Shownotes
Am 20. Januar 2025 hat Elon Musk im Rahmen der Amtseinführung von Donald Trump mehrmals eine komische Geste gezeigt, die sehr an den "Hitlergruß" erinnerte. Was ist das für ein Gruß, wo kommt er her, und was ist dran an den Vorwürfen gegen Elon Musk?
Transkript
Der Hitlergruß: Ursprung und Bedeutung
Am 20. Januar 2025 sorgte Elon Musk für Aufsehen, als er bei einer Veranstaltung in der Capital One Arena nach Trumps Amtseinführung eine Geste zeigte, die stark dem Hitlergruß ähnelte. Diese Aktion löste weltweit Diskussionen aus und wirft Fragen zur Geschichte und Bedeutung dieses Grußes auf.
Historische Wurzeln des „römischen Grußes“
Entgegen der landläufigen Meinung war der sogenannte Saluto Romano – der „römische Gruß“ – kein typischer militärischer Gruß im antiken Rom. Zwar finden sich auf der Trajanssäule in Rom Darstellungen, die als militärische Grußgesten interpretiert wurden, doch ist dies nicht zweifelsfrei belegt. Tatsächlich handelte es sich bei der antiken Grußform eher um eine lässige Armbewegung mit geöffneter Hand, nicht um den strammen, ausgestreckten Arm, wie wir ihn aus dem Faschismus kennen.
Die moderne Form des „römischen Grußes“ entstand erst um 1919 in Italien. Benito Mussolini übernahm ihn 1922 und machte ihn zu einem offiziellen Staatsakt. Einer der glühendsten Verehrer Mussolinis und des italienischen Faschismus war Adolf Hitler, der den Gruß – wie viele andere Elemente der faschistischen Ideologie – kopierte. Ab 1925 wurde er in der NS-Bewegung etabliert, ab 1926 für Parteimitglieder zur Pflicht.
Der Hitlergruß als Instrument der Macht
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde der Hitlergruß schnell zur gesellschaftlichen Norm, obwohl es zunächst kein offizielles Gesetz dazu gab. Wer sich zu Hitler und der „nationalen Bewegung“ bekennen wollte, zeigte den Gruß – ein Signal der politischen Loyalität.
Doch der Gruß diente nicht nur der Selbstinszenierung, sondern auch der Sozialkontrolle. In einer Gesellschaft, in der viele den Gruß verwendeten, wurden Verweigerer sofort sichtbar. Sie gerieten unter Verdacht, wurden beobachtet oder denunziert. Der Gruß disziplinierte die Menschen, zwang sie zur Konformität und schuf eine Atmosphäre des Misstrauens. Kritiker passten sich an oder blieben unsichtbar, um Repressionen zu entgehen.
Rechtliche und gesellschaftliche Ächtung nach 1945
Mit dem Ende des Dritten Reichs 1945 verschwand der Hitlergruß weitgehend aus dem öffentlichen Leben. In Deutschland ist er heute nach § 86a StGB verboten: Wer Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verbreitet oder verwendet, macht sich strafbar – mit bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe oder einer Geldstrafe.
Dieses Verbot ist Teil der deutschen Erinnerungskultur. Es soll verhindern, dass Symbole des Nationalsozialismus wiederaufleben und eine neue rechtsextreme Bewegung stärken. Ähnliche Regelungen gibt es in Italien und Österreich, Ländern, die ebenfalls faschistische Diktaturen erlebten. In Staaten ohne diese historische Belastung – wie den USA – ist der Gruß hingegen nicht verboten, da dort keine Notwendigkeit besteht, faschistische Symbole zu kriminalisieren.
Der Fall Elon Musk: Absicht oder Unwissenheit?
Ob Elon Musk am 20. Januar 2025 bewusst einen Hitlergruß zeigte, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Die Geste ähnelte jedoch stark dem klassischen Hitlergruß. Historiker wie Claire Orbin und Ruth Ben-Ghiat bezeichneten sie als „eindeutigen Nazigruß“. Andere, wie Aaron Aster, sehen darin eine ungeschickte Bewegung eines Menschen mit Asperger-Syndrom – eine Erklärung, die Musk selbst ins Spiel brachte.
Die Anti-Defamation League deutete die Geste als unbeabsichtigt. Rechtlich ist die Frage in den USA irrelevant, da dort das Zeigen des Grußes nicht strafbar ist. Das Land hat ein anderes Verständnis von Meinungsfreiheit: Radikale oder grenzwertige Äußerungen werden nicht juristisch verfolgt, sondern gesellschaftlich sanktioniert.
Fazit: Sensibilität für historische Symbole
Der „römische Gruß“ mag antike Wurzeln haben, doch seine moderne Form ist untrennbar mit dem Faschismus verbunden. In Europa ist er – wie das Hakenkreuz – geächtet. Der Vorfall um Elon Musk zeigt, wie sensibel dieses Thema auch heute noch ist. Er unterstreicht die Bedeutung historischer Kontextualisierung: Wer solche Gesten verwendet, sollte sich ihrer Wirkung bewusst sein – oder riskiert, ungewollt an die dunkelsten Kapitel der Geschichte zu erinnern.