Shownotes

Der Zweite Weltkrieg 1939-1945 ist eine der prägendsten historischen Epochen für die deutsche Geschichte. Wir sprechen über die Begriffe:

  • Vernichtungskrieg,

  • Weltanschauungskrieg,

  • Wehrmacht,

  • SS und

  • "totaler Krieg".

Transkript

Der Zweite Weltkrieg als Weltanschauungs- und Vernichtungskrieg

Willkommen bei geschichtslehrer.net. Mit meinem Podcast möchte ich euch verständlich und kurzweilig auf Klassenarbeiten und das Abitur im Fach Geschichte vorbereiten. In der vergangenen Folge haben wir über den Zweiten Weltkrieg gesprochen, vor allem über die militärische Seite. Zugleich passierten im Zweiten Weltkrieg jedoch eine Reihe fürchterlicher Menschheitsverbrechen, nicht zuletzt der Holocaust und die sogenannte Shoah. Diese Verbrechen wollen wir uns heute näher anschauen.

Wir haben bereits darüber gesprochen, dass der Zweite Weltkrieg aus deutscher Sicht ein Vernichtungs- und Weltanschauungskrieg war – ein Krieg im ideologischen Sinne, nicht um Territorien, sondern um die Vorherrschaft einer bestimmten Ideologie. Dahinter stand zugleich ein rassistischer Gedanke: die angebliche Überlegenheit der „arischen Rasse“, zu der die Nationalsozialisten auch die Deutschen zählten. Dieser Weltanschauungskrieg führte dazu, dass man die unterworfenen Völker als minderwertig betrachtete und ausbeuten wollte. Die Nationalsozialisten sahen sich als überlegene, kulturschaffende Rasse und setzten die als „Untermenschen“ bezeichneten Gruppen für Zwangsarbeit ein.

Diese Zwangsarbeit betraf vor allem Juden, die in Konzentrationslagern ausgebeutet und ermordet wurden, aber auch Kriegsgefangene aus der Sowjetunion und andere Zivilisten. Sie wurden für deutsche Firmen eingesetzt, sowohl in der Rüstungsindustrie als auch in großen Konzernen, die heute noch existieren, wie VW, Bosch, Daimler oder die Keksfabrik Bahlsen. Diese Praxis lässt sich auch als Teil des „totalen Kriegs“ verstehen, den Goebbels 1943 in seiner Sportpalastrede ankündigte. Um die Kriegswirtschaft aufrechtzuerhalten, wurden alle verfügbaren Arbeitskräfte – einschließlich Kriegsgefangener und unterworfener Zivilisten – ausgebeutet.

Die Rolle von Wehrmacht und SS

Deutschland setzte im Zweiten Weltkrieg zwei getrennte Militärapparate ein: die Wehrmacht und die SS. Beide führten den Krieg gemeinsam, waren jedoch völlig unterschiedliche Konstrukte.

Die Wehrmacht war die klassische Armee, die Deutschland bereits seit dem Kaiserreich kannte. Seit der Herrschaft Hitlers wurde sie jedoch auf ihn als Führer vereidigt und entwickelte sich zunehmend zu einem Werkzeug des Nationalsozialismus. Auch sie war an schweren Kriegsverbrechen beteiligt, doch die SS spielte dabei eine führende Rolle.

Die SS, ursprünglich Hitlers Leibgarde, wurde zu einer Elite-Truppe der Nationalsozialisten. Ihre Mitglieder wurden weltanschaulich selektiert, indoktriniert und brutal ausgebildet. Sie wurden sowohl im Kriegseinsatz als auch in den Vernichtungslagern eingesetzt und waren für die schlimmsten Gräueltaten des Nationalsozialismus verantwortlich. Besonders berüchtigt waren die SS-Totenkopfverbände, die für zahlreiche Kriegsverbrechen verantwortlich waren. Daneben gab es die Waffen-SS, den militärischen Flügel der SS, der ebenfalls an vielen Verbrechen beteiligt war.

Die systematische Vernichtung der Juden: Die Wannsee-Konferenz und die „Endlösung“

Ab 1942 begann die groß angelegte Vernichtung der Juden Europas. Die Wannsee-Konferenz in Berlin im Januar 1942 markierte den organisatorischen Auftakt. Dort wurde beschlossen, wie die etwa sechs Millionen Juden im deutschen Einflussbereich in Vernichtungslager deportiert und ermordet werden sollten. Der Großteil der Opfer lebte im sogenannten Generalgouvernement, dem heutigen Polen. Sie wurden in Lager wie Auschwitz, Belzec, Sobibor, Treblinka und Majdanek deportiert und dort meist vergast.

Ab 1942 begannen die intensivierten Deportationen von Juden aus Deutschland und den besetzten Gebieten. Doch nicht nur Juden waren betroffen: Auch Sinti und Roma, Homosexuelle, psychisch Kranke und andere Gruppen, die nicht zur „Volksgemeinschaft“ gezählt wurden, wurden deportiert. Besonders behinderte Menschen fielen der „Aktion T4“ zum Opfer, einem Euthanasie-Programm, das „erbkranken“ Nachwuchs verhindern sollte. Die Opfer wurden zwangssterilisiert oder ermordet. Die Aktion begann 1939, wurde aber 1941 nach öffentlichen Protesten der Kirchen eingestellt.

Holocaust und Shoah: Begriffe und Verantwortung

Die Vernichtung von etwa sechs Millionen Juden wird heute als Holocaust oder Shoah bezeichnet. Beide Begriffe haben unterschiedliche Ursprünge: „Holocaust“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Brandopfer“, während „Shoah“ hebräisch ist und „Katastrophe“ bedeutet. Der Begriff Holocaust wurde früher geprägt, während „Shoah“ erst seit den 1970er-Jahren durch die gleichnamige Fernsehserie breitere Bekanntheit erlangte.

Wer trägt die Schuld an diesen Verbrechen? Die einfache Antwort, dass nur Hitler und seine engsten Vertrauten verantwortlich waren, greift zu kurz. Jeder, der an der Organisation dieser Verbrechen mitwirkte, trägt eine Teilschuld. Dazu gehören nicht nur die Täter vor Ort, sondern auch Firmen, die Zyklon B für die Gaskammern lieferten, oder Unternehmen, die Zwangsarbeiter ausbeuteten. Selbst die Reichsbahn, die Züge in die Vernichtungslager fuhr, muss sich die Frage gefallen lassen, ob sie nicht wusste, was geschah. Beamte in Ministerien, die die Deportationen organisierten, und weite Teile der deutschen Bevölkerung waren in das System verstrickt.

Die häufig gehörte Ausrede, man habe von alldem nichts gewusst, ist nicht haltbar. Viele wussten oder hätten wissen können, was geschah.

Abschluss und Hinweise für den Unterricht

Wir haben heute über die SS und die Wehrmacht gesprochen, über die „Endlösung der Judenfrage“, die Deportationen und die Begriffe Holocaust und Shoah. Diese Themen sind Teil des Bildungsplans für das zweite Halbjahr der Kursstufe in Geschichte – zumindest in Baden-Württemberg, wo ich unterrichte. Die Bildungspläne sind zwar ähnlich, aber wenn ihr in einem anderen Bundesland lernt, solltet ihr einen Blick in euren eigenen Lehrplan werfen.

Falls euch die Folge geholfen oder gefallen hat, lasst gerne einen Kommentar da, abonniert den Podcast und teilt ihn mit Freunden, die sich auf Klassenarbeiten oder das Abitur vorbereiten. Ich danke euch fürs Zuhören und bleibt mir treu.