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Friedliche Revolution - Geschichte Leistungskurs 40

Staffel 1, Folge 40 09.12.2024 00:08:23
Fachbegriffe: die Sinatra-Doktrindie Solidarnoscdie Bürgerbewegungdie Ausreisebewegungdie „Friedliche Revolution“ in der DDR unddie „Samtene Revolution“ in der Tschechoslowakei

Heute sprechen wir über

  • die Sinatra-Doktrin,

  • die Solidarnosc,

  • die Bürgerbewegung,

  • die Ausreisebewegung,

  • die „Friedliche Revolution“ in der DDR und

  • die „Samtene Revolution“ in der Tschechoslowakei.

Wir sind das Volk, ruft die rechtspopulistische Pegida-Bewegung seit 2014 bei ihren Demonstrationen. Dieser Spruch, der Volkssouveränität und Bürgerwillen ausdrücken soll, ist aber eigentlich geklaut – bei der friedlichen Revolution, die 1989 die DDR und den ganzen Ostblock in die Zwangslage brachte. Willkommen zur zweiten Folge über das Ende des Ostblocks.

Wir haben beim letzten Mal über die Krisensymptome gesprochen, die den Sozialismus seit den 1970er-1980er Jahren immer stärker beschäftigen. Vor allem wirtschaftlich, aber auch gesellschaftlich, liegt im Ostblock vieles im Argen. Die Menschen sind den Sozialismus leid und kaufen den Regierenden ihre Versprechungen von Aufstieg, Gerechtigkeit und Wohlstand nicht mehr ab.

Die sozialistische Ideologie hat für viele längst ausgedient. Gorbatschows Glasnost, die neue Offenheit, erlaubt es den Menschen, über ihre Unzufriedenheit zu sprechen und zu schreiben, und schon bald trauen sich die Ersten, mit ihren Forderungen nach Wandel ganz offen aufzutreten. Aus diesem Funken entstehen die Bürgerbewegungen, die am Ende ein Weltreich zu Fall bringen.

Bürgerbewegung

werden. Heute sprechen wir über die Bürgerbewegungen, die eine neue Ära einläuten. Von der polnischen Solidarność über die friedliche Revolution der DDR bis hin zur samtenen Revolution der Tschechoslowakei und über den Bürgerkrieg, der in der Folge in Jugoslawien tobt.

Willkommen bei geschichtslehrer.net. Ich bin Jens und in diesem Podcast bereiten wir uns verständlich und kurzweilig auf Klassenarbeiten und das Abitur im Fach Geschichte vor. Schön, dass du dabei bist. Die 1980er Jahre waren geprägt von wachsender Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der

sozialistischen Führung. Im gesamten Ostblock begannen Menschen, sich zu organisieren und für eine Reform des Sozialismus zu protestieren. Ein entscheidender Wendepunkt war die sogenannte

Sinatra-Doktrin

, benannt nach Frank Sinatras Song My Way.

Das heißt sinngemäß auf meine Weise. Sie löste die alte Brezhnev-Doktrin ab, benannt nach einem Vorgänger von Gorbachev. Und mit dieser Brezhnev-Doktrin war gemeint, dass die Sowjetunion militärisch in die Angelegenheiten anderer Ostblockstaaten eingriff. Das heißt, wenn in einem Ostblockstaat, der verbündet war mit der Sowjetunion, sich

politisch etwas anders entwickelte, als das von der Sowjetunion gewünscht war, dann marschierte die damit militärisch ein, um zum Beispiel Aufstände niederzuschlagen. Das kennen wir etwa vom Aufstand des 17. Juni 1953 in der DDR, vom Ungarnaufstand und aus vielen weiteren Beispielen. Die Botschaft dieser neuen Doktrin war nun: Jeder Staat durfte seinen eigenen Weg gehen.

ohne Angst vor einer sowjetischen Intervention. Dabei waren die Menschen in diesen Staaten eigentlich nicht gegen den Sozialismus. Die grundsätzlichen Ideen, für die der Sozialismus stand oder in ihren Augen stand, sprachen viele Menschen an, etwa die Gleichheit aller Menschen und soziale Gerechtigkeit. Die meisten in den sozialistischen Staaten strebten deswegen eher nach einer Reform als

nach einer Revolution. Sie wollten den Sozialismus nicht abschaffen, sondern ihm eine menschliche Reform geben. Sie wollten einen demokratischen Sozialismus, der individuelle Freiheit garantierte, aber trotzdem die Ideale des Sozialismus verteidigte. Diese neue Freiheit beflügelte Oppositionsbewegungen wie die polnische

Solidarnosc

.

Ursprünglich eine Gewerkschaft, wurde sie unter der Führung von Wałęsa Wałęsa zur mächtigsten Oppositionsbewegung im ganzen Ostblock. Mit Unterstützung der katholischen Kirche und des polnischstämmigen Papstes Johannes Paul II. erreichte die Solidarność Millionen von Menschen und zwang die kommunistische Regierung sogar zu Verhandlungen am Runden Tisch.

Auch in anderen Ländern organisierten sich die Bürger. In der DDR wurden Friedens-, Umwelt- und Menschenrechtsgruppen immer aktiver. Gleichzeitig wuchs der Druck durch die

Ausreisebewegung

. Besonders nach dem Ungarn 1989 seine Grenzen in den Westen geöffnet hatte, versuchten tausende DDR-Bürger über Drittländer wie Ungarn in den Westen zu gelangen.

Das Regime in Ostberlin geriet dadurch immer mehr unter Druck. Wir kennen das Problem schon aus dem Thema Mauerbau. Im Grunde hat die DDR ihre Bürger immer wieder versucht einzusperren und dort festzuhalten in der DDR, damit sie nicht in den Westen, in Anführungszeichen, rüber machten. Dafür gibt es sogar einen Straftatbestand, die sogenannte Republikflucht, und an der Mauer

wurde durchaus auch scharf geschossen auf Menschen, die versuchten zu fliehen. Es gibt daher die sogenannten Mauer-Toten, die man beim Versuch der Ausreise, der sogenannten illegalen Ausreise aus der DDR, erschossen hat. Das Jahr 1989 wird dann zum Jahr der Revolution. Die

„Friedliche Revolution“ in der DDR und

ist wohl bekannt, dass sie davon spricht und sie heißt so.

weil sie völlig gewaltlos ablief. Mit den Montagsdemonstrationen begann ein großer, breit angelegter Protest gegen die Regierung, der schließlich das Ende der SED-Diktatur einleitete. Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer, ein Ereignis, das die Welt veränderte und den

Beginn vom Ende des Kalten Krieges einleitete. Bei den Montagsdemonstrationen fiel immer wieder die Parole: „Wir sind das Volk“, die eben ausdrücken sollte, dass die Regierung der DDR gerade nicht den Willen des Volkes repräsentierte, auch wenn sie das ständig für sich in Anspruch nahmen. Allerdings haben auch die Demonstranten in der DDR diesen Satz nicht erfunden.

Schon in der sogenannten ersten deutschen Revolution von 1848 hatte der Schriftsteller Hermann Freiligrath mit diesen Worten den Wunsch der Revolutionäre nach politischer Mitbestimmung ausgedrückt. An diesem Satz kann man wunderschön nachweisen, wie, sagen wir mal, Symbole in der Geschichte ein Eigenleben entwickeln und auch eben dieser Satz „Wir sind das Volk“ der hat eine ganz

sonderbare Reise durch verschiedenste deutsche Protestbewegungen mitgemacht. Ebenfalls fand fast zeitgleich in der Tschechoslowakei eine friedliche Revolution statt, die

„Samtene Revolution“ in der Tschechoslowakei

, die durch Massendemonstrationen und einen Generalstreik ausgelöst wurde. Innerhalb weniger Wochen übernahmen dort demokratische Kräfte die Macht und es war ein nahezu gewaltloser

Übergang der Macht von den Kommunisten hin zu einer Demokratie. Aber der Wandel lief nicht überall so friedlich, das kann man sich natürlich auch vorstellen, wenn man sich überlegt, dass diese Werteunion die verschiedensten Diktatoren in Europa installiert hatte. In Rumänien z.B.

eskalierte der Konflikt in blutigen Straßenschlachten. Der Diktator Nikolaj Czesku wurde nach einem Volksaufstand gestürzt, von einem Tribunal verurteilt und hingerichtet. Ein besonders tragisches Kapitel ist der Zerfall Jugoslawiens. Hier führte der Zusammenbruch des Kommunismus nicht zu Reformen, sondern zu einem Bürgerkrieg.

um die nationale Einheit. Am Ende zerbrach Jugoslawien in die heutigen Staaten Serbien, Slowenien, Kroatien, Mazedonien, Bosnien, Herzegowina und Montenegro. Nationale und ethnische Konflikte und Kämpfe darum, welches Territorium zu welchem neuen Staat gehören würde, mündeten in Gewalt, die das Bild des Zerfalls überschattete.

Das Massaker von Srebrenica, bei dem serbische Truppen über 8.000 bosnische Zivilisten ermordeten, war bis zum Überfall Russlands auf die Ukraine das bekannteste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Der Mut Einzelner und die Macht der Massen führten im Ostblock in den 1980er Jahren zu grundlegenden Veränderungen, die in den Zusammenbruch des Ostblocks mündeten.

Die Sinatra-Doktrin öffnete den Weg für nationale Selbstbestimmung und Bürgerbewegungen, wie die Solidarność zeigten, wie stark der Wunsch der Menschen nach Freiheit und Mitbestimmung war. Die Revolutionen von 1989 in der DDR und der Tschechoslowakei belegen, dass friedlicher Protest und Zusammenhalt ganze Systeme verändern können.

Doch die Entwicklungen liefen nicht überall so harmonisch. Rumänien und Jugoslawien wurden von Gewalt und Konflikten erschüttert. Die Spuren dieser Konflikte sitzen immer noch tief, gerade auf dem Balkan. Der Zerfall des Ostblocks zeigt, dass nicht Systeme, sondern Menschen den Verlauf der Geschichte bestimmen.

Ihr Mut hat eine Ära beendet und eine neue eingeleitet, mit allen Chancen und Herausforderungen, die diese mit sich brachte. Wir haben heute über die Sinatra-Doktrin, die Solidarność, die Bürgerbewegungen, die Ausreisebewegungen, die friedliche Revolution und die samtene Revolution gesprochen. Diese Begriffe sind Teil des Bildungsplans für das dritte Halbjahr der Kursstufe in

Geschichte. Wenn euch die Folge geholfen oder gefallen hat, dann lasst gerne einen Kommentar da, abonniert den Podcast und teilt ihn mit Freunden oder Bekannten. Ich danke euch fürs Zuhören und bleibt mir treu.