Shownotes

Heute sprechen wir über die Vernetzung der Welt, die sogenannte Globalisierung. Es geht um

  • Vernetzung,

  • Transnationale Konzerne,

  • Finanzmärkte und

  • die Migration.

Transkript

Die Globalisierung: Vernetzung der Welt

Der Globus ist trotz der Industrialisierung rund geblieben, aber manchmal kann man den Eindruck haben, als drehe er sich seitdem schneller. Die heutige Folge widmen wir der Globalisierung, der wachsenden Vernetzung der Welt. Wir schauen uns an, wie die weltweite Vernetzung funktioniert, welche Rolle transnationale Konzerne dabei spielen, was der Finanzmarkt damit zu tun hat und wie all das mit der wachsenden Migration zusammenhängt, die vor allem die deutsche Politik seit zehn Jahren ununterbrochen beschäftigt. Globalisierung ist vielleicht der historische Prozess, der unser Leben heute am stärksten geprägt hat.

Globalisierung ist nichts anderes als die Vernetzung des Planeten. Schon seit es Menschen gibt, gibt es auch Routen, über die Güter, Wissen und Kultur ausgetauscht werden. Mit der Zeit wurde daraus ein ganzes Netz von Routen, und heute entwickelt sich diese weltweite Vernetzung schneller als je zuvor.

Der entscheidende Meilenstein für die Globalisierung, also für die wirklich weltweite Vernetzung, war die Kommunikationsrevolution im 19. und 20. Jahrhundert. Seit den 1860er Jahren ermöglichten Telegrafie und später das Telefon eine schnelle Übertragung von Informationen zwischen Staaten und Kontinenten. Die ersten Unterseekabel im Atlantik machten es möglich, dass eine Information nicht mehr sechs Wochen, sondern nur noch wenige Minuten brauchte – bei beeindruckenden Geschwindigkeiten von etwa zehn Wörtern pro Minute. Das war damals noch so teuer, dass es nur für große Firmen oder Staaten bezahlbar war, auch wenn die Kapazität langsam wuchs.

Mit der Digitalisierung seit den 1970er Jahren nahm die Übertragungsgeschwindigkeit dann noch einmal richtig Fahrt auf. Heute können wir über moderne Glasfaser-Unterseekabel Millionen von Telefongesprächen gleichzeitig übertragen, Videogespräche führen, Online-Shopping in US-Unternehmen betreiben oder hochauflösende Serien streamen. Diese Verflechtungen betreffen uns alle und ständig. Waren, Dienstleistungen und Wissen werden weltweit gehandelt und ausgetauscht.

Gleichzeitig hat diese Vernetzung dazu beigetragen, die Armut in vielen Ländern zu reduzieren. Schwellenländer wie Indien, China oder Brasilien konnten enorm vom globalen Handel profitieren. Doch diese Vernetzung hat auch Schattenseiten, denn sie bringt Abhängigkeiten mit sich.

Ein Extrembeispiel für diese globale Vernetzung war die Corona-Pandemie von 2020. Das Covid-19-Virus breitete sich innerhalb weniger Wochen über den ganzen Globus aus, vor allem durch den ständigen internationalen Austausch von Menschen, etwa auf Langstreckenflügen. Die Ankunft von Covid-19 in Deutschland erfolgte durch eine infizierte Managerin aus China, die für ein paar Tage auf Dienstreise in Bayern war. Selten wurde so deutlich, wie eng die Welt miteinander verbunden ist – mit ihren positiven und negativen Folgen.

Transnationale Konzerne als Treiber der Globalisierung

Einer der wesentlichen Treiber dieser Vernetzung sind transnationale Großkonzerne. Das sind global agierende Unternehmen, die in vielen Ländern auf mehreren Kontinenten gleichzeitig operieren. Sie verfügen über gigantische wirtschaftliche und oft auch politische Macht. Sie lenken den Welthandel, schaffen Hunderttausende von Arbeitsplätzen, und ihre Forschungsabteilungen bestimmen mitunter das Weltgeschehen.

Diese marktbeherrschenden Unternehmen gibt es in den unterschiedlichsten Branchen: Pfizer in der Pharmaindustrie, Kraft Foods auf dem Nahrungsmittelmarkt, Nvidia in der Hardwarebranche, Monsanto in der Landwirtschaft, Microsoft in der Softwarebranche oder Google im Internet. Kennt ihr vielleicht noch weitere Beispiele für solche mächtigen Konzerne? Schreibt mir in die Kommentare, welcher Konzern oder welche Branche euch besonders interessiert – vielleicht greifen wir das Thema einmal auf.

Die meisten dieser Großkonzerne haben ihren Sitz in der sogenannten Triade. Das kommt vom lateinischen tres für drei, denn zu dieser Triade gehören die drei mächtigsten Wirtschaftsregionen der Welt: Nordamerika, Europa und Ostasien. Diese Regionen beherrschten im 19. und 20. Jahrhundert die Weltwirtschaft. Hier werden Innovationen entwickelt, die dann in andere Länder exportiert werden.

Vor 15 Jahren erfand ein nordamerikanischer Großkonzern, dessen Logo eine angebissene Obstsorte zeigt, das Smartphone – und veränderte damit den Alltag der Menschen wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Wir alle sind ununterbrochen online, tragen das Wissen der Welt in der Hosentasche, sind immer mit der Kamera ausgestattet, ständig abgelenkt, jederzeit erreichbar und lückenlos überwachbar.

Doch diese Großkonzerne werden auch stark kritisiert. Die Länder, in denen sie ihre Produkte herstellen lassen oder verkaufen, profitieren oft kaum davon, weil die Konzerne kreative Steuersparmodelle nutzen. Viele Schwellenländer bleiben auf die Rolle der Produzenten beschränkt, während die Gewinne vor allem in die Konzernzentralen in Ländern mit niedrigen Steuersätzen fließen. Besonders die großen Datenkonzerne wie Google, Meta, Amazon und Microsoft sind Meister darin, möglichst wenig von ihren Gewinnen zu versteuern.

Die Rolle der Finanzmärkte

Nicht nur Waren und Dienstleistungen sind global vernetzt, sondern auch die Finanzmärkte. Das merkt man vor allem dann, wenn eine Krise losbricht – nämlich daran, dass eine Wirtschaftskrise irgendwo beginnt und dann die ganze Weltwirtschaft mit sich reißt.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Finanzkrise von 2007 bis 2008. Banken leihen sich ständig Geld bei anderen Banken, spekulieren damit und zahlen es später zurück – weltweit, zwischen den USA, Europa und Asien. Das nennt man Investmentbanking, und die Idee ist, mit viel Risiko viel Gewinn zu machen.

Die Finanzkrise begann damit, dass amerikanische Banken wertlose Immobilien in Finanzprodukte verpackten und sie als sichere Investitionen an andere Banken verkauften. Als sich herausstellte, dass diese Produkte wertlos waren, versuchten alle, sie schnell und billig loszuwerden. Die Preise brachen ein, und Banken, die zu viele dieser Produkte gekauft hatten, gingen pleite. Andere Banken, die diesen Banken Geld geliehen hatten, gerieten ebenfalls in Schwierigkeiten – ein Dominoeffekt.

In Deutschland traf es damals die Deutsche Bank und fast auch die Commerzbank. Die globalen Finanzmärkte sind also hochsensibel. Was in einem Land geschieht, kann in anderen Ländern Folgen haben.

Doch diese Vernetzung bringt nicht nur Risiken, sondern auch Chancen. Vernetzte Finanzmärkte ermöglichen Investitionen in aufstrebende Länder, was deren Entwicklung fördert und ihnen hilft, wirtschaftlich zu den Industrienationen aufzuschließen. Handel wird einfacher und schneller. Insgesamt steigern die vernetzten Finanzmärkte den Wohlstand auf der ganzen Welt – solange sie gut funktionieren. Wenn nicht, können sie ihn auch ruinieren.

Migration als Folge der Globalisierung

Globalisierung führt zu Migration. Menschen verlassen aus den verschiedensten Gründen ihre Heimat: auf der Suche nach Wohlstand, auf der Flucht vor Hunger, Verfolgung oder Krieg. Meist sind es die jüngeren, besser ausgebildeten Menschen, die sich auf den Weg machen, um in anderen Ländern ihr Glück zu suchen.

Diese Migration kann man zwiespältig sehen. Einerseits profitieren die Empfängerländer von neuen Arbeitskräften, andererseits haben sie oft Schwierigkeiten, diese Menschen in ihre Gesellschaften und Wertvorstellungen zu integrieren. Gleichzeitig verlieren die Herkunftsländer durch die Abwanderung junger, gebildeter Menschen wertvolle Arbeitskräfte, was ihre ohnehin kritische wirtschaftliche Lage weiter verschlechtert.

Die Globalisierung ist ein Prozess, dessen Einfluss auf unser Leben wir kaum überschätzen können. Ob durch transnationale Konzerne, Finanzmärkte oder Migration – die fortschreitende Vernetzung unserer Welt bringt enorme Risiken, aber auch enorme Chancen mit sich. Und jeder von uns ist ein Teil dieses weltweiten Netzwerks.

Wir haben heute die Begriffe Globalisierung, Vernetzung, transnationale Konzerne, Finanzmärkte und Migration besprochen – Themen, die im dritten Halbjahr der Kursstufe im Fach Geschichte behandelt werden.

Heute ist eine besondere Folge für mich, denn geschichtslehrer.net hat letzte Woche die 100 Abonnenten und 2500 Wiedergaben geknackt. Zu sehen, dass so viele von euch meinen Podcast mögen oder zumindest damit lernen, ist für mich die schönste Bestätigung. Wenn euch die Folge geholfen oder gefallen hat, lasst gerne einen Kommentar da, abonniert den Podcast und teilt ihn mit euren Freunden. Ich danke euch fürs Einschalten und bleibt mir treu.