarno. Das ist im Grunde ein ganz offensichtlicher völkerrechtswidriger Vorgang, den die NS-Regierung da unternimmt und gleichzeitig unterstützt man ganz heimlich nur, aber man tut es eben doch. Die Regierung Franco, die faschistische Regierung Franco in Spanien

1936, insbesondere mit der Luftwaffe, die man dort so ein bisschen testet. Das heißt, man lässt im Grunde die neu gebaute deutsche Luftwaffe dort die Faschisten unterstützen durch Luftangriffe, Bombardierung von Dörfern, in denen sich Kommunisten verstecken könnten und so weiter. All diese

Vorgänge sind eben ein Beispiel für Revision, für den Versuch, diese Bestimmung des Versaillervertrags und die militärische Einhegung Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg rückgängig zu machen. Auf der anderen Seite steht das Ziel der Expansion Deutschlands in Richtung Osten. 1938 passiert hier der erste richtig deutliche Schritt.

Es wird Österreich annektiert, der sogenannte Anschluss Österreich, das ist jetzt Nazi-Sprech, der erfolgt, indem man Österreich zunächst militärisch besetzt und dann eine Volksabstimmung durchführt, bei der die Mehrheit, wie auch immer frei diese Abstimmung gelaufen sein mag, dafür stimmt, sich an Deutschland anzuschließen.

überwältigenden Mehrheit und damit ist Österreich Teil Deutschlands und der NS-Herrschaft. Das Ganze steht unter dem Slogan „Alle Deutschen heim ins Reich“. Es gibt also hier Versuche, zunächst mal alle in Anführungszeichen deutschen Gebiete wieder oder neu ins Deutsche Reich

einzugliedern, aber in Wahrheit gehen die Ziele natürlich deutlich weiter. Wir haben schon über den in Anführungszeichen „Lebensraum im Osten“ gesprochen. 1938 übt Hitler ebenfalls zunehmend Druck auf die Tschechoslowakei aus und argumentiert damit mit den Rechten der deutschen Minderheiten.

der Tschechoslowakei, den sogenannten Sudeten-Deutschen. Das kommt uns übrigens aus der aktuellen Ukraine-Thematik irgendwie bekannt vor. Diese Argumentation mit den angeblich unterdrückten Sudeten-Deutschen, die nutzt Hitler dann, um in der Münchner Konferenz 1938 Frankreich,

England und Italien dazu zu überreden, zu zwingen, wie auch immer, dass die Tschechoslowakei eben diese Sudeten-Deutschen Gebiete abtreten muss. Also diese deutsche Minderheit und die Gebiete, in denen sie leben, die wird jetzt Teil von Deutschland, und dafür garantieren Deutschland, Frankreich, England und Italien, also alle vier Teilnehmer, dass das slowakische und das

tschechische Territorien der Tschechoslowakei nicht mehr angefasst wird, dass das so bleibt, wie es ist. Das heißt, damit hat Hitler deutlich gemacht und unterschrieben, dass er diese Sudeten-Deutschen jetzt wieder in Anführungszeichen „heim ins Reich“ holen darf. Aber danach ist die

Tschechoslowakei tabu. Diese Konferenz, die ist ein Musterbeispiel für die sogenannte Appeasement-Politik,

Appeasement und

Appeasement ist Englisch für Beschwichtigung, und das suggeriert oder soll den Versuch Großbritanniens beschreiben, in Europa Frieden zu sichern, indem man Hitler politisch entgegenkommt.

Man hat so die Idee, man wirft ihm hier und da so ein bisschen was zu, kommt ihm ein bisschen entgegen und dafür wird Hitler keinen großen Krieg vom Zaun brechen, etwa gegen Polen oder so. Denn natürlich ist auch den demokratischen Staaten in der Umgebung bewusst, was Hitler so erzählt intern, was er in Mein Kampf geschrieben hat, die kennen dieses

Konzept des Lebensraums im Osten und so weiter und diesen großen Krieg, den will man dringend vermeiden. Und darum wirft man Hitler hier und da eben so ein Häppchen zu und versucht ihn dadurch zu beruhigen. Diese sogenannte Episode ist eben die Münchner Konferenz in diesem

Versuch, das Sudetenland an Deutschland zu geben und dafür die NS-Regierung zu beschwichtigen, ganz klar erkennbar. Ein Grund für dieses Ereignis, der besteht darin, dass die demokratischen Staaten, eben gerade Frankreich und England, selbst große Probleme haben. Beide Staaten sind große

Kolonialmächte und in der Nachwirkung des Ersten Weltkriegs ist in diesen Kolonien jede Menge los. Da gibt es ganz große Unabhängigkeitsbewegungen und man muss die natürlich irgendwie unterdrücken, aus Sicht der Kolonialherren, um diese Kolonien im eigenen Territorium zu halten. Das heißt,

Das Militär ist dort ein Stück weit gebunden und gleichzeitig ist man immer noch an den Kriegskrediten, an die USA dran. Die hat man im Ersten Weltkrieg aufgenommen, um die eigenen Kosten für die Kriegsführung zu decken, und die USA wollen dieses Geld natürlich irgendwann zurück.

Und diese Rückzahlungen, die blasten natürlich die Wirtschaft in diesen beiden Staaten. Das Abkommen ist also dazu gedacht, im Grunde Deutschland zufrieden zu stellen und die NS-Regierung soweit davon abzuhalten, in Europa weiterhin expansionistische Ziele zu verfolgen. Als kurz danach, aufgrund dieses Abkommens, in der Tschechoslowakei zwischen den tschechischen und slowakischen

Bevölkerungsteilen Druck entsteht und so eine Art militärische Eskalation droht, da marschiert Deutschland erneut ein und schafft das Protektorat Böhmen und Mähren. Also annektiert ist im Grunde ein Stück von der Rest-Tschechoslowakei und mit diesem Vorgang ist das natürlich ein ganz krasser Bruch der Münchner Vereinbarung, die man da getroffen hat.

Und damit ist das Appeasement, die Politik des Appeasements, ganz offensichtlich gescheitert, und das erkennt auch der Westen nun und setzt stattdessen in Zukunft auf eine Politik, die stärker und auf einen Versuch, Deutschland zu isolieren. Das heißt, Großbritannien und Frankreich garantieren die polnische Unabhängigkeit.

garantieren also, dass Polen, wenn es angegriffen werden sollte, durch sie verteidigt wird. Das ist ein Versuch, eben Deutschlands Lebensraum in der Ostpolitik ein Stück weit in den Griff zu bekommen und Polen abzusichern. Polen ist zurzeit ebenfalls eine Demokratie und die möchte

man stabilisieren, weil man eben ja auch selbst in Demokratien liegt. Gleichzeitig schließt Hitler im Jahr 1939 den Hitler-Stalin-Pakt, also eine Vereinbarung zwischen Deutschland und der Sowjetunion, bei der man unter anderem im sogenannten geheimen Zusatzprotokoll schon aufteilt, wie Polen bei einem gemeinsamen Überfall auf das Land untereinander aufgeteilt werden sollte.

Im Prinzip ist also mit dem Hitler-Stalin-Pakt schon der Versuch, Hitler Polen anzugreifen, gesichert, und dabei ist parallel dazu durch Frankreich und Großbritannien Polens Unabhängigkeit schon garantiert. Wir haben also ein perfektes Setting für einen großen Krieg in Europa, der dann ja auch genauso im Jahr 1939

Im September wird es ausbrechen. Auch die USA, als die größte Wirtschaftsmacht der Erde zu diesem Zeitpunkt, setzen auf

Isolationismus

Isolationismus. Das heißt, die USA wollen überhaupt nicht in europäische Kriege mit einbezogen werden.

Die mischen sich da gar nicht ein, die kommentieren das höchstens aus dem Off, aber da wird nicht versucht, irgendwie im großen Stil politisch tätig zu werden. Und es könnte auch durchaus sein, dass diese ganz bewusste isolationistische Haltung dieser Versuch ist, sich daraus zu halten und das öffentlich auch zu bekennen.

Das Vertrauen Hitlers in seine Expansionspläne wird durch dies ein Stück weit gestärkt. Denn letzten Endes ist das ja eine Garantie für Hitler, dass die USA eben nicht eingreifen an der Seite der Alliierten. Wie kann man nun diese Politik der Demokratien gegenüber

dem nationalsozialistischen, faschistischen Deutschland beurteilen? Wir können auf der einen Seite sehen, dass natürlich denkbar ist, dass man Hitlers Skrupellosigkeit unterschätzt hat, denn diese Vertragsbrüche, die zum Beispiel im Fall der Tschechoslowakei erkennbar sind, aber die eben auch im Zusammenhang mit Österreich oder mit der Remilitarisierung des Rheinlandes erkennbar

All diese Vertragsbrüche hat man wahrscheinlich nicht erwartet und ist deswegen auch ein Stück weit überfahren worden durch Hitlers Skrupulosigkeit, dabei Verträge zu brechen. Auf der anderen Seite hat man vermutlich Hitlers Entschlossenheit, seine ideologischen Ziele durchzuführen.

unterschätzt, zum Beispiel, den Willen, den Anfangszeichen Lebensraum im Osten mit allen Mitteln zu erreichen. Diese Appeasement-Politik Großbritanniens, die eben immer darauf zielte, Hitlers Absicht ein Stück weit entgegenzukommen, aber nicht vollständig in Erfüllung gehen zu lassen, die ist ja ganz offensichtlich gescheitert.

Man könnte sich nun fragen, ob die demokratischen Staaten die Chance hatten, den Krieg zu verhindern, ob sie zum Beispiel eine Möglichkeit gehabt hätten, entschlossener gegen Hitler vorzugehen, früher gegen Hitlers Absichten und Versuche der Expansion, zum Beispiel in Österreich, schon vorzugehen, ihnen vielleicht dafür zu bestrafen, dass das Rheinland wieder militarisiert wurde, sie wirklich wieder eingeführt wurde und so weiter.

Aber ein Stück weit ist so eine rückblickende Bewertung immer sehr schwierig, weil man eben doch die anderen Faktoren nicht kennt, die ansonsten eingetreten wären. Das heißt, eine endgültige Beurteilung, ob der Zweite Weltkrieg vielleicht vermeidbar gewesen wäre, wenn man Hitler früher

begegnet wäre, die ist eigentlich sinnvoll nicht zu treffen. Man kann natürlich schon sagen, dass die Appeasementpolitik ein ganz klarer Fehlweg war aus britischer Sicht, dass man also im Grunde mit diesem Entgegenkommen, wenn überhaupt, dann den Kriegsausbruch verzögert, aber nicht verhindert hat und vielleicht sogar Hitler mehr Zeit gegeben hat, um das deutsche Militär aufzurüsten.

und eben der Wehrmacht letztlich einen gewissen Vorsprung gegeben hat, auch der Hitler-Stallin-Pakt, der wird erst 1939 geschlossen, damit wäre also ein Einschreiten zum Beispiel schon in den Jahren 1935, 1936, 1937 in einer Situation passiert, in der Deutschlands Rolle noch deutlich schwächer war in Europa. Wir haben heute über die Begriffe Revision, Expansion, Appeasement und Isolationismus gesprochen.

gesprochen. Diese vier Punkte sind Teil des Kapitels zum Umgang demokratischer Staaten mit Nationalsozialismus im zweiten Halbjahr des Leistungsfachs Geschichte in Baden-Württemberg. Wenn ich vom Bildungsplan Baden-Württemberg spreche, dann ist das natürlich nicht der von ganz Deutschland.

Das heißt, wenn ihr in einem anderen Bundesland arbeitet und lernt, dann schaut bitte nur euren eigenen Bildungsplan, damit ihr kein Thema und keinen Fachbegriff verpasst, den ihr vielleicht nachher im Abitur beherrschen müsst. Ich freue mich, wenn euch der Podcast geholfen und gefallen hat. Wenn ihr ihn weitergebt an eure Mitschülerinnen und Mitschüler, lasst gerne ein Abo da.

ansonsten danke ich euch fürs Zuhören und bleibt mir treu.