Shownotes

Heute sprechen wir über den Abessinienkrieg und Italiens brutale Expansion in Afrika. Wir sprechen über:

  • Italienisch-Ostafrika,

  • Kolonien und

  • das italienische "Imperium".

Transkript

Die Wurzeln des italienischen Expansionismus

Willkommen bei geschichtslehrer.net. Mit meinem Podcast möchte ich euch dabei helfen, euch verständlich und kurzweilig auf Klassenarbeiten und das Abitur im Fach Geschichte vorzubereiten. Heute sprechen wir über die Expansion des faschistischen Italien in Afrika vor dem Zweiten Weltkrieg.

Vor dem Zweiten Weltkrieg bedeutet dies vor allem die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, denn dieser brachte für Italien eine Reihe von Enttäuschungen mit sich. Die Wurzeln dafür liegen um das Jahr 1900. Damals begann in Italien ein neuer Trend: die alte römische Gloria wieder aufleben zu lassen und das antike Imperium Romanum wieder aufzubauen. Dieser Gedanke war expansionistisch. Man wollte ein neues Imperium errichten, wozu andere Staaten oder zumindest Kolonien unterworfen werden mussten.

Die Idee bestand darin, alte Kolonien des Osmanischen Reichs, das zu dieser Zeit am Zusammenbrechen war, zu übernehmen. Das Osmanische Reich befand sich in den frühen 1900er Jahren bereits in einer Krise, die sich mit dem Ersten Weltkrieg endgültig zuspitzte. Die Italiener erkannten die Möglichkeit, dieses Machtvakuum zu füllen und die frei werdenden Gebiete zu besetzen. Kolonien sind abhängige Gebiete ohne eigene politische Macht, die von einem Imperium ausgebeutet werden. Ein solches Gebiet war das heutige Libyen, das zum Osmanischen Reich gehörte und 1912 von Italien annektiert wurde.

Die Enttäuschung nach dem Ersten Weltkrieg und der Aufstieg des Faschismus

1914 begann der Erste Weltkrieg, an dem sich Italien beteiligte. Obwohl es zu den Siegermächten zählte, erhielt es vergleichsweise wenig, da es kaum militärische Erfolge vorzuweisen hatte. Diese Enttäuschung über das mäßige Ergebnis des Krieges, bei dem man sich ein großes Kolonialreich und europäische Gebietsgewinne erhofft hatte, wurde in Italien als Vittoria Mutilata – der „verstümmelte Sieg“ – bezeichnet. Diese Enttäuschung trug maßgeblich zum Aufstieg der Faschisten unter Mussolini ab 1922 bei.

Die Faschisten verbreiteten den Wunsch nach einer neuen imperialen Macht Italiens. Sie sprachen vom Mare Nostrum – „unser Meer“ –, wie es die alten Römer getan hatten, und propagierten die Vorstellung, dass das Mittelmeer von Italien beherrscht werden sollte. In Libyen, das zu diesem Zeitpunkt bereits eine italienische Kolonie war, formierten sich Widerstandsbewegungen. Die Italiener bekämpften diesen Widerstand mit brutaler Gewalt: durch Giftgaseinsatz, Deportationen in Konzentrationslager und die Ermordung von etwa einem Achtel der libyschen Bevölkerung. 1932 galt der Widerstand als niedergeschlagen, was die Faschisten als Erfolg werteten.

Der Abessinienkrieg und die Errichtung eines rassistischen Herrschaftssystems

1935–1936 strebten die Faschisten eine weitere Expansion an. Der sogenannte Abessinienkrieg begann, der sich gegen das heutige Äthiopien sowie die Gebiete Eritrea und Somalia richtete. Italien führte diesen Krieg mit extremer Härte: durch Giftgaseinsätze, Massenbombardements und den Einsatz einer neu aufgebauten Luftwaffe. 1936 erklärte Mussolini die „Vollendung des Imperiums“, doch interne Pläne sahen eine weitaus größere Expansion vor – bis hin zur Unterwerfung ganz Nordafrikas bis zum Äquator.

Die italienische Herrschaft über Abessinien währte jedoch nur fünf Jahre. 1941 wurden die Italiener von britischen und abessinischen Truppen unter Kaiser Haile Selassie besiegt und vertrieben. In dieser kurzen Phase perfektionierten die Italiener ein System der Rassentrennung, das später als Apartheid bekannt wurde. Die Idee bestand darin, eine „Herrenrasse“ über eine als minderwertig betrachtete einheimische Bevölkerung herrschen zu lassen.

Dieses rassistische Denken ging mit brutaler Gewalt einher. Da die Gegner nicht als gleichwertige Menschen betrachtet wurden, fiel es leichter, sie grausam zu behandeln. Es gab ständigen Widerstand durch Partisanen, auf den die Italiener mit Repressalien gegen die Zivilbevölkerung reagierten. Zudem wurden rasseübergreifende Beziehungen unter drakonischen Strafen verboten, um eine „Vermischung“ zu verhindern – ein Konzept, das die Nationalsozialisten später als „Rassehygiene“ bezeichneten.

Das Scheitern der imperialen Ambitionen

Die italienische Kolonialherrschaft in Abessinien war von Ausbeutung und Unterdrückung geprägt. Doch bereits 1941 endete sie mit der Niederlage gegen britische und abessinische Truppen. Damit war die „Vollendung des Imperiums“ nach nur fünf Jahren gescheitert. Libyen blieb zunächst noch Kolonie, wurde aber später ebenfalls aufgegeben. Die Träume Italiens von einer Weltmachtstellung waren damit zerstört.

Heute haben wir über die Expansion des faschistischen Italien in Afrika gesprochen, über die Vittoria Mutilata und die Situation Italiens in den 1920er und 1930er Jahren. Wir haben italienische Ostafrika behandelt, das aus den Kolonien Eritrea, Äthiopien und Somalia bestand, sowie die Begriffe Kolonie und Imperium erläutert. Diese Themen sind Teil des Bildungsplans für das zweite Halbjahr der Kursstufe in Geschichte.

Bitte beachtet, dass ich mich am Bildungsplan von Baden-Württemberg orientiere. Die Pläne sind zwar ähnlich, aber wenn ihr in einem anderen Bundesland lernt, solltet ihr euren eigenen Bildungsplan prüfen. Wenn euch die Folge geholfen oder gefallen hat, lasst gern einen Kommentar da, abonniert den Podcast und teilt ihn mit Freunden. Für mich ist es eine große Motivation zu sehen, dass die Podcasts genutzt werden. Danke fürs Zuhören und bleibt mir treu.