Die Expansion Italiens - Leistungskurs Geschichte 25
Heute sprechen wir über den Abessinienkrieg und Italiens brutale Expansion in Afrika. Wir sprechen über:
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Italienisch-Ostafrika,
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Kolonien und
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das italienische “Imperium”.
Willkommen bei geschichtslehrer.net. Mit meinem Podcast möchte ich euch dabei helfen, euch verständlich und kurzweilig auf Klassenarbeiten und das Abitur im Fach Geschichte vorzubereiten. Wir sprechen heute über die Expansion des faschistischen Italien in Afrika vor dem Zweiten Weltkrieg.
Vor dem Zweiten Weltkrieg bedeutet vor allem nach dem Ersten Weltkrieg, denn der Erste Weltkrieg hat für Italien eine Reihe von Enttäuschungen mit sich gebracht, über die man noch nicht so ganz hinweg ist. Die Wurzeln dafür liegen um das Jahr 1900. Damals versucht Italien oder beginnt in Italien ein neuer Trend, die alte römische Glorie ja
wieder aufleben zu lassen, das antike Imperium Romanum wieder aufzubauen. Dieser Gedanke ist natürlich ein expansionistischer Gedanke. Man will eben ein neues Imperium errichten und dazu muss man ja andere Staaten unterwerfen, zumindest
Kolonien und
Gebiete, die eigentlich abhängig sind, von einem Imperium, die keine eigene politische Macht besitzen, sondern eben unterworfen sind und die im Essering von ihrem Imperium, das über sie herrscht, ausgebeutet werden. Und eine solche Kolonie wäre zum Beispiel das heutige Libyen in der Zeit.
Und eben dieses Libyen, das zum Osmanischen Reich gehört, das wird von den Italienern im Jahr 1912 ungefähr annektiert, kann man sagen, und damit Kolonie Italiens. Wenig später, 1914, beginnt der Erste Weltkrieg und Italien beteiligt sich an diesem Krieg, ist dann auch Siegermacht, bekommt aber
vergleichsweise wenig dafür, hat auch wenig militärische Erfolge vorzuweisen, und diese Enttäuschung über dieses miese Ergebnis des Ersten Weltkriegs, bei dem man sich versprochen hat, ein großes Kolonialreich und auch in Europa einige Gebiete zu erobern und nichts davon oder fast nichts davon ist wahr geworden – diese Enttäuschung, die nennt man Italien, die Vittoria mutilata, den verstümmelten Sieg.
Und diese Enttäuschung, die führt dann unter anderem auch zum Aufstieg der Faschisten unter Mussolini ab 1922. Und diese Faschisten, die verbreiten wie kaum eine andere Splittergruppe dieser Zeit eben diesen Wunsch nach einer neuen imperialen Macht Italiens, die sprechen von Mare Nostrum, von unserem Meer, so wie die alten Römer das getan haben, von dem
Gedanken, dass das Mittelmeer rund um von Italien erobert sein oder beherrscht sein sollte und so weiter. In Libyen, das in dieser Zeit ja schon einige Jahre eine italienische Kolonie ist, da werden zunehmend Widerstandsbewegungen sichtbar, und die Italiener bekämpfen diesen Widerstand durch absolut brutalen Terror, sie bekämpfen diesen Widerstand durch Giftgas-Einsatz.
durch Deportation von Menschen in Konzentrationslager. Das ist also ein Einsatz von extremer Gewalt gegen diese Widerstandskämpfer und man hat da auch durchaus einen gewissen Erfolg. 1932 sind im Prinzip die Widerstandsbewegung vollständig aufgerieben.
Dabei hat man etwa ein Achtel der Bevölkerung von Libyen ermordet. Aber das ist trotzdem aus Sicht der Faschisten ein Sieg, denn diese Kolonien, die werden ja überwiegend von Nicht-Italienern bewohnt und diese Bevölkerung, die eben nicht Italienisch ist, die sieht man als rassisch minderwertig und ist deswegen der Auffassung,
das sei ja nicht so schlimm. Letztlich führt diese Hoffnung auf ein neues Imperium Romanum nun dann weiter in den nächsten Krieg. 1935-1936 streben die Faschisten eine neue Expansion an, das verhaben sie auch, ihre Armee und ihr Militär grundsätzlich groß aufgebaut, und es beginnt der
sogenannte Abessinienkrieg. Wo Abessinien liegt, das weiß heute kaum noch jemand, aber das entspricht ungefähr dem heutigen Äthiopien, und da geht es aber unter anderem eben auch um die Staaten Eritrea und Somalia. Diese Staaten heißen heute Eritrea, Äthiopien und Somalia.
In der Zeit spricht man eben von Abessinien und die Staaten drumherum sind im Wesentlichen Kolonien Großbritanniens, das heißt, da sind auch schon andere Kolonialmächte unterwegs. Auch hier führt Italien diesen Krieg wieder mit absolut brutaler Härte, mit Giftgaseinsätzen, mit der Erprobung
einer neuen Luftwaffe und so weiter, mit Massenbombardements. Da wird also ohne jede Rücksicht auf die Zivilbevölkerung agiert, und Mussolini spricht 1936 nach dem Sieg in diesem Krieg über die Vollendung
das italienische “Imperium”
. Also der Auffassung, dass jetzt der Stand erreicht ist, seitdem das römische Imperium haben müsse und das jetzt erst mal gut sein mit der Expansion. Aber wir wissen aus internen Vermerken, dass die Faschisten sehr viel größere Ziele für Afrika haben, dass man langfristig plant, eigentlich ganz Nordafrika bis ungefähr zum Äquator, vielleicht noch ein bisschen weiter südlich, zu unterwerfen.
Diese Kolonialherrschaft über Abessinien, die hält allerdings nur ungefähr fünf Jahre. 1936 ist die Eroberung vollendet, wie Mussolini das nennt. 1941 ist bereits Italien wieder unterlegen gegen britische und abessinische Truppen und wird dann da vertrieben.
Diese relativ kurze Phase der Kolonialherrschaft, die ist geprägt von einer Art Prototyp der Herrschaft in Südafrika, die wir später als Apartheid kennenlernen wollen. Die Italiener perfektionieren sehr schnell ein System der Rassentrennung, bei dem die Idee sozusagen ist, dass die italienische, in Anführungszeichen
Herrernrasse über eine fasklavte, einheimische, in Anführungszeichen rassisch minderwärtige Bevölkerung herrschen soll. Dieses System der Rassentrennung, das wir eben in Südafrika als Apartheid kennen, dieses System wird hier zum ersten Mal so richtig ausdifferenziert und regelt, und dieses Gefühl der rassischen Überlegenheit der Italiener, das bringt zugleich natürlich ein
hohes Maß an Brutalität mit sich, denn wenn ich den Gegner nicht für einen gleichberechtigten Menschen halte, sondern für einen, sozusagen, unter Menschen, wie die Nazis das nennen würden, dann habe ich natürlich auch eine viel leichtere Möglichkeit, diese Menschen ganz brutal und grausam zu behandeln. Das Ganze ist damit verbunden, dass es einen ständigen Widerstandskampf der
Partisanen in Abessinien gibt. Das heißt, es gibt immer wieder Aufstände, es gibt immer wieder Attentate, und die Italiener reagieren darauf mit ganz brutaler, grausamer Gewalt, letztlich an der Zivilbevölkerung, von der man glaubt, dass sie diese Attentäter unterstützt, aber auch an den Tätern, wenn man ihrer habhaft werden kann.
In vielerlei Hinsicht findet man auch im gesellschaftlichen Bereich Vorbilder für die spätere Apartheid. Zum Beispiel gibt es ganz klare Verbote italienischer Führungen gegen rasseübergreifende sexuelle Beziehungen, weil man natürlich auch hier so ein Stück weit eine Phase sieht, dass dann nicht mehr klar ist, wer ist denn jetzt hier eigentlich
unterworfener? In Anführungszeichen nicht Italiener und wer ist denn hier Italiener? Und um diesem Problem vorzubeugen und so ein Stück weit würden die Nationalistinnen das Rassehygiene nennen, um diesem vorzubeugen verbietet man eben unter ganz drakonischer Strafandrohung solche Beziehungen.
Die Bevölkerung dieser Kolonie wird also ganz gezielt ausgebeutet in diesen fünf Jahren der Herrschaft, aber schon 1941 ist die italienische Herrschaft über Abessinien wieder Geschichte. Britische Truppen schlagen gemeinsam mit abessinischen Truppen unter dem Exilkönig, dem abessinischen König, der in dieser Zeit eben in London im Exil ist, Haile Selassie, sie in 1941 die Italiener vollständig und Italien muss die Kolonie wieder aufgeben.
Damit ist diese Phase der Vollendung des Imperiums nach nur fünf Jahren schon wieder Immaculatur und im Prinzip ist das faschistische Italien wieder zurückgedrängt auf sein ursprüngliches Territorium.
Italienisch-Ostafrika
besteht aus den Kolonien Eritrea, Äthiopien und Somalia in erster Linie. Libyen bleibt noch eine Weile Kolonie, wird dann aber auch abgegeben werden, und damit ist das italienische Träumchen von der Weltmachtstellung dahin.
Wir haben heute über die Expansion des faschistischen Italiens in Afrika gesprochen, über die Situation in Italien in den 1920er und 1930er Jahren und die sogenannte “Vittoria Mutilata”. Wir haben über Italienisch-Ostafrika gesprochen, das besteht aus den Kolonien Eritrea, Äthiopien und Somalia in erster Linie.
und wir haben über die Begriffe Kolonie und Imperium gesprochen. Diese Begriffe sind Teil des Bildungsplans für das zweite Halbjahr der Kursstufe in Geschichte. Bitte denkt daran, dass ich dabei immer den Bildungsplan von Baden-Württemberg folge, weil ich selbst
da Geschichte unterrichte. Die Bildungspläne sind sich zwar überall ähnlich, aber wenn ihr in einem anderen Bundesland lernt, werft noch mal einen Blick auf euren eigenen Bildungsplan, damit ihr nichts verpasst. Wenn euch die Folge geholfen oder gefallen hat, dann lasst gern
einen Kommentar da, abonniert den Podcast, teilt ihn mit Freunden und Bekannten. Für mich ist es eine große Motivation zu sehen, dass Leute den Podcast anhören und ihn gebrauchen können. Ich danke euch fürs Zuhören und bleibt mir treu.