Shownotes
Was ist die Idee hinter dem Kommunismus? Warum fasziniert er im 20. Jahrhundert so viele Menschen? Wir sprechen über:
-
Klassenkampf
-
Kaderpartei
-
Antipluralismus und Antiindividualismus
-
Diktatur des Proletariats
-
klassenlose Gesellschaft
-
sozialistische Revolution
-
Sozialistischer Realismus
Transkript
Grundlagen des Kommunismus nach Karl Marx
Der Sowjetkommunismus enthält bereits die Begriffe „Kommunismus“ und „Sowjet“. Letzteres ist das russische Wort für „Rat“. Die Idee eines Rätekommunismus ist dabei ein Pleonasmus, da Sowjets bereits Räte sind – also die Gremien, über die der Kommunismus organisiert werden soll. Diese Struktur geht auf Karl Marx’ Theorie zurück.
Der Kommunismus geht von einer Klassengesellschaft aus, in der Menschen in unterschiedliche Klassen hineingeboren werden. Diese Klassen bestimmen, auf welcher Seite der Gesellschaft man steht: entweder als Teil des Proletariats, der Arbeiterschaft, oder der Bourgeoisie, der wohlhabenden Unternehmer. Zwischen diesen beiden Klassen besteht ein grundlegender Konflikt, da die Bourgeoisie nach marxistischer Auffassung das Proletariat ausbeutet.
Dies geschieht, indem Fabrikbesitzer durch die Produktion von Waren Profit erzielen. Da Arbeiter keine eigenen Fabriken besitzen, sind sie gezwungen, in den Betrieben der Bourgeoisie zu arbeiten. Sie produzieren Waren, die dem Unternehmer gehören und von diesem gewinnbringend verkauft werden. Der Arbeiter erhält jedoch nur einen Bruchteil des erzielten Werts als Lohn – der Rest bleibt als Profit beim Unternehmer. Diese Ungerechtigkeit führt laut Marx zum Klassenkampf, in dem das Proletariat gegen die Bourgeoisie aufbegehrt.
Der Kommunismus hofft, dass dieser Kampf in der „Diktatur des Proletariats“ mündet. In dieser Phase übernimmt die Arbeiterklasse die politische Macht, nachdem der kapitalistische Staat zuvor die Bourgeoisie unterstützt hatte. Nun nutzen die Arbeiter den Staat, um die Produktionsmittel – Fabriken, Maschinen – zu verstaatlichen und so die Ausbeutung zu beenden. Entscheidungen über Arbeit und Verteilung werden in Räten demokratisch getroffen, sodass alle fair entlohnt werden.
Das Ziel ist eine klassenlose Gesellschaft, in der es keine Bourgeoisie und kein Proletariat mehr gibt. Alle sind Arbeiter, und die Verteilung erfolgt nach den Beschlüssen der Räte. Allerdings führt dies zu einem Problem: Wenn Einzelne sich unfair behandelt fühlen, wird ihre Kritik als unberechtigt abgetan, da die Mehrheitsmeinung des Rates Vorrang hat. Dies nennt man Antipluralismus – das Gegenteil des Pluralismus in liberalen Demokratien, wo unterschiedliche Meinungen zugelassen werden.
Damit verbunden ist ein Anti-Individualismus: Der Einzelne soll sich der Gemeinschaft unterordnen. Die Mehrheit entscheidet, und wer abweicht, muss sich anpassen. Dies steht im krassen Gegensatz zur liberalen Demokratie, in der individuelle Meinungen geschützt und diskutiert werden dürfen.
Die praktische Umsetzung: Die Russische Revolution 1917
Die Theorie des Kommunismus wurde erstmals 1917 in Russland praktisch umgesetzt – mit der Sozialistischen Revolution unter Führung Lenins. Die Bolschewiki, die russischen Kommunisten, führten einen blutigen Bürgerkrieg, ermordeten die Zarenfamilie und errichteten eine eigene Herrschaft.
Ein zentrales Instrument war die Kaderpartei. „Kader“ bezeichnet systemtreue Eliten, die in Schlüsselpositionen der Gesellschaft eingesetzt wurden – als Bürgermeister, Fabrikleiter oder Professoren. Die kommunistische Partei baute so einen „Nebenstaat“ auf: Neben den offiziellen Staatsorganen existierte eine parallele Struktur, in der die Kader den Willen der Partei durchsetzten.
Unter Stalin wurde dieses System perfektioniert. Die Partei wurde mächtiger als der Staat selbst. Stalin regierte nicht als Regierungschef, sondern als Generalsekretär der Partei – eine Position, die ihm uneingeschränkte Macht verlieh.
Kunst im Dienst des Systems: Der sozialistische Realismus
Eine besondere Rolle spielte der sozialistische Realismus, eine Kunstrichtung, die von etwa 1920 bis 1950 in der Sowjetunion dominierte. Im Gegensatz zu impressionistischen oder expressionistischen Strömungen sollte diese Kunst „nüchtern“ die sozialistische Realität darstellen – oft als Propagandainstrument.
Typische Motive waren Arbeiter, Bauern, Soldaten oder Parteikämpfer, die eine optimistische Vision der kommunistischen Zukunft verkörperten. Abweichende Künstler wurden unterdrückt, während staatliche Förderung den sozialistischen Realismus zur vorherrschenden Stilrichtung machte.
Historische Folgen des Sowjetkommunismus
Die Auswirkungen des Sowjetkommunismus auf die Weltgeschichte sind kaum zu überschätzen. Seit der Revolution 1917 prägte er das 20. Jahrhundert maßgeblich: vom Stalinismus über die Ausbreitung des Kommunismus in Osteuropa nach 1945 bis zum Kalten Krieg und dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1989. Selbst heute wirkt er nach – etwa in China, wo eine vom Stalinismus beeinflusste kommunistische Partei herrscht.
Die Konflikte zwischen Sowjetrussland und dem nationalsozialistischen Deutschland trugen zum Zweiten Weltkrieg bei, und die Teilung Europas in Ost und West war eine direkte Folge der kommunistischen Expansion. Der Sowjetkommunismus hat damit die politische Landkarte bis heute geformt.
In dieser Folge haben wir zentrale Begriffe behandelt: Kommunismus, Klassengesellschaft, Klassenkampf, Diktatur des Proletariats, klassenlose Gesellschaft, Antipluralismus und Anti-Individualismus. Zudem ging es um die Russische Revolution, die Kaderpartei und den sozialistischen Realismus – allesamt Themen des Bildungsplans für die Kursstufe in Geschichte.
Falls ihr in Baden-Württemberg lernt, orientiert sich diese Folge am dortigen Lehrplan. In anderen Bundesländern können die Schwerpunkte leicht abweichen – ein Blick in euren Bildungsplan lohnt sich.
Wenn euch die Folge geholfen hat, freue ich mich über ein Abo und dass ihr den Podcast weiterempfehlt. Euer Feedback motiviert mich, weiterzumachen. Danke fürs Zuhören und bleibt mir treu!