Shownotes
Das Jahr 1917 ist eine Zäsur der Zeitgeschichte und prägt das kommende Jahrhundert wie kein anderes Datum. Wir reden über:
- Imperium
- Liberalismus
- Demokratieexport
- Kommunismus
- Oktoberrevolution
Transkript
Der Erste Weltkrieg: Materialschlachten und Heimatfront
Auf unserer Reise durch das lange 19. Jahrhundert kommen wir nun zum Ersten Weltkrieg und insbesondere zu dessen Kriegsverlauf. Wie läuft dieser Erste Weltkrieg ab? Wie sieht er aus, und wohin führt er? Was bedeutet er für die Menschen?
Heute nennen wir den Großen Krieg von 1914 bis 1918 den Ersten Weltkrieg. Doch diesen Namen haben die Menschen erst viel später erfunden. Die Zeitgenossen wussten noch nicht, dass 20 Jahre später ein Zweiter Weltkrieg folgen würde. Für sie hätte der Begriff „Erster Weltkrieg“ keinen Sinn ergeben. Zudem entwickelte sich der Krieg erst nach und nach zu einem echten Weltkrieg. Zu Beginn war es vor allem ein europäischer Krieg – und von solchen hatte es bereits einige gegeben. Doch mit der Einbeziehung der Kolonien und spätestens mit dem Kriegseintritt der USA 1917 wurde daraus ein globaler Konflikt.
Dieser Erste Weltkrieg war einer der ersten modernen Kriege. Vor allem war er eine gigantische Materialschlacht. Dank der Industrialisierung konnten Feuerwaffen, Sprengstoff und Munition nun am Fließband in riesigen Stückzahlen produziert werden. In Schlachten wie bei Verdun wurden Millionen von Granaten abgefeuert. Im Gegensatz zu früheren Kriegen ging es nicht mehr primär um Taktik und Strategie – diese scheiterten vielmehr. Entscheidend war, wer mehr Stahl und mehr Menschen in den „Fleischwolf“ werfen konnte.
Man spricht daher auch von einem Stellungskrieg, weil die Soldaten monatelang in denselben Stellungen ausharrten. Sie saßen in dreckigen Schützengräben, während moderne Technik alles in Schutt und Asche legte. Panzer, Giftgas und Flugzeuge verwandelten den Krieg in eine anonyme Tötungsmaschine. Der Gegner stand nicht mehr Auge in Auge gegenüber – stattdessen traf eine Granate oder Rakete, und plötzlich war man verschwunden.
Am Ende forderte dieser Krieg schätzungsweise 17 Millionen Tote. Gekämpft wurde jedoch nicht nur an der Front, sondern auch an der sogenannten Heimatfront. Der moderne Krieg war so umfassend, dass das gesamte Land einbezogen wurde. Da die meisten Männer an der Front kämpften, übernahmen Frauen die Arbeit in den Fabriken und produzierten Granaten. Zu Hause gab es kaum noch Nahrung, weil alles an die Soldaten ging. In Deutschland hungerten die Menschen im sogenannten Steckrübenwinter, benannt nach der einzigen verfügbaren Nahrung, die in allen Variationen verzehrt wurde.
Wir sprechen hier von einem totalen Krieg – einem Krieg, der jeden Lebensbereich erfasste. Ob Soldat, Köchin, Journalist, Arzt, Schneiderin oder Schulkind, das Kriegslieder singen musste: Alle wurden von diesem Krieg berührt.
Das war unsere Folge zu Materialschlachten und Heimatfront. Im nächsten Teil geht es um das Ende des Ersten Weltkriegs, den Zusammenbruch der großen Imperien, die russische Revolution und die amerikanische Vision, die Welt für die Demokratie bereit zu machen. Damit endet unser Ritt durch das lange 19. Jahrhundert, und wir tauchen in das 20. Jahrhundert ein – auch wenn der Erste Weltkrieg eigentlich bereits dazugehört. Doch traditionell wird das lange 19. Jahrhundert bis zum Kriegsbeginn 1914 gerechnet.
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