Shownotes
Hätten die westlichen Demokratien den Zweiten Weltkrieg verhindern können? Wir sprechen über:
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Revision,
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Expansion,
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Appeasement und
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Isolationismus.
Transkript
Die NS-Außenpolitik von 1933 bis 1939
Willkommen beim Podcast von geschichtslehrer.net. Mit diesem Podcast möchte ich euch unterhaltsam und fachlich fundiert auf Klassenarbeiten und das Abitur im Fach Geschichte vorbereiten. Heute sprechen wir über die NS-Außenpolitik, also die Außenpolitik des nationalsozialistischen Deutschland von 1933 bis 1939.
Hitler und die NS-Bewegung verfolgten von Anfang an das Ziel, außenpolitisch viel zu bewegen. Ein zentrales Anliegen war die Revision des Versailler Vertrags, um Deutschland wieder zu internationaler Stärke zu verhelfen. Dieses Ziel lässt sich aus den Wahlplakaten der NSDAP herauslesen und spielte für die Nationalsozialisten eine große Rolle. Die Revision des Versailler Vertrags, insbesondere die Aufarbeitung der Niederlage im Ersten Weltkrieg, war ein zentraler Hebel für die späteren kriegerischen Verbrechen des Nationalsozialismus.
Revisionspolitik bedeutet, bestimmte Bestimmungen zurücknehmen zu wollen. Im Fokus standen dabei die Gebietsverluste des Deutschen Reichs, etwa in Schlesien, die militärische Abrüstung, die Reduzierung der Soldatenanzahl, das Verbot schwerer Waffen sowie die Reparationszahlungen, die die deutsche Wirtschaft seit 1919 belasteten. Auch die Entmilitarisierung des Rheinlands, die aus deutscher Sicht eine Schwäche gegenüber Frankreich darstellte, sollte revidiert werden.
Nach seiner Ernennung zum Reichskanzler 1933 trat Hitler zunächst zurückhaltend auf. Am 17. Mai 1933 hielt er die sogenannte Friedensrede, in der er versuchte, die Regierungen anderer demokratischer Staaten zu beruhigen. Intern war jedoch klar, dass Hitler ein Kriegstreiber war. In Mein Kampf und internen Reden betonte er stets das Ziel der Expansion nach Osten, um „Lebensraum“ für das angeblich übervölkerte Deutschland zu erobern. Diese Expansionspläne richteten sich vor allem gegen Polen, die Tschechoslowakei und die Sowjetunion.
1933 trat Deutschland aus dem Völkerbund aus, einer Vorläuferorganisation der heutigen UN, die für Friedenssicherung stand. 1935 führte das NS-Regime die Wehrpflicht wieder ein und baute offensive Waffengattungen wie die Luftwaffe und die Marine aus. Mit Großbritannien wurde das Flottenabkommen geschlossen, das Deutschland den Wiederaufbau einer militärischen Flotte erlaubte.
1936 militarisierte Deutschland das Rheinland, was einen Bruch des Versailler Vertrags und der Verträge von Locarno darstellte. Gleichzeitig unterstützte das NS-Regime heimlich die faschistische Regierung Francos im Spanischen Bürgerkrieg, insbesondere durch Luftangriffe der neu aufgebauten Luftwaffe. Diese Maßnahmen dienten der Revision der Versailler Bestimmungen und der militärischen Stärkung Deutschlands.
Der Weg in den Krieg: Expansion und Appeasement
1938 erfolgte der erste deutliche Schritt zur territorialen Expansion: die Annexion Österreichs, der sogenannte „Anschluss“. Nach einer militärischen Besetzung wurde eine Volksabstimmung durchgeführt, in der sich eine überwältigende Mehrheit für den Anschluss an Deutschland aussprach. Dieser Vorgang stand unter dem Slogan „Alle Deutschen heim ins Reich“ und zielte darauf ab, vermeintlich deutsche Gebiete einzugliedern – doch die eigentlichen Ziele gingen weit darüber hinaus.
Noch im selben Jahr übte Hitler Druck auf die Tschechoslowakei aus und nutzte die Rechte der deutschen Minderheit, der Sudetendeutschen, als Vorwand. Auf der Münchner Konferenz 1938 zwangen Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien die Tschechoslowakei, die sudetendeutschen Gebiete abzutreten. Im Gegenzug garantierten die vier Mächte die Unversehrtheit des restlichen tschechoslowakischen Territoriums. Diese Konferenz war ein Musterbeispiel für die sogenannte Appeasement-Politik – den Versuch Großbritanniens, durch Zugeständnisse an Hitler einen großen Krieg zu verhindern.
Hintergrund dieser Politik war, dass die demokratischen Staaten selbst mit inneren und kolonialen Problemen kämpften. Frankreich und Großbritannien waren als Kolonialmächte mit Unabhängigkeitsbewegungen in ihren Überseegebieten beschäftigt, und die Rückzahlung von Kriegskrediten an die USA belastete ihre Wirtschaft. Das Münchner Abkommen sollte Hitler beschwichtigen und weitere expansionistische Schritte verhindern.
Doch bereits kurz darauf brach Deutschland die Vereinbarungen: Als in der Tschechoslowakei Spannungen zwischen Tschechen und Slowaken eskalierten, marschierte die Wehrmacht ein und errichtete das Protektorat Böhmen und Mähren. Damit war das Appeasement gescheitert. Großbritannien und Frankreich reagierten mit einer Politik der Stärke: Sie garantierten die Unabhängigkeit Polens und versuchten, Deutschland zu isolieren.
Der Hitler-Stalin-Pakt und der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs
1939 schloss Hitler den Hitler-Stalin-Pakt mit der Sowjetunion, der im geheimen Zusatzprotokoll eine Aufteilung Polens im Falle eines gemeinsamen Angriffs vorsah. Damit war der Überfall auf Polen bereits geplant, während gleichzeitig Frankreich und Großbritannien dessen Unabhängigkeit garantierten. Diese Konstellation schuf die Voraussetzungen für den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im September 1939.
Auch die USA verfolgten eine isolationistische Politik und wollten sich nicht in europäische Konflikte einmischen. Diese Haltung könnte Hitlers Vertrauen in seine Expansionspläne gestärkt haben, da er davon ausging, dass die USA nicht auf Seiten der Alliierten eingreifen würden.
Bewertung der demokratischen Politik gegenüber dem NS-Regime
Wie lässt sich die Politik der Demokratien gegenüber dem nationalsozialistischen Deutschland bewerten? Einerseits unterschätzten sie Hitlers Skrupellosigkeit, wie die wiederholten Vertragsbrüche – etwa bei der Annexion Österreichs, der Remilitarisierung des Rheinlands oder der Zerschlagung der Tschechoslowakei – zeigten. Andererseits unterschätzten sie seine Entschlossenheit, seine ideologischen Ziele, insbesondere die Eroberung von „Lebensraum im Osten“, mit allen Mitteln durchzusetzen.
Die Appeasement-Politik Großbritanniens scheiterte offensichtlich. Statt den Krieg zu verhindern, verzögerte sie ihn lediglich und gab Hitler Zeit, die Wehrmacht aufzurüsten. Ein früheres entschlossenes Vorgehen gegen Hitlers Expansionsbestrebungen – etwa 1935 oder 1936 – hätte möglicherweise eine schwächere Position Deutschlands ausgenutzt. Doch eine rückblickende Bewertung bleibt schwierig, da unklar ist, welche anderen Faktoren eine Rolle gespielt hätten.
Der Hitler-Stalin-Pakt von 1939 markierte den endgültigen Bruch mit der Appeasement-Politik. Die demokratischen Staaten setzten nun auf Abschreckung, doch der Krieg war nicht mehr zu verhindern.
Heute haben wir die Begriffe Revision, Expansion, Appeasement und Isolationismus behandelt. Diese Themen sind Teil des Lehrplans für das zweite Halbjahr des Leistungsfachs Geschichte in Baden-Württemberg. Falls ihr in einem anderen Bundesland lernt, prüft bitte euren eigenen Bildungsplan, um keine relevanten Inhalte zu verpassen.
Ich hoffe, der Podcast hat euch geholfen und gefallen. Wenn ihr ihn weiterempfehlt oder ein Abo hinterlasst, freue ich mich. Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal!