Shownotes
Die Kursstufe in Geschichte steht ganz im Zeichen der "Modernisierung" oder der "Moderne". Was soll das eigentlich sein?
In dieser Folge spreche ich über diese Fachbegriffe:
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Moderne
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Modernisierung
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Doppelrevolution
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politische Revolution
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industrielle Revolution
Transkript
Was ist Modernisierung?
Im heutigen Podcast geht es um den Begriff der Modernisierung. Dieser ist der Leitbegriff der Kursstufe in Geschichte in Baden-Württemberg und vermutlich in ganz Deutschland.
Unter Modernisierung versteht man Veränderungsprozesse, die das Leben der Menschen im Wesentlichen moderner gestalten. Was genau „Moderne“ bedeutet, lässt sich durch verschiedene Faktoren bestimmen. Oft wird sie als Abgrenzung zum Vorherigen definiert: Das Moderne ist anders als das, was vorher war. Die Moderne umfasst etwa das 19. und 20. Jahrhundert, zumindest wenn man die gängigen Bildungspläne betrachtet. Die zentralen Veränderungsprozesse betreffen zwei Bereiche: Politik und Industrie.
Politische Revolutionen und Herrschaftsformen
Betrachten wir zunächst die politischen Veränderungen und Umstürze. Hier zeigt sich ein steter Rückbezug auf Epochen wie das Mittelalter, die frühe Neuzeit oder den Absolutismus. Im Kern geht es um den Wandel von Einzelherrschaft und Monarchien hin zu modernen, demokratischen Herrschaftsformen.
Diese können unterschiedlich ausgeprägt sein. Ein Beispiel ist die britische Variante: eine parlamentarische Monarchie, die demokratisch ist, aber dennoch einen König als Staatsoberhaupt behält. Ein anderes Beispiel ist die französische Revolution, in der zeitweise eine klassische republikanische Demokratie ohne monarchisches Staatsoberhaupt entstand.
Die französische Revolution nimmt in der Debatte um die politische Modernisierung eine Sonderstellung ein. Ein Forscher bezeichnete sie als „Laboratorium der Moderne“, weil in kürzester Zeit verschiedene Herrschaftsmodelle erprobt wurden. Es gab Phasen einer friedlichen, gesitteten Demokratie, aber auch eine radikale Diktatur, die mit späteren kommunistischen oder stalinistischen Regimen vergleichbar ist. Zudem existierte unter Napoleon eine konstitutionelle Monarchie. Die französische Revolution ist somit ein klassisches Beispiel für Modernisierung, in der alle diese modernen Herrschaftsformen durchlaufen wurden.
Industrielle Revolution und wirtschaftliche Modernisierung
Auf der wirtschaftlichen Ebene zeigt sich die Modernisierung vor allem durch schleichende Prozesse. Der Begriff „industrielle Revolution“ ist hier umstritten, da er ein plötzliches, revolutionäres Moment suggeriert. Stattdessen spricht man häufiger von Industrialisierung, weil die Veränderungen für die Zeitgenossen eher graduell waren.
Ein Mensch, der von 1800 bis 1880 lebte, erlebte dennoch einen radikalen Wandel. Zu Beginn seines Lebens spielte Technik in Deutschland kaum eine Rolle. 1880 lebte er in einem geeinten deutschen Kaiserreich, in dem Eisenbahnen und technische Geräte im großen Stil erfunden wurden und das Leben grundlegend veränderten. Dieser Wandel wurde früher als „industrielle Revolution“ bezeichnet, heute bevorzugt man den Begriff Industrialisierung.
Die Doppelrevolution: Politik und Wirtschaft im Wandel
Da beide Prozesse – politische und wirtschaftliche Veränderungen – parallel stattfanden und sich gegenseitig bedingten, spricht man oft von einer „Doppelrevolution“. Damit ist eine Revolution auf zwei Ebenen gemeint, die eng miteinander verknüpft sind. Diese Doppelrevolution aus politischer und industrieller Modernisierung kennzeichnet die Epoche der Moderne.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Modernisierung besteht aus zwei zentralen Bereichen – Politik und Industrie –, die im 19. und 20. Jahrhundert einen tiefgreifenden Wandel durchliefen. Das ist das, was wir als „Moderne“ bezeichnen.