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Abitur 2026 - 1.3 - NS-Herrschaft

Staffel 3, Folge 03 22.03.2026 00:41:25
Fachbegriffe: „Machtergreifung“NSDAPPseudolegalität„Gleichschaltung“DiktaturMassenmobilisierungMassenorganisationVierjahresplanAufrüstung„sozialer Volksstaat“PropagandaPersonenkultMassenkulturTerrorKonzentrationslagerVerfolgung„Euthanasie“Deportation„Umvolkung“Rassendiktatur„Lebensraum im Osten“MassenloyalitätWiderstand

Diese Folge bezieht sich auf das schriftliche Abitur 2026 (Leistungsfach). Fehler (Bundeskanzler/Reichskanzler) bei 00:56 ausgebügelt, danke “Vinz”.

In der heutigen Folge geht es um den dritten Block des Schwerpunktthema 1: Machterwerb und Herrschaftspraxis des Nationalsozialismus.

  • „Machtergreifung“
  • NSDAP
  • Pseudolegalität
  • „Gleichschaltung“
  • Diktatur
  • Massenmobilisierung
  • Massenorganisation
  • Vierjahresplan
  • Aufrüstung
  • „sozialer Volksstaat“
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  • Terror
  • Konzentrationslager
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  • „Euthanasie“
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  • „Umvolkung“
  • Rassendiktatur
  • „Lebensraum im Osten“
  • Massenloyalität
  • Widerstand Reader für das Abitur 2026: ⁠https://geschichtslehrer.net/schwerpunkkthemen-fuer-das-abitur-2026/⁠

Willkommen bei geschichtslehrer.net. Heute geht es um den dritten Block des ersten Schwerpunktthemas fürs Abitur 2026, den Machterwerb und die Herrschaftspraxis des Nationalsozialismus. 1933 übernehmen die Nationalsozialisten die Macht, aber wie schaffen sie es, die Gesellschaft so umzustürzen, dass sie letztlich bereit ist, die Nationalsozialisten zwölf Jahre bis in den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust hinein zu ertragen oder sogar zu unterstützen? Was macht ihre Herrschaft so effektiv und warum wehrt sich kaum jemand dagegen? Diese Fragen gucken wir uns jetzt im Folgenden an.

Wir beginnen mit der sogenannten

Machtergreifung

1933 der entscheidende Moment ist, in dem Hitler und seine Partei die politische Macht in Deutschland erreichen. Im Januar 1933 ernennt der Reichspräsident Hindenburg – das ist ein Charakter, der ist so interessant, da müsst ihr mal ein bisschen gucken, ob ihr in einer Doku zuschaut, weil der ist wirklich, wirklich für die deutsche Geschichte prägend – diesen Hitler zum Reichskanzler. Nicht, weil er jetzt der große Wahlgewinner ist, sondern weil politisch erfahrenere Politiker, wie von Papen zum Beispiel, glaubten, ihn kontrollieren zu können. Das heißt, man hat sich diesen Hitler…

Zu Nutzen machen wollten sie, um eine konservative Regierung aufzustellen. Aber die Nazis und Hitler haben diese Lage sehr schnell ausgenutzt. Nach dem Reichstagsbrand im Februar haben sie dann Gesetze verabschiedet, die ihnen eine Alleinherrschaft ermöglichten. Das Ermächtigungsgesetz ist das berühmteste. Das erlaubt der Regierung, Gesetze ohne Parlamentsmehrheit zu erlassen, das heißt, am Parlament vorbeizuregieren. Innerhalb weniger Wochen wurden so demokratische Strukturen zerstört, Gegner verfolgt und die Partei zur einzigen erlaubten Macht.

Diese Machtergreifung ist kein Einzelschlag, sondern das ist eine Kette von Schriften, die den Weg in die Diktatur ermöglicht. Das ist ein Prozess, der in anderen Diktaturen eher langsamer abläuft. Aber hier ist es durch eine Kombination aus Recht und Gewalt oder scheinbarem Recht und Gewalt sehr brutal und sehr effizient und sehr schnell.

NSDAP

Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, und der Name hat es schon in sich, war die politische Kraft, die 1933 die Macht in Deutschland ergreift und den Nationalsozialismus dann etabliert. Im Kontext des Themenblocks Machterwerb und Herrschaftspraxis und so, ist sie ein entscheidender Schlüssel für den Machtgewinn Adolf Hitlers, weil sie die Ideologie dieses Regimes trägt, aber auch die Strategien entwickelt, um diese Demokratie zu zerstören.

Anders als viele andere Parteien ihrer Zeit nutzt die NSDAP supermoderne Mittel, zum Beispiel Propaganda und Gewalt durch Massenorganisationen wie die SA. Und sie nutzt dann eben die Wirtschaftskrisen, zum Beispiel, um die Bevölkerung gezielt zu spalten und die Republik zu destabilisieren. Ihr Erfolg liegt aber auch in der Fähigkeit, sich als Retter der Nation zu inszenieren, während sie gleichzeitig die Freiheitsrechte dieser Nation systematisch abschafft. Im Gegensatz zu späteren Diktaturen, zum Beispiel unter Stalin, war die NSDAP nicht nur ein Herrschaftsinstrument, sondern die Partei war auch gleichzeitig dazu da, die ganze Gesellschaft durch Ideologie und Strukturen zu erobern, von der Jugend über die Industrie bis hin zur ganzen Gesellschaft. Der Aufstieg der NSDAP zeigt also, wie politische Macht durch eine Mischung aus Ideologie und Terror und auch aus opportunistischen Allianzen, also Bündnissen mit anderen gesellschaftlichen Gruppen, erreicht werden kann.

Wie haben nun die Nationalsozialisten es geschafft, in kürzester Zeit die Demokratie 1933 abzuschaffen? Das Stichwort dafür lautet

Pseudolegalität

Das steckt ja schon im Wort drin. Legalität heißt ja Rechtmäßigkeit und Pseudolegalität bedeutet dann eben scheinbare Rechtmäßigkeit, die aber nicht wirklich rechtmäßig ist. Und das ist das, was die Nationalsozialisten hier machen.

Man tut so, dass die Handlungen nach außen hin rechtmäßig wirken, sind aber in Wirklichkeit Verstöße gegen die Verfassung oder gegen demokratische Grundprinzipien. Zum Beispiel wird der Reichstagsbrand 1933 erstmal als Anschlag auf die Demokratie wahrgenommen, aber die NSDAP benutzt diesen Anschlag, um mit dem Notstandsgesetz die Pressefreiheit einzuschränken, also die Demokratie noch viel kaputter zu machen, als der Reichstagsbrand das getan hätte. Und versucht später noch, das Ermächtigungsgesetz dann durchzusetzen, das letztlich scheinbar demokratisch verabschiedet wird, in Wirklichkeit aber ein absoluter Schlag gegen die parlamentarische Ordnung ist. Das Ermächtigungsgesetz entsteht, indem man Politiker mit Gewalt unter Druck setzt, sodass diese Politiker scheinbar legal dann ein Gesetz verabschieden, eben das Ermächtigungsgesetz, das sie selbst abschafft. Diese Form des Regierungsstils, die so tut, als wäre sie legal, es aber eigentlich nicht ist, ist ein ganz zentrales Element von Hitlers Vorgehen, um die Illusion eines legalen Regierungsstils zu bewahren.

Um Widerstand abzuschwächen, um die Bevölkerung zu täuschen und so zu tun, als wären alle begeistert davon, dass dieser Hitler sich jetzt eine Diktatur erschafft. Das ist natürlich nicht so, aber das soll eben so wirken. Das zeigt also, wie wichtig es für Hitler war, diese Form der Rechtsstaatlichkeit zu bewahren, um die eigene Herrschaft stabil zu halten. Nach der politischen Machtübernahme und der pseudo-legalen politischen Ausschaltung des Parlaments war dann der nächste Schritt die

„Gleichschaltung“

der ganzen Gesellschaft, also aller nicht politischen, aber anders gesellschaftlich relevanten Faktoren. Gleichschaltung bedeutet also, dass die Nazis nach 1933 alle gesellschaftlichen Bereiche unter ihre Kontrolle brachten.

Das bedeutet zum Beispiel, dass sie in der Politik, aber auch in der Schule, in allen möglichen Vereinen und so weiter dafür sorgten, dass sie an die Macht kamen und kritische Stimmen ersticken konnten. Gleichschaltung bedeutet also zum Beispiel, Kirchen, Gewerkschaften, Jugendvereine, den Sport zu entsorgen oder umzufunktionieren. Zum Beispiel wurden der Hitlerjugend alle anderen Jugendgruppen verboten, damit junge Menschen nur noch NS-Ideologie vermittelt bekamen. Das zentrale Ziel war es dann, jede Form von Widerstand zu unterbinden und die Gesellschaft in eine einzige staatlich kontrollierte Gemeinschaft zu verwandeln. Stichwort Volksgemeinschaft.

Dieser Prozess zeigt also, wie der NS-Staat nicht nur Macht erobert, sondern sie auch systematisch durchdringt, bis in die Alltagsstrukturen hinein. Gleichschaltung ist also keine friedliche Koordination, sondern eine brutale Entmündigung der Gesellschaft und des Individuums. Im Unterschied zu anderen Diktaturen wie im Stalinismus war die Gleichschaltung in NS-Deutschland besonders umfassend und betont die Einheit durch ideologische Einheit. So entsteht eine Gesellschaft, in der auch private Entscheidungen teilweise von der Partei vorgegeben werden. Der Nationalsozialismus ist also eine Form von

Diktatur

in der durch politische Machtübernahme und durch die Gleichschaltung der Gesellschaft eine ganz zentrale Diktatur entstanden ist, die eben insbesondere auf Adolf Hitler selbst zugeschnitten ist, die aber zugleich auch auf mehreren Ebenen das Führerprinzip durchsetzt.

Eben nicht nur, dass Adolf Hitler der oberste Führer ist, der alles entscheidet, sondern auch, dass in den Ebenen darunter die Führer der jeweiligen Jugendgruppen und so weiter dann auch nicht infrage gestellt werden sollen. Das heißt, das Führerprinzip zieht sich in der Diktatur der Nationalsozialisten noch weiter nach unten durch und wird dann in Form von, zum Beispiel, dem Reichsjugendführer, aber auch den Unterführern und so weiter, bis hin zur lokalen HJ-Gruppe, immer von oben nach unten durch hierarchisch und diktatorisch gedacht. Und damit kommen wir zum Thema

Massenmobilisierung

Das bedeutet letztlich nichts anderes als die Mobilisierung großer Zahlen von Menschen für Partei- und Staatszwecke. Und das betrifft zum Beispiel Propaganda-Inszenierungen wie die Reichsparteitage in Nürnberg mit Massenveranstaltungen, mit aufwendigen Choreografien, mit vielen tausend Menschen, Reden Hitlers und irgendwelchen Aufmärschen, um eben so ein Zusammengehörigkeitsgefühl und eine Begeisterung für diese führerstrukturierte Gesellschaft zu erzeugen.

Aber auch die modernen Medien, also der Einsatz von Radio, Wochenschau, Film und so weiter, Leni Riefenstahl ist ein Beispiel für eine Form von Massenmobilisierung und versucht eben, Emotionen zu steuern, die Ideologie zu verbreiten, indem man die große Masse der Menschen über moderne Medien ansprechen will. Und dazu spielt aber auch eine Rolle, oder darin spielt auch eine Rolle, die Gleichschaltung der Öffentlichkeit, über die wir eben schon gesprochen haben, dass eben versucht wird, diese ganzen vielfältigen, unterschiedlichen Vereine, Kirchen, Pfadfinder und sonstige, was auch immer, Musikvereine, Sportvereine und so weiter, all diese Vielfalt der Gesellschaft aufzulösen und stattdessen in NS-eigene Verbände aufgehen zu lassen. Das heißt, statt den verschiedenen Künstlerverbänden, die es vorher gab, gibt es jetzt den NS-Kunstverband, und der ist der Partei unterstellt. Und das gilt ja für ganz viele Bereiche.

Die Hitlerjugend schluckt ganz viele verschiedene Sportvereine und Jugendvereine und Jugendgruppen und nimmt die alle in sich auf mit der Zeit, sodass dann am Ende eine Parteiorganisation dasteht, in der quasi alle dabei sind. Auch das ist eine Form von Massenmobilisierung. Und das Ziel dieser Massenmobilisierung der Bevölkerung, die soll dazu führen, dass die Menschen emotional gebunden werden, dass sie nicht kritisch über die Politik denken, dass sie kriegsbereit sind und dass die Diktatur scheinbar legitimiert ist durch die scheinbar breite Zustimmung der Bevölkerung, weil ja eben fast jeder in irgendeinem Parteiverein dabei ist. Und Hand in Hand mit dieser Massenmobilisierung geht natürlich dann die

Massenorganisation

oder die Massenorganisationen. Das sind NS-gesteuerte Vereinigungen, die möglichst viele Menschen nach Alter oder Geschlecht oder Beruf irgendwie integrieren und ideologisch schulen sollten.

Das waren also Werkzeuge, Organisationen als Werkzeuge der Durchdringung der Gesellschaft und der Kontrolle der Einzelnen. Zum Beispiel ist die Hitlerjugend, die HJ, eine solche Massenorganisation, in der quasi die Kinder ab 1936 mehr oder weniger pflichtmäßig Mitglied sein mussten. Das dient dann der militärischen Vorerziehung und einer ideologischen Indoktrination der jungen Leute und so weiter, um eben die in das System einzugliedern und daran zu gewinnen. Für die Mädels gab es dann den BDM, den Bund Deutscher Mädel. Es gab aber auch die DAF, die Deutsche Arbeitsfront, die eben die ganzen Arbeiter rein sollten, also eine Art Gewerkschaftsersatz.

Es gab die NS-Volkswohlfahrt, es gab die verschiedensten Vereine, in denen die Menschen eben in eine NS-Vereinigung gesteckt wurden, die zu ihnen passte, um den Eindruck zu erzeugen, dass fast alle Deutschen dieses NS-System toll fanden, weil sie ja alle Mitglieder irgendwelcher NS-Massenorganisationen waren. Was soll der ganze Kram? Diese Massenorganisationen hatten eben nicht nur den Effekt, dass sie dazu führten, dass alle möglichen Vereine verschwinden mussten, die dann gleichgeschaltet wurden, sondern sie erzeugten auch so eine scheinbare Freiwilligkeit. Ganz viele Leute traten diesen NS-Organisationen dann bei, aus Angst vor Nachteilen oder aus Opportunismus, weil sie wussten, dass Mitgliedsein Connections schafft, Networking und so, dass man da seine Verbindungen dann auch knüpfen konnte.

Und gleichzeitig grenzt aber dieser NS-Kram eben auch immer die aus, die nicht Teil der Volksgemeinschaft sind. Das heißt, so jemand, der Jude ist oder politischer Gegner der Nationalsozialisten, vielleicht Sozialist ist, der kann gar nicht in diese NS-Vereine rein, weil er da gar nicht reingelassen wird. Und so kriege ich quasi diese Spaltung der Gesellschaft in Volksgemeinschaft und die anderen eben auch über diese Massenorganisationen hin. An dieser Stelle entfernen wir uns langsam vom gesellschaftlichen Plan der Nationalsozialisten und kommen zu den wirtschaftlichen Plänen, die dann vor allem nachher in den Weltkrieg münden.

Vierjahresplan

ist ein zentrales Wirtschaftskonzept des NS-Regimes und kommt ungefähr aus dem Jahr 1933. Im Kern geht es darum, dass man Deutschland in vier Jahren kriegsbereit machen will.

Nicht um die Wirtschaft zu stabilisieren, sondern um die Voraussetzungen für Expansion, für Eroberungen zu schaffen. Hermann Göring, ein enger Vertrauter Adolf Hitlers, bekommt dafür riesige Kompetenzen, darf also fast alles entscheiden, um die Wirtschaft unter Kontrolle zu bringen. Das führt also dazu, dass staatliche Planung und militärische Vorbereitung Vorrang kriegen vor sozialen oder wirtschaftlichen Zielen. Das heißt, die Firmen bekommen jetzt vom Staat diktiert, was sie zu produzieren oder zu machen haben. Während die Arbeitslosigkeit jetzt scheinbar sinkt, werden viele Menschen in Zwangsarbeit oder halt in die Wehrmacht rekrutiert.

Der Vierjahresplan zeigt also nicht nur die wirtschaftliche Machtausdehnung des NS-Regimes, sondern auch, wie es schon anfängt, seine Gesellschaft für Kriegsziele umzuorganisieren. Im Gegensatz zu ähnlichen Plänen in anderen Systemen, wie zum Beispiel dem Fünfjahresplan im Stalinismus, ist hier nicht die Industrialisierung das Ziel, sondern die militärische Aggression oder die Fähigkeit zur militärischen Aggression. Das heißt, der NS-Staat wird hier zu einer Maschine, die auf Krieg und Expansion ausgerichtet ist und die auch irgendwann gar nicht mehr anders kann, als Krieg zu führen, um ihre Kassen wieder voll zu kriegen, die sie vorher durch Kredite sozusagen unter Null geleert hat, weil man eben im Rahmen des Vierjahresplans so viel Geld rausgeschmissen hat, dass man jetzt irgendwie wieder zu Geld kommen muss. Und das geht eigentlich nur noch mit Eroberungen und sozusagen Ausplünderungen der Besetzten. Teil dieses Vierjahresplans zur Kriegstüchtigkeit Deutschlands ist natürlich

Aufrüstung

Und diese Aufrüstung im Kontext des NS ist also eine gezielte militärische Stärkung Deutschlands ab den späten 1930er Jahren.

Und es ist eine bewusste Verletzung der Versailler Vertragsbestimmungen. Deutschland hat ja nach dem Ersten Weltkrieg ein Verbot militärischer Aufrüstung auferlegt bekommen. Aber Hitler nutzt diese Aufrüstung jetzt zu verschiedenen Zwecken. Zum einen… um die Bevölkerung mit so einem Hurra-Patriotismus natürlich zu begeistern, aber auch um den Druck auf die westlichen Mächte zu erhöhen und den Eindruck zu erzeugen, Deutschland wird sich nicht länger unterwerfen.

Und gleichzeitig dient diese Aufrüstung natürlich als Vorbereitung für die geplante Expansion. Die Produktion von Panzern und Flugzeugen und Truppen und so weiter dient nicht nur der militärischen Absicherung des Landes, sondern auch der Machtdemonstration, um die eigene Herrschaft zu stabilisieren und Aufmärsche in Nachbarstaaten, zum Beispiel Österreich und Tschechoslowakei und so, zu ermöglichen. Im Gegensatz zu anderen Zeiten, etwa im Stalinismus, war die Aufrüstung hier kein Mittel zur inneren Stabilisierung, sondern ein zentraler Schritt im Plan, die Weltherrschaft zu betreiben. Diese Aufrüstung zeigt also, der NS-Staat ist nicht nur ideologisch radikal, sondern er ist auch bereit, diese Regeln des internationalen Rechts zu brechen, um seine Ziele zu erreichen. Dazu kommt natürlich noch eine wirtschaftliche Komponente.

Wenn ich viele Leute in der Aufrüstung… Aufrüstung beschäftige, also mit Waffenbau oder sowas, dann habe ich da eine Form von Arbeitsplätzen, die ich zwar auf Staatspump finanzieren muss, also letztlich für die der Staat Geld ausgibt, das er nie wieder sieht, aber diese Aufrüstungsarbeitsplätze, das sind Arbeitsplätze, wo Leute gutes Geld verdienen. Das heißt, die Bevölkerung ist erstmal zufrieden damit, wenn man aufrüstet, weil das ja dazu führt, dass die Leute in Arbeit sind. Aber gleichzeitig bedeutet es, dass der Staat wieder so viel Geld ausgibt, dass er es irgendwie wieder reinholen muss. Und da ist wieder die NS-Logik, dass man nachher ja durch einen Eroberungsfeldzug sowieso ein Plusgeschäft machen wird. Dieses Land wird ausplündern können, das man dann erobert hat, und dass das dann nicht so schlimm ist.

Der Nationalsozialismus beschreibt seine Organisation der Bevölkerung und der Wirtschaft gerne als

„sozialer Volksstaat“

Und das ist eigentlich ein Propagandabegriff oder ein Propagandakonzept, um so ein Bild einer gerechten, dem Volk verpflichteten Herrschaft zu kreieren. In Wirklichkeit steckt dahinter eine Strategie, um Arbeiter und Landwirte für die NS-Ideologie zu gewinnen. Die Nazis stellten sich also vor, sie würden den Menschen Sicherheit und Gemeinschaft und soziale Unterstützung bieten, sozialer Volksstaat eben, durch Wohlfahrtspflege, die Kraft durch Freude und so. Aber diese Angebote, die dienen nicht der realen Verbesserung der Lebensbedingungen, sondern eher einer Form von Kontrolle, weil nämlich private Vereine, die sowas vorher gemacht haben, verboten werden, Gewerkschaften werden abgeschafft und all solche sozialen Strukturen müssen sich dann ab jetzt an der NS-Ideologie orientieren oder sich direkt der Partei unterordnen.

Dieser soziale Volksstaat ist also keine Form von Gerechtigkeit oder Gleichheit oder so, sondern es ist eigentlich ein Instrument zur Unterdrückung von Kritik. Und die Bevölkerung soll so in einer scheinbaren Gemeinschaft gehalten werden, aber eigentlich soll das Ganze die NS-Herrschaft stabilisieren. Dieser Begriff sozialer Volksstaat ist in der NS-Herrschaftspraxis ziemlich zentral, weil er zeigt, wie die Nazis auch soziale Konflikte, eben zum Beispiel zwischen Arm und Reich, durch Propaganda und so eine Scheinpolitik umschiffen. Das heißt, die werden nicht gelöst, sondern sie werden eher durch so PR-Kampagnen quasi aufgefangen. Im Gegensatz zu anderen Diktaturen liegt da der Fokus auf einer scheinbaren Integration aller Schichten in so ein nationalsozialistisches Ideal.

In Wirklichkeit beruht es aber alles auf Unterdrückung und Ideologie. Das heißt, während der Stalinismus tatsächlich alle gleich zu machen versuchte, ist das im Nationalsozialismus eher eine Fassadenveranstaltung. Wir haben vorhin schon über die

Propaganda

des NS-Regimes gesprochen. Und die ist eines der zentralen Instrumente der Machtausübung. Das ist ein systematisch geplantes, emotional aufgeladenes Werkzeug zur Massenmanipulation, das die NS-Ideologie verbreiten soll und den totalitären Anspruch des Regimes durchsetzt.

Propaganda ist mehr als nur bloße Lüge oder einseitige Information. Das ist eine allgegenwärtige Inszenierung, die alle Lebensbereiche. Sie bedient sich moderner Techniken, Film, Radio, Zeitung, Plakate und so weiter. Und da soll der Nationalsozialismus dann als einzige Rettung Deutschlands vor dem angeblichen Verfall der Weimarer Republik und dem jüdischen Bolschewismus und so weiter dargestellt werden. Die Propaganda arbeitet mit ganz einfachen Botschaften und irgendwie sich wiederholenden Parolen und starken emotionalen Reizen, vor allem Angst und sowas. Zum Beispiel Hass auf angebliche Feinde oder das Versprechen einer glorreichen Zukunft unter der Führung Hitlers.

Josef Goebbels, der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, perfektioniert dann diese Methoden. Er benutzt die neuesten Erkenntnisse der Massenpsychologie, um Angst zu schüren, um Feindbilder zu verstärken und um ein Gefühl der Zugehörigkeit zur Volksgemeinschaft eben zu erzeugen. Propaganda ist nie statisch, sondern passt sich den aktuellen Bedürfnissen des Regimes an. Sie betont mal den Friedenswillen Deutschlands und hetzt dann mal offen zum Krieg. Besonders bei vielen ist dabei, dass sie sich so objektiv tarnt.

Zum Beispiel in der Wochenschau, das ist so die Tagesschau des Nationalsozialismus, oder in so scheinbar harmlosen Unterhaltungsfilmen, in denen aber dann doch NS-Werte eingebettet werden. Das Ziel dieser Propaganda war es, kritisches Denken auszuschalten und die Bevölkerung in so einen Zustand ständiger Bereitschaft für den Führer und für den Krieg usw. zu versetzen. Mit dieser Propaganda eng verheiratet ist der

Personenkult

um Adolf Hitler. Im NS-Staat hat er schon eine fast religiöse Komponente. Hitler war nicht nur ein Politiker, sondern er war so eine Art Messias.

Derjenige, der Deutschland aus der Krise führen wird und es zu alter Größe zurückführt und tralala. Dieser Kult, der war kein Zufallsprodukt, sondern das war das Ergebnis einer ganz absichtlichen Bildung eines Mythos, wenn man so will. Ja, einer ganz gezielten Propaganda-Veranstaltung. Hitler erschien in der Öffentlichkeit immer als der unfehlbare Führer, dessen Wille direkt mit dem Schicksal der Nation verbunden ist und so. Seine Reden wurden als historische Ereignisse zelebriert, seine Porträts hingen in jedem Klassenzimmer und in jedem Amt, und viele alltägliche Gegenstände wie Briefmarken oder Münzen oder Schulbücher trugen dann sein Gesicht.

Der Personenkult funktionierte als eine Mischung aus Furcht und Verehrung. Einerseits wurde dieser Hitler als eine übermenschliche Figur dargestellt, die ganz allein die Lösung für alle Probleme war. Andererseits wurde seine Autorität auch durch den Terrorapparat des Regimes abgesichert. Wer den Führer infrage stellt, riskiert dann Denunziation oder Verfolgung oder sogar den Tod. Und diese Verehrung ist besonders wirksam, weil sie an so traditionelle deutsche Sehnsüchte wie den starken Mann anknüpfte.

Die Deutschen hatten ja das Kaiserreich kennengelernt, in dem einzelne Politiker oder Adlige oder Könige, Kaiser sehr, sehr mächtig waren. Und die waren es gewohnt, dass das so mit dem Versprechen von Ordnung und Einheit und Stärke und so verbunden war. Dieser Kult um Hitler war kein bloßer Persönlichkeitskult, sondern war auch ein Herrschaftsinstrument. Er sollte eben die Loyalität sichern, insbesondere der Soldaten, aber auch der Bevölkerung. Und Schuld an irgendwelchen Fehlschlägen waren dann immer andere, zum Beispiel irgendwelche Militärs oder irgendwelche Volksverräter oder halt die jüdische Weltverschwörung am besten. Am Ende dient dieser Personenkult dann dazu, die Verantwortung für die Verbrechen des Regimes auf eine einzelne Person zu konzentrieren und gleichzeitig die Systematik dieser Herrschaft zu verschleiern.

Das heißt, wenn wir nachher uns angucken, wer schuldig gesprochen wurde für diese NS-Verbrechen, diese Leute haben immer darauf geschoben, dass Hitler ganz oben stand und sozusagen unantastbar war und man dem nicht widersprechen konnte. Und auch das ist natürlich eine Folge des Personenkults, dass Leute das geglaubt haben und solche Leute, die solche Verbrechen begangen haben, freigesprochen oder sehr milde bestraft haben, weil die ja angeblich von ganz oben den Befehl bekommen haben. Das ist hier wieder Thema Führerkult und so und Führerprinzip.

Massenkultur

ist ein Werkzeug, um die Bevölkerung ideologisch zu vereinnahmen und den Anspruch des Regimes auf Herrschaft in den Alltag zu tragen.

Dieser Begriff beschreibt nicht nur eine Kultur der Massen, sondern eine von oben gesteuerte, gleichgeschaltete, instrumentalisierte politische Kultur, die alle Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens durchdringt. Diese NS-Massenkultur war kein Zufallsphänomen, das sich hier irgendwie entwickelt hat, sondern es war ein bewusst und gezielt inszeniertes System von Unterhaltung, Kunst, Sport und Freizeit für Propagandazwecke und soziale Kontrolle. Diese Massenkultur ist also ein Element eigentlich der Volksgemeinschaft, einer angeblich homogenen Gesellschaft, haben wir schon darüber gesprochen. Das Regime formt diese Massenkultur dann durch die Gleichschaltung aller möglichen kulturellen Institutionen: Theater, Literatur, Musik, Film, bildende Kunst und so weiter werden ganz streng zensiert und müssen sich den Vorgaben der NS-Ideologie unterordnen.

Und was dann nicht dem völkischen Weltbild entspricht, moderne Kunst, jüdische Künstler und sowas, wird dann zu entarteter Kunst. Den Begriff kennt ihr bestimmt, dass es dann eben Kunst ist, die verboten ist und diffamiert wird. Stattdessen fördert der Staat eine Kultur des Kollektivs, also den NS-Gedanken: Heldenmythen, historische Schlachtengemälde, volksnahe Musik und Filme, die deutsche Tüchtigkeit und Opferbereitschaft im Krieg und Rassenreinheit und all so ein Zeug verherrlichen. Besonders wirksam ist dabei die Verbindung von Unterhaltung und Indoktrination.

Das gilt insbesondere für die Filme, die in Deutschland in der Zeit so gedreht werden, zum Beispiel „Jud Süß“, „Der ewige Jude“. Das sind Filme, die eigentlich Unterhaltungsfernsehen sind, für die damalige Zeit supermodern und toll und gut gemacht und sehr unterhaltsam, die aber ganz bewusst und ganz viel NS-Ideologie in diese Filme einpacken, um die Menschen eben da abzuholen, wo sie es interessiert, bei der Unterhaltung, und sie da freiwillig ins Kino zu locken, um sie dort trotzdem mit Regimepropaganda zu bespielen. Die Kehrseite dieser Massenkultur, dieses Versuchs, die Bevölkerung sozusagen im positiven Sinne für das Regime einzunehmen, ist der

Terror

Dieser Terror ist das dunkle Gesicht der nationalsozialistischen Diktatur. Während die Kultur die Illusion von Einheit und Harmonie erzeugt, sichert der Terror die tatsächliche Macht des Regimes.

Terror im NS-Staat ist kein zufälliger Ausbruch von Gewalt, sondern ein gezielt eingesetztes Herrschaftsinstrument. Einschüchterung, Willkür und physische Vernichtung. Schon kurz nach der Machtübernahme 1933 begann das Regime mit der Errichtung der ersten

Konzentrationslager

Und in diesen Konzentrationslagern wurden dann politische Gegner, später aber auch Juden, Sinti, Roma, Homosexuelle und so weiter, alles was man für gemeinschaftsfremd gehalten hat. All diese Menschen wurden da eingesperrt, gefoltert, teilweise ermordet.

Die Geheimpolizei, die sogenannte Gestapo und die SS konnten dann fast ohne rechtliche Beschränkungen arbeiten. Das heißt, die meisten dieser Festnahmen hatten nie einen Richter gesehen. Und diese Verhaftungen konnten dann ohne Anklage, ohne Prozess, einfach aufgrund einer willkürlichen Verdächtigung oder einer Denunziation erfolgen. Und dieser Terror, der war allgegenwärtig. In den Straßen schlug die SA Leute zusammen, die anderer Meinung waren als sie, Kommunisten zum Beispiel. In den Konzentrationslagern wurden Menschen systematisch erniedrigt oder getötet.

Und besonders perfide war dabei, dass dieser Terror nicht nur gegen klar definierte Feinde gerichtet ist, sondern es ist eigentlich eine Warnung an die ganze Bevölkerung. Jeder kann da zum Ziel werden, wenn er etwas Kritisches sagt, eine abweichende Meinung hat oder einfach zu einer verfolgten Gruppe gehört. Diese Bedrohungsatmosphäre erzeugt so eine Gesellschaft des Misstrauens, wo Nachbarn anderen Nachbarn bespitzeln oder man sich gegenseitig verrät oder Familienmitglieder sich nicht mehr trauen. Dieser Terror ist ein ganz zentraler Grundpfeiler der NS-Herrschaft, um Widerstand zu ersticken. Massenkultur und Terror ergänzen sich in irgendeiner Weise.

Wenn man so will, kann man sagen, die eine Seite täuscht so eine heile Welt der Gemeinschaft vor, Massenkultur. Auf der anderen Seite sorgen Gewalt und Willkür dafür, dass die Fassade auch nicht infrage gestellt wird. Und zusammen erzeugt es dann so ein System der totalen Herrschaft, wo man emotional und physisch beherrscht wird. Eben haben wir sie schon angesprochen und ihr kennt sie sicher schon, die Konzentrationslager waren unter der NS-Herrschaft. Diese brutalen, sagen wir mal, Foltergefängnisse und zugleich Zwangsarbeitslager und zugleich teilweise auch Vernichtungslager, in denen die Nazis ihre politischen Gegner, aber auch andere Gruppen wie die sogenannten Asozialen oder später dann hauptsächlich Juden gefangen hielten.

Die Idee hinter ihnen war, wer sich nicht an die neue Ordnung hielt oder nicht in sie reinpasste, wurde hier verschwinden gelassen. Dachau, das wichtigste Lager, das begann 1933 damit, Kommunisten und Sozialdemokraten einzusperren. Die waren vor allem deswegen im Weg, weil sie den Machtgewinn der Nationalsozialisten behindert hatten. Mit der Zeit wurden diese Lager aber auch zum Herzstück einer gesamten Terrorstrategie. Sie dienten nicht nur der Unterdrückung, sondern sogar auch der systematischen Vernichtung von Leuten.

Besonders nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden diese Lager zu Orten, an denen Millionen von Menschen starben. Und diese Vernichtung, die findet dann vor allem in den sogenannten Vernichtungslagern statt, über die wir nachher sprechen werden. Die sogenannte

Verfolgung

von bestimmten Gruppen von Regimegegnern oder gefühlten oder teilweise auch realen Regimegegnern, die fand eben in diesen Konzentrationslagern insbesondere statt. Um wen geht es da alles? Wir reden zum Beispiel von der Diskriminierung von Juden, Sinti und Roma, politischen Gegnern wie Kommunisten und Sozialdemokraten, Homosexuellen, Behinderten, sogenannten Asozialen.

All das war Verfolgung, aber fing erstmal an durch ganz allgemeine Formen der Diskriminierung. Zum Beispiel die Nürnberger Gesetze, über die wir schon gesprochen haben, bei denen dann die Ehe zwischen Juden und Nichtjuden verboten wird. Soziale Isolation wird dadurch erzeugt. Und das ist dann eine Grundlage dafür, um später mit physischer Gewalt vorzugehen, vorgehen zu können. Im Unterschied zu anderen historischen Formen der Verfolgung, zum Beispiel im Stalinismus, ist das eben hier rassisch begründet.

Das Ziel ist es nicht, Menschen zu beseitigen, die politische Gegner sein könnten. Das wäre im Stalinismus auch durchaus plausibel gewesen. Sondern man hat sie eben als unwertes Leben definiert und deswegen aus der Gesellschaft ausscheiden wollen. Diese Politik der Verfolgung fängt dann an mit einer Form von Diffamierung, also mit quasi einem sozialen Isolieren dieser Menschen, steigert sich dann hin zu den Deportationen und endet in der Massentötung im Holocaust. Sie diente nicht nur der Machtetablierung Hitlers, sondern auch der Schaffung einer scheinbaren Volksgemeinschaft, über die wir schon gesprochen haben, indem man andersartige Dinge auszumerzen versucht.

Verfolgung ist also hier kein Nebenaspekt, sondern es ist die dunkle Seite dessen, was als Volksgemeinschaft als so ein Ideal dargestellt wurde. Eine Extremform der Verfolgung, insbesondere der behinderten Menschen, ist die sogenannte

„Euthanasie“

Das ist keine medizinische Praxis, sondern es ist ein brutales staatliches Programm, das behinderte und kranke Menschen systematisch töten soll. Die Nazis verfolgen dabei die Idee der sogenannten Rassenhygiene. Wir sind wieder bei diesen biologistischen Gedanken des Volkskörpers, den man irgendwie gesund halten will, wo man sich da vorstellt, dass die Gene der Menschen halt reingehalten werden sollen.

Und um das zu garantieren, dass zum Beispiel die Gene von behinderten Menschen sich nicht… nicht vermehren, bringt man die um. Zunächst wurden Zwangssterilisationen durchgeführt. Das heißt, man hat behinderte Menschen zwangssterilisiert, indem man sie zum Beispiel eben operiert hat, um zu verhindern, dass sie Kinder kriegen können. Aber da gibt es die wildesten Experimente, die da gemacht wurden. Das ist ziemlich unappetitlich.

Aber ab 1940 hat man dann in geheimen Einrichtungen auch tatsächlich tausende von Menschen, vor allem auch Kinder, Jugendliche und so weiter, in Gaskammern, damals noch in LKWs, so improvisiert, oder eben durch Medikamente umgebracht. Dieser Vorgang, der wird als T4-Aktion bezeichnet, nach dem Gebäude in Berlin in der Tiergartenstraße 4. Und das war eigentlich, wenn man so will, eine erste Testphase für das, was man später im Holocaust gemacht hat. Denn eben hier kommen zum ersten Mal diese Gaswagen mit Zyklon B und sowas, damals häufig noch mit Abgasen, zum Einsatz. Diese Euthanasie-Morde, die zeigen, wie der NS-Staat völlig bereit ist, menschliche Leben aufgrund von ideologischen Kriterien zu beenden und Leute zu ermorden, als zentrales Element ihrer Herrschaftspraxis.

Die Euthanasie bleibt nicht so lange bestehen, denn relativ schnell kriegen die Leute das mit, und das kommt nicht so gut an. Die kirchlichen Einrichtungen, in denen viele dieser behinderten Menschen leben, die kriegen das irgendwie spitz und wehren sich dann dagegen. Und so endet die Euthanasie relativ bald wieder. Aber es zeigt eben, wozu dieser Staat bereit ist. Wenn der Staat sicher gehen will, dass sich aus irgendwelchen biologistischen…rassistischen Motiven nicht irgendwelche Leute mit irgendwelchen anderen Leuten vermehren, dann muss man die ja irgendwie räumlich trennen.

Und da beginnt die

Deportation

Das ist also die zwangsweise Umsiedlung von Menschen aus einer Region in eine andere. Und das passiert häufig unter ziemlich brutalen Bedingungen. Nachdem die Nazis an die Macht gekommen waren, begannen sie dann damit, politische Gegner, aber auch Juden und vermeintlich Asoziale und so weiter, zu deportieren, um sie zu isolieren oder sie umzubringen. Immer mehr wurden in Konzentrationslager, zum Beispiel Dachau oder Buchenwald, verschleppt, wo sie Zwangsarbeit leisten oder halt sterben mussten.

Später, ab 1941 ungefähr, ab dem Beginn der Operation Barbarossa, eben diesem Überfall auf die Sowjetunion, wurden Deportationen dann auch zum Teil der sogenannten Endlösung der Judenfrage, bei der Millionen von Juden in Todeslager, wie zum Beispiel Auschwitz, aber auch in anderen Städten, insbesondere Polen, gebracht wurden. Im Unterschied zu anderen Diktaturen, wie im Stalinismus, war die NS-Deportation nicht nur eine staatliche Machtdemonstration, sondern eigentlich ein systematisches Vernichtungswerkzeug. Die Nazis nutzten Eisenbahnzüge der Reichsbahn, die später dann als Transporte bezeichnet wurden, um ganze Gemeinschaften von Dörfern und so weiter in diesen Todeslagern zu töten. Man sagt auch Vernichtungslager dazu. Das zeigt, wie der Begriff hier nicht nur um Verlegungen geht, sondern um vorsätzliche Mordkommandos.

Das ist eine völlig einzigartige und extrem brutale Form der Herrschaftspraxis, die es in dieser industriell durchorganisierten Form bisher in der Geschichte in keinem anderen Beispiel gibt. Verbunden mit dem Konzept der Deportation ist die sogenannte

„Umvolkung“

Dieser Begriff, der ist ein bisschen schwierig heute, aber deswegen setzen wir ihn halt in Anführungszeichen. Die Nazis verfolgten ja das Ziel, haben wir eben schon besprochen, aufgrund ihrer biologischen Vorstellungen eine Rassenreinheit zu erschaffen, indem sie ganze Bevölkerungsgruppen zwangsweise aus Deutschland vertreiben oder ermorden. In besetzten Gebieten im Osten Europas wurden zum Beispiel die Juden, aber auch Roma oder Sinti vertrieben oder systematisch getötet, während arische Deutsche in diese Gebiete dann umgesiedelt wurden.

Das ist eine Vorgehensweise, die nicht nur ethnisch, sondern auch ökonomisch und ideologisch die Macht des NS sichern sollte. Der Begriff Umvolkung ist hier ziemlich spezifisch, weil es im NS-Kontext nicht um Neutralität, Integration oder sowas geht, sondern um die physische Ausrottung von Menschen, die als unwert abgestempelt werden. Anders als bei anderen Diktaturen, im Stalinismus oder so, steht hier eine biologische Rassentheorie im Vordergrund. Und dieser Gedanke der Umvolkung, der soll eben zeigen, dass man versucht, die Völker Europas gewissermaßen neu zu ordnen.

Was macht man nun mit den ganzen komischen, minderwertigen Rassen da im slawischen Bereich, Polen, Ukraine und so? Die der Nationalsozialismus im Zweiten Weltkrieg dann eindringt und die er erobert. Aus der Logik der Nationalsozialisten heraus sind das ja minderwertige Rassen. Was macht man denn jetzt mit diesen Menschen da? Und die Idee ist dann folgende.

Wir haben ja die arische Rasse, das sind die Deutschen selbst. Die sind überlegen und die können sich über alle anderen erheben und die beherrschen, die da nicht reingehören. Und diese Rassedoktrin, die wird dann neben dem, was eben in Deutschland schon rechtlich fixiert ist, auch in anderen Staaten oder in anderen Gebieten, eben in den eroberten Gebieten, zum Standard. Das heißt, wir haben hier ein System, das in den Staaten, die da erobert werden, dann auch eine

Rassendiktatur

etabliert, wo eben dann die anderen Rassen – ich mache da die ganzen Anführungszeichen im Kopf drumherum – die anderen Völker sozusagen zu Sklaven werden, die dann arbeiten können, um sozusagen das gute arische Deutschland durchzufüttern und zu ernähren, weil dafür sind sie gut genug, aber ansonsten da nichts zu melden haben, weder politisch noch sonst wie. Und damit sind wir schon wieder beim

„Lebensraum im Osten“

Über den haben wir letztes Mal schon gesprochen. Das ist ein ganz zentrales Versprechen der Nationalsozialisten, bei dem sie sich vorstellen, dass in den Gebieten wie Polen, Ukraine und Westrussland neue Flächen erobert werden sollen, wo dann deutsche, arische Deutsche siedeln sollen, um für die arische Volksgemeinschaft neues Territorium zu erschließen. Und diese Untermenschen, die da herwohnen jetzt, die Islamisten, die Juden und so, die müssen dann da weg oder die bringen wir halt um. Das heißt, dieses Konzept des Lebensraums im Osten, das ist ganz direkt verbunden mit all diesen Sachen, über die wir gerade gesprochen haben: Rassen, Diktatur, Deportation, Umvolkung und so weiter.

Und es ist auch ganz eng verbunden mit diesem ideologischen Grundgedanken der Überlegenheit der arischen Rasse, mit der man sich dann zu Recht erklärt, warum die Deutschen das jetzt alles erobern und besiedeln dürfen und die anderen weg müssen. Die letzten beiden Begriffe, die wir uns heute im Zusammenhang mit der Herrschaftspraxis der Nationalsozialisten anschauen müssen, sind die

Massenloyalität

und der

Widerstand

Das sind die beiden Seiten der Medaille, wie verhält sich die Bevölkerung gegenüber der NS-Regierung. Die Massenloyalität meint, dass die Mehrheit der Bevölkerung den Nazis und Hitler selbst aktiv oder passiv irgendwie zugestimmt haben. Das war für die Konsolidierung der Macht der Nationalsozialisten total entscheidend, denn Hitler brauchte nicht nur militärische oder staatliche Macht, sondern er brauchte auch das Vertrauen der Menschen im Land, um den Gegenwind, die Gegenwehr, den Widerstand zu minimieren.

Und die Nazis schufen so eine Mischung aus Propaganda, aus emotionaler Aufrichtigkeit und so einem Allmachtkult und so. Und diese Mischung, die sollte dazu führen, dass die Menschen die Nationalsozialisten cool und toll fanden. Und gleichzeitig drängten sie durch staatlichen Zwang, zum Beispiel die Einforderung von Spenden und die Verpflichtung zur Teilnahme an irgendwelchen Parteiveranstaltungen und so. Dadurch drängten sie auf Unterstützung. Wer sich dann weigerte, die Nationalsozialisten so sichtbar zu unterstützen, der riskierte, dass er sozial isoliert wurde oder sogar vom Staat irgendwie Repression zu befürchten hatte.

Und die Nazis setzten dabei relativ stark auf die Idee, dass die Massen ihre Herrschaft freiwillig akzeptieren würden. Die Illusion davon wurde dann durch Propaganda und selektive Wahrnehmung und so aufrechterhalten. Wir haben also eine Mischung aus freiwilliger und erzwungener Loyalität, und die hilft natürlich sehr dabei, Widerstände zu brechen und die Gesellschaft zu durchdringen, bis hin zu Jugendorganisationen wie der Hitlerjugend und so. Durch diese scheinbare Einheit gibt es eigentlich kaum erkennbaren Widerstand.

Kleine Klammer auf, das wird dann schon sichtbar, zum Beispiel im Attentat vom 20. Juli 1944, aber das dauert sehr lange, bis Deutschland erkennbar den Krieg verliert und die Zahl der Widerstandsaktionen, die ist so groß nicht. Also wenn man sich anguckt, wie viele Widerstandler wir heute kennen, dann hält sich das doch sehr in Grenzen. Tja, der Widerstand. Man kann vielleicht sagen, dass der Widerstand eins der liebsten Kinder der Historiker der Nachkriegszeit in Deutschland war.

Denn man suchte ja sich unbedingt Leute, die irgendwie dann doch Widerstand geleistet hatten gegen den Nationalsozialismus, schon allein um den Ruf des eigenen Volkes irgendwie zu retten. Wir hatten da eine… eine Diktatur, die sechs Millionen Menschen auf dem Gewissen hatte und noch sehr viele mehr durch den Zweiten Weltkrieg. Und jetzt musste man irgendwie Leute finden, die man rehabilitieren konnte, wo man zeigen konnte: Es gab doch Widerstand gegen die Nazis. Und deswegen hat man lange sehr intensiv den Widerstand beforscht. Aber so richtig riesig ist er nicht.

Ja, aber es gab ihn. Während die Nazis eigentlich versuchten, jede Form von Kritik zu unterdrücken, durch ihre Geheimdienste und so weiter, gab es schon vereinzelte Gruppen und auch eben Individuen, Einzelne, die riskiert haben, sich zu widersetzen. Und das ist wahrscheinlich das bekannteste Beispiel dafür, die Weiße Rose, diese Studentengruppe um Hans und Sophie Scholl, die Flugblätter verbreitet haben und auf diese Weise die NS-Ideologie öffentlich angriffen. Aber die wurden relativ schnell erwischt und dann auch eingesperrt und tatsächlich hingerichtet. Auch innerhalb der Wehrmacht, also der Armee, gab es diesen Widerstand um den Stauffenbergkreis, und bekannt ist dieses Attentat vom 20.

Juli 1944. Aber es gibt auch die alltäglichen kleinen Widerstandsformen, wenn man Juden geholfen hat, wenn man die NS-Propaganda ignorierte, das ist eine Form von Widerstand. Aber das ist dann doch eher isoliert, weil das Regime eben durch Terror und Überwachung und Propaganda die Leute dazu gebracht hat, sehr stillzuhalten. Widerstand war also oft eher eine Form von Einzelwiderstand, die man aber trotzdem nur unter großer Gefahr durchführen konnte. Und das zeigt natürlich zugleich die gesellschaftliche Angst, die existierte, weil die Nazis die ganz gezielt… schürten.

Widerstand war im Nationalsozialismus also eigentlich eine Ausnahme. Massenloyalität, ob nun erzwungen oder freiwillig, war die Norm. Und damit sind wir am Ende dieses gigantischen Blocks Machterwerb und Herrschaftspraxis des Nationalsozialismus. Das ist der dritte Block des Schwerpunktthemas 1 für das Abitur 2026. Es folgen noch in den nächsten beiden Folgen die Herrschaftspraxis im Stalinismus und der Zweite Weltkrieg.

Wenn euch die Folge geholfen oder gefallen hat, dann teilt sie gerne mit anderen Schülern, die sich auch auf das Abitur im Fach Geschichte vorbereiten. Ich freue mich sehr, wenn ich sehe, dass Leute die Podcasts hören und die was bringen. Ich danke euch fürs Zuhören und bleibt mir drin.