Shownotes

Wie kommt es um 1942-1945 zur industriellen Ermordung von sechs Millionen Menschen, und wer trägt die Schuld daran? Wir sprechen über die Begriffe:

  • Zwangsarbeit,

  • "Endlösung",

  • Deportation,

  • Holocaust,

  • Shoa

  • und die Frage nach der Schuld.

Transkript

Die Sportpalast-Rede und der Beginn des Zweiten Weltkriegs

Die Engländer behaupten, das deutsche Volk habe sein Vertrauen zum Führer verloren. Ich frage euch: Glaubt ihr mit dem Führer und mit uns an den endgültigen, totalen Sieg der deutschen Waffen? Die Engländer behaupten, das deutsche Volk wehre sich gegen die totalen Kriegsmaßnahmen der Regierung. Es wolle nicht den totalen Krieg, sagen die Engländer, sondern die Kapitulation. Ich frage euch: Wollt ihr den totalen Krieg?

Josef Goebbels, der Propagandaminister des NS-Regimes, hält diese berühmt-berüchtigte Rede – die sogenannte Sportpalast-Rede – im Frühjahr 1943, als der Krieg für Deutschland bereits so gut wie verloren ist. Heute sprechen wir über den Zweiten Weltkrieg und seine furchtbaren Folgen für Deutschland und die ganze Welt.

Hitlers Ideologie und die Vorbereitung auf den Krieg

Der Zweite Weltkrieg ist ein zentrales Thema der NS-Ideologie und bereits in Hitlers Mein Kampf angelegt, das er über zehn Jahre vor Kriegsbeginn verfasste. Dort spricht er vom „Lebensraum im Osten“, den die „arische Rasse“ – also die Deutschen – benötige, um sich zu entfalten, da Deutschland überbevölkert sei. Dieser expansionistische Gedanke steht im Zentrum von Hitlers Ideologie und ist ein entscheidender Baustein für den späteren Krieg.

Gleichzeitig denkt Hitler in rassistischen Kategorien, insbesondere in Bezug auf die jüdische Bevölkerung. Sein Feindbild ist ein widersprüchliches Konstrukt aus Antisemitismus und Antikommunismus: Einerseits assoziiert er „Judentum“ mit dem „Finanzjudentum“ – einer angeblich reichen Elite –, andererseits mit dem „jüdischen Bolschewismus“. Dieser inkohärente Mix dient ihm als Rechtfertigung für seine Kriegspläne.

Seit seiner Machtübernahme arbeitet Hitler systematisch auf einen Krieg hin: Die Wehrpflicht wird wieder eingeführt, die Rüstungsproduktion gesteigert und die Wehrmacht ausgebaut. Spätestens ab 1936 ist klar, dass er einen großen Krieg anstrebt.

Der Überfall auf Polen und der Beginn des Weltkriegs

Am 1. September 1939 beginnt der Zweite Weltkrieg mit dem deutschen Überfall auf Polen. Als Vorwand dient eine inszenierte „False-Flag“-Aktion: Ein angeblicher polnischer Angriff auf einen deutschen Sender an der Grenze. Tatsächlich ist dies eine gezielte Provokation, um einen „Verteidigungskrieg“ zu rechtfertigen – der in Wahrheit ein Angriffskrieg ist.

Polen wird innerhalb eines Monats besiegt. Bilder zeigen polnische Soldaten mit Pferden gegen deutsche Panzer – ein Symbol für die militärische Unterlegenheit Polens. Das Land wird zwischen Deutschland und der Sowjetunion aufgeteilt, wie im Hitler-Stalin-Pakt vereinbart.

Die polnischen Eliten – Politiker, Intellektuelle und andere Führungspersönlichkeiten – werden gezielt ermordet. Auf sowjetischer Seite ist das Massaker von Katyn bekannt, doch auch die Deutschen begehen zahlreiche Verbrechen an der polnischen Führungsschicht. Ziel ist es, das Land führungslos zu machen und die lokale Kultur zu zerstören. Hier zeigen sich erste Anzeichen des späteren Vernichtungskriegs: Die slawische Bevölkerung wird als „minderwertig“ betrachtet und soll versklavt werden.

Der Westfeldzug und die Niederlage Frankreichs

1940 beginnt der Westfeldzug. Großbritannien und Frankreich hatten Polens Unabhängigkeit garantiert und erklären Deutschland nach dem Überfall den Krieg. Zunächst bleibt die Front an der deutsch-französischen Grenze ruhig, doch im Mai 1940 überfällt Deutschland Belgien, die Niederlande, Dänemark und Frankreich.

Taktisch ist dies ein Erfolg: Durch den Umweg über Belgien und die Niederlande umgeht die Wehrmacht die starken französischen Befestigungen an der deutschen Grenze. Innerhalb weniger Wochen – etwa sechs – ist Paris erobert. Frankreich wird geteilt: Im Norden entsteht ein besetztes Gebiet, im Süden das formal unabhängige Vichy-Regime, das jedoch vollständig von Deutschland kontrolliert wird.

Hitler erreicht damit den Höhepunkt seiner Popularität in Deutschland. Er hat die „Schmach von Versailles“ getilgt, und die Bevölkerung steht geschlossen hinter ihm.

Der Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion

Trotz dieses Erfolgs überfällt Hitler im Juni 1941 die Sowjetunion – sein ehemaliger Bündnispartner. Die Operation Barbarossa trifft die Rote Armee völlig unvorbereitet, da Stalin Warnungen seiner Geheimdienste ignoriert. Innerhalb kürzester Zeit erobert Deutschland riesige Gebiete und marschiert bis vor Moskau.

Doch der Winter bringt die deutsche Offensive zum Stillstand. Die Rote Armee leistet erbitterten Widerstand, und das Kriegsglück wendet sich. Im Winter 1942/43 kommt es zur Schlacht von Stalingrad – einer symbolträchtigen Auseinandersetzung, da die Stadt Stalins Namen trägt. Die Niederlage der deutschen Truppen markiert den Wendepunkt des Krieges.

Der Krieg gegen die Sowjetunion ist von Anfang an als Vernichtungs- und Weltanschauungskrieg geplant. Ziel ist die Ausbeutung der eroberten Gebiete zugunsten Deutschlands: Die einheimische Bevölkerung soll versklavt, die „arische Rasse“ angesiedelt werden. Die NS-Propaganda spricht von „Untermenschen“ (Slawen) und „kulturzersetzenden Rassen“, während Deutsche als „kulturschaffend“ gelten.

Dieser Krieg ist von extremer Brutalität geprägt:

  • Der Kommissarbefehl ordnet die Ermordung aller politischen Kommissare der Roten Armee an – ein klares Kriegsverbrechen.
  • Partisanen werden durch Repressalerschießungen bekämpft: Ganze Dörfer werden ausgelöscht, wenn sie verdächtigt werden, Widerstandskämpfer zu unterstützen.
  • Zivilisten, die sich der Besatzung widersetzen, werden ermordet.

Der Krieg wird als „Weltanschauungskrieg“ geführt – ein Kampf zwischen Nationalsozialismus und Kommunismus, bei dem der Gegner entmenschlicht und sein Lebensrecht geleugnet wird.

Der totale Krieg und das Ende des NS-Regimes

Mit der Niederlage von Stalingrad wird klar, dass Deutschland den Krieg nicht mehr gewinnen kann. Doch die Nationalsozialisten weigern sich zu kapitulieren. Goebbels ruft in seiner Sportpalast-Rede zum „totalen Krieg“ auf: Alle Bereiche der Gesellschaft sollen in den Krieg einbezogen werden.

Dies bedeutet:

  • Die Rüstungsproduktion wird massiv gesteigert, während die Herstellung von Konsumgütern eingeschränkt wird.
  • Der Lebensstandard der Bevölkerung sinkt, da alle Ressourcen in den Krieg fließen.
  • Jeder Zivilist ist unmittelbar vom Krieg betroffen – daher der Begriff „totaler Krieg“.

Die Folgen sind verheerend: In den letzten beiden Kriegsjahren sterben etwa die Hälfte aller deutschen Gefallenen. Städte werden zerstört, und als die Rote Armee vorrückt, werden KZ-Häftlinge auf Todesmärsche geschickt.

Am 30. April 1945 begeht Hitler im Führerbunker Selbstmord, kurz darauf auch Goebbels. Am 8. Mai kapituliert Deutschland bedingungslos. Doch der Krieg ist damit noch nicht vorbei: Die USA kämpfen im Pazifik weiter gegen Japan, bis die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945 auch diese Front beenden.

Die Opfer des Zweiten Weltkriegs

Der Zweite Weltkrieg fordert über 70 Millionen Tote:

  • 24 Millionen in der Sowjetunion
  • 20 Millionen in China
  • 8 Millionen in Deutschland
  • 6 Millionen in Polen
  • 3 Millionen in Japan

Neben den militärischen Opfern ist der Holocaust ein zentraler Bestandteil des Krieges – ein Thema, das wir in der nächsten Folge vertiefen werden.

Heute haben wir den Zweiten Weltkrieg als Vernichtungs- und Weltanschauungskrieg sowie den „totalen Krieg“ besprochen. Diese Begriffe sind Teil des Bildungsplans für die Kursstufe in Geschichte. Denkt daran, dass die Bildungspläne je nach Bundesland variieren können – informiert euch daher über die Vorgaben in eurem Land.

Wenn euch die Folge gefallen hat, lasst gerne einen Kommentar da, abonniert den Podcast und teilt ihn mit euren Freunden. Ich danke euch fürs Zuhören und freue mich auf die nächste Folge!